Musiklehrer Tony Liotta wartet auf Soforthilfe: „Es ist ein Albtraum“

hzCorona-Krise

Wochenlang ging nichts mehr in der Drumschool von Tony Liotta. Der Musiker komponierte einst die Hymne für die Loveparade in Dortmund. Nun musste auch er staatliche Hilfe beantragen.

Aplerbeck

, 05.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit über sechs Wochen geht nichts mehr. In der Drumschool am Sölder Kirchweg herrschte zuvor Leben. Nur dumpf kamen die Töne aus den komplett gedämmten Räumen, wenn der eine oder andere Schüler aus dem Schlagzeug das Letzte herausholte.

Sogar Konzerte gab es hier schon. Besucher an Besucher dichtgedrängt, schwitzend und feiernd. Es kommt einem so vor, als wäre das alles im letzten Jahrhundert passiert. Im Moment sind die Räume zu. Die Schlagzeuge verstauben ein wenig.

Keine Einnahmen

Statt heißer Beats ist das Rascheln von Papier zu hören, wenn Musiklehrer und Schlagzeuger Tony Liotta die Akten wälzt und seinen Blick über die Ausgaben und Einnahmen schweifen lässt.

Bei den Einnahmen steht die Null, die Ausgaben gehen weiter. Jetzt scheint aber endlich etwas Licht am Ende des Tunnels zu sein. Denn seit Montag (4.5.) dürfen unter anderem Musikschulen wieder öffnen. Natürlich unter strenger Einhaltung der Hygieneregeln.

Die Unterrichtsräume sind seit über sechs Wochen verlassen.

Die Unterrichtsräume sind seit über sechs Wochen verlassen. © Jörg Bauerfeld

Die gepante Deutschlandtournee mit Band wird es für Tony Liotta aber nicht so schnell geben. Lockerungen sind hier noch lange nicht in Sicht. „Wir wollten meine neue CD vorstellen“, so der Musiker, der schon für die Dortmunder Loveparade die Hymne komponiert hat. „Es ist alles wie ein Nightmare“, sagt Liotta. Ein Albtraum also, aus dem er endlich zu erwachen hofft.

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„Es ist schlimm, vor allem für die Musiker, mit denen ich zusammenspiele“, sagt er. Studiomusiker sind die meisten – ohne feste Verträge. Wenn jetzt alles weg breche, würden sie ohne jegliche Einnahmen dastehen.

Staatliche Hilfe beantragt

Bei Tony Liotta sieht es nicht anders aus. Für seine Musikschule in Aplerbeck hat er staatliche Hilfe beantragt. Künstler können die Corona-Hilfe beispielsweise bei der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten anfordern. Auch das Land NRW hat einen Hilfsfond aufgelegt.

Trotz pünktlicher Beantragung wartet Liotta immer noch auf die Soforthilfe. Durch Online-Betrüger gab es einen Stopp bei der Bearbeitung der zahlreichen Anträge. All das kostet Zeit. Zeit, die teuer wird für Selbständige ohne Einnahmen. Denn neben den fehlenden Auftritten als Musiker fehlten in den vergangenen Wochen eben auch die Musikschuleinnahmen.

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Dass es in diesem Jahr noch irgendwelche Konzerte gibt, glaubt Liotta nicht. „Bitter für die Jungs, die die kleineren Clubs betreiben. Die leben davon.“ Viele werden nicht mehr da sein, wenn alles wieder normal laufe – wenn.

Jetzt sei es wichtig, dass die privaten Musikschulen wieder Unterricht geben können. Und dann hofft Liotta, dass auch die Schüler wiederkommen. In seine Drumschool, die er schon seit 1978 betreibt. Und dann gibt es – vielleicht 2021 wieder – Konzerte, eine Tour und die Vorstellung der neuen CD.

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