Mordfall Schalla: Ralf H. erscheint mit trauriger Maske vor Gericht

hzProzess-Neustart

Knapp 27 Jahre nach dem Mord an der Dortmunder Schülerin Nicole-Denise Schalla hat der zweite Prozess gegen Ralf H. begonnen. Dabei kam der Angeklagte erstmals als freier Mann ins Gericht.

Dortmund, Castrop-Rauxel

, 04.08.2020, 14:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieser Moment war mit Spannung erwartet worden: Es war kurz vor halb zehn, als Ralf H. das Landgericht Dortmund betrat. Der 55-jährige Castrop-Rauxeler kam erstmals als freier Mann, wurde durch einen Seiteneingang und dann direkt zur Anklagebank geführt.

Knapp 27 Jahre ist es her, dass er die Dortmunder Schülerin Nicole-Denise Schalla ermordet haben soll – heimtückisch, aus sexuellen Motiven. Das hat er jedoch immer bestritten. Und auch diesmal wird es wohl nicht anders sein.

Verteidiger: „Es muss der Richtige verurteilt werden“

„Er fühlt sich unschuldig und wird sich dem Verfahren erhobenen Hauptes stellen“, sagte sein Verteidiger Udo Vetter am Rande des Prozesses. Es gehe ja nicht darum, dass jemand verurteilt werde, um der Gerechtigkeit genüge zu tun. „Es muss auch der Richtige verurteilt werden.“

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Rund zwei Wochen ist es her, dass Ralf H. völlig überraschend aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. Nachdem der erste Prozess Anfang des Jahres wegen der Erkrankung einer Richterin geplatzt war, hatte das Dortmunder Schwurgericht aus Sicht des Oberlandesgerichts nicht schnell genug wieder angefangen.

Auch der zweite Prozess im Mordfall Schalla steht auf wackeligen Füßen

Und auch diesmal steht der Prozess auf wackligen Füßen. Die Verteidiger haben den Wechsel des Vorsitzenden Richters (aus Krankheitsgründen) gerügt. Darüber muss nun wieder das Oberlandesgericht in Hamm entscheiden. Wird der Rüge stattgegeben, platzt auch dieser Prozess. Mit einem Ergebnis wird in den nächsten Tagen gerechnet.

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Für die Eltern von Nicole-Denise Schalla geht der Albtraum inzwischen immer weiter. „Wir versuchen zwar, vom Gefühl auf Kopf umzustellen“, so Mutter Sigrid nach Ende des ersten Verhandlungstages. „Aber wir sind trotzdem am Boden zerstört und verzweifelt.“ Das greife sie auch gesundheitlich an.

Wut und Verzweiflung bei den Eltern

Dafür, dass der Angeklagte im Juli aus der Untersuchungshaft entlassen worden ist, fehle ihr jedes Verständnis. „Das lässt uns an den Gerichten zweifeln. Für uns persönlich hat der Angeklagte unsere Tochter getötet.“

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Auch bei ihrem Mann sei „sehr viel Wut“ zu spüren, so Arabella Pooth, die das Ehepaar Schalla im Prozess vertritt. „Aber ich bin mir sicher, dass er sich im Griff hat.“

Wegen möglicher Emotionen hatte das Dortmunder Landgericht sogar die Polizei um Unterstützung gebeten. Zwei Beamte hatten sich direkt vor dem Eingang positioniert. Die Zuschauer mussten den Saal durch einen Extra-Zugang betreten.

Ralf H. hatte Mund-Nasen-Maske mit traurigem Smiley-Mund

Ralf H. selbst versteckte sich hinter einer schwarzen Mund-Nasen-Maske, auf der in Weiß ein trauriger Smiley-Mund aufgedruckt war. Außerdem trug er eine Schlägermütze und eine Jacke mit einer Kapuze, die er sich tief ins Gesicht gezogen hatte. Ob er sich zu den Vorwürfen äußern wird, ist noch unklar.

„Es war nicht einfach, sich nach über zwei Jahren Untersuchungshaft wieder einzufinden“, so Verteidiger Vetter. Er habe jedoch zum Glück eine Lebenspartnerin und sei gut untergebracht. „Er orientiert sich neu, versucht sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.“ Er selbst nehme den 55-Jährigen als „aufrichtigen und ehrlichen“ Menschen war.

Verteidigung kritisiert Umgang mit Hautschuppe

Von Seiten der Verteidigung wird vor allem der Umgang mit einer DNA-Spur kritisiert. Auf dem Körper von Nicole-Denise Schalla war eine Hautschuppe sichergestellt worden, die nach neuen Untersuchungen laut Staatsanwaltschaft dem Angeklagten zuzuordnen ist.

„Das ist aber kein Beweis, höchstens ein Indiz", so Vetter. „Und dann noch ein sehr schwaches.“

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