Der Sohn einer Dortmunderin leidet an Schizophrenie und lebt momentan auf der Straße (Symbolbild). © picture alliance/dpa
Psychische Krankheit

Mutter findet vermissten, psychisch kranken Sohn – doch es läuft nicht wie geplant

Eine Mutter aus Dortmund ist seit Monaten auf der Suche nach ihrem vermissten Sohn, der an Schizophrenie leidet. Nun hat sie ihn gefunden – doch die Begegnung lief anders als erhofft.

Die Sorge war groß: Ist er vielleicht schon gestorben und keiner hat es mitbekommen? Er hat schließlich keine Papiere bei sich. Wenn ihn jemand findet, ist es daher schwer, ihn zu identifizieren. Unter Umständen hat er sich inzwischen auch schon eine neue Identität zugelegt…

Eine Mutter aus Dortmund versuchte in den vergangenen Wochen und Monaten verzweifelt, ihren Sohn zu finden. Dieser leidet an Schizophrenie. Er lebt auf der Straße in einem an Deutschland angrenzenden Land. Ihm fällt es schwer, seinen Alltag zu regeln. Psychosen bestimmen sein Leben. Hier hatten wir über den Fall berichtet:

„Nachdem ich ihn gefragt habe, wie es ihm geht, ist er vor mir weggelaufen“

Nach mehreren Krankenhaus-Aufenthalten hat der Mitzwanziger seit Monaten bereits keinen festen Wohnsitz mehr. Er galt in Dortmund offiziell als vermisst, begab sich dann aber in ein deutsches Nachbarland. Einige Male wurde er von einem Bekannten dort gesehen, so dass die Mutter wenigstens wusste, dass er noch lebt.

Im Dezember reiste sie in die Stadt, wo ihr Sohn zuletzt einige Male gesichtet wurde. Doch der Trip war erfolglos. Nun – kurz nach dem Jahreswechsel – versuchte sie es erneut – und fand ihr Kind tatsächlich. Aber die Begegnung lief anders als erhofft.

„Er sah nicht gut aus und hatte nasse Sachen an. Er war schlecht drauf. Nachdem ich ihn gefragt habe, wie es ihm geht, ist er vor mir weggelaufen“, erzählt sie. Die pensionierte Krankenschwester vermutet, dass ihr Sohn sie als Gefahr sieht.

Kontakt mit deutscher Botschaft

Hintergrund: Sie besuchte ihn einmal im Krankenhaus, als er unter starken Psychosen litt. Sie geht davon aus, dass er nicht wollte, dass sie ihn so sieht. Daher sei ein Aufeinandertreffen nun mit den negativen Assoziationen zu dem Krankenhausaufenthalt verbunden, spekuliert die Mutter – und da will der Mitzwanziger nicht wieder hin.

Vor Ort nahm sie keinen Kontakt zu den Behörden auf. Darüber ärgert sie sich im Nachhinein über sich selbst: „Als ich dann wieder Zuhause war, wünschte ich, dass ich anders gehandelt hätte.“ Einen Tag später kontaktierte sie die Polizei in Dortmund. Die Behörde argumentierte jedoch damit, dass ihr Sohn volljährig sei. Deswegen könnte man da nichts machen.

Nun hat die Dortmunderin Kontakt mit der deutschen Botschaft im Nachbarland aufgenommen. Sie hofft, darüber an Soziale Dienste oder ähnliche Organisationen heranzukommen. „Aktuell fühle ich mich überfordert und nicht mehr handlungsfähig. Ich weiß nicht, was ich noch tun kann. Mein Sohn könnte jeden Moment eine Lungenentzündung erleiden – und dann ist unklar, was passiert.“

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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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