Mutmaßlicher Serien-Brandstifter: „Ich war nur zufällig vor Ort, als es anfing zu brennen“

hzProzess am Landgericht

Immer wieder brannten im Sommer 2019 Felder und Strohlager in Dortmund und Umgebung. Jetzt steht der mutmaßliche Brandstifter vor Gericht. Der Dortmunder gab einige Taten zu – aber nicht alle.

Dortmund

, 14.01.2020, 16:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 21-jährige Dortmunder war im vergangenen August unmittelbar nach einem Strohballen-Brand in Kamen festgenommen worden.

Sein damals abgelegtes Geständnis wollte er vor Gericht jedoch nicht sofort wiederholen. Erst nach und nach rückte er am Dienstag in Dortmund mit der Sprache heraus und räumte zumindest Teile der angeklagten elf Taten ein.

Gutachter spricht von Pyromanie

Der vom Gericht eingeschaltete Psychiater ist davon überzeugt, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Taten nur vermindert schuldfähig war. Die Rede ist von pathologischer Brandstiftung, also Pyromanie, und einer Unfähigkeit, spontane Impulse unter Kontrolle zu bringen.

Wie zum Beweis erklärte der 21-Jährige den Richtern dann auch, was in seinem Kopf vorging, als er mit seinem Auto von Feld zu Feld fuhr, um Strohballen anzuzünden. „Zuerst bin ich einfach nur herumgefahren, um mich zu beruhigen“, sagte der Dortmunder. „Aber auf einmal hat es im Kopf klack gemacht.“ Dann habe er nur noch den Gedanken gehabt, etwas in Brand stecken zu müssen.

Sachschaden beträgt über 150.000 Euro

Bei den elf Feuern, von denen in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft die Rede ist, entstand ein Sachschaden von über 150.000 Euro. Der Angeklagte soll nämlich nicht nur Felder und Strohlager, sondern einmal auch ein leerstehendes Haus in Brand gesteckt haben. Das Gebäude brannte völlig aus.

Mutmaßlicher Serien-Brandstifter: „Ich war nur zufällig vor Ort, als es anfing zu brennen“

Der Angeklagte wird von Rechtsanwalt Dirk Mayer verteidigt. © Martin von Braunschweig

Die Serie begann laut Staatsanwaltschaft am 2. Juli in Holzwickede. Mit diesem Feuer will der Angeklagte indes nichts zu tun haben. „Ich war nur zufällig vor Ort, als es plötzlich anfing zu brennen“, sagte er den Richtern. Einen Verdächtigen habe er nicht gesehen. „Ich habe aber noch selbst den Bauern alarmiert, der dann die Feuerwehr gerufen hat“, sagte der junge Mann.

Einzelne Taten bestritten

Auch bei einem weiteren Feuer Ende Juli in Kamen will der 21-Jährige zu Unrecht ins Visier der Ermittler geraten sein. Er ist sich sicher, dass er mit dem Brand eines 700 Quadratmeter großen Weizenfeldes nichts zu tun hat. Auch die Zerstörung von etwa fünf Hektar Winterweizen in Iserlohn muss seiner Meinung nach ein anderer Brandstifter verursacht haben.

Für das Gericht steht in diesem Prozess neben einer angemessenen Bestrafung des Angeklagten vor allem die Frage seiner möglichen Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus im Raum. Zurzeit befindet sich der 21-Jährige schon vorläufig in einer geschlossenen Klinik für psychisch kranke Patienten.

Und dort soll er nach dem Willen von Oberstaatsanwältin Carola Jakobs auch unbedingt bleiben. Andernfalls sei die Sicherheit der Allgemeinheit nicht zu gewährleisten.

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