Nach einem Brand in Dortmund wohnen Mieter weiter in verrußtem Haus

hzBrand in Mehrfamilienhaus

Ein Kellerbrand hat ein Haus im Dortmunder Norden eigentlich unbewohnbar gemacht. Doch die Mieter wohnen längst wieder darin - obwohl sie um ihre Gesundheit fürchten.

Nordstadt

, 24.11.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist ein Mittwochabend, der 6. November, an dem es im Keller eines Hauses an der Schützenstraße Ecke Fliederstraße brennt. Im vierten Stock wohnen Markus und Diana Flohr. Um kurz nach 21 Uhr hat sich die 44-jährige Diana Flohr gerade auf den Weg zum Nachtdienst gemacht. „Plötzlich klopfte jemand wie wild an meine Tür“, erinnert sich Markus Flohr.

Ein Nachbar brüllt: „Im Keller brennt`s!“ Markus Flohr versucht noch, die Feuerwehr zu erreichen, kommt aber nicht durch. Er zieht sich schnell etwas über, legt Hund „Lucky“ an die Leine und tastet sich mit dem Tier durch den bereits verrauchten Hausflur nach unten.

Licht fiel aus, Brandmelder reagierten zu spät

„Ich hatte echt Angst, dass ich es nicht schaffe“, erinnert sich Flohr. „Man konnte gerade mal fünf Zentimeter weit sehen durch den Rauch, das Atmen war schwer. Das Licht war ausgefallen.“

Unten kommen ihm bereits die ersten Feuerwehrleute entgegen. „Erst als ich unten ankam, da fing oben im Flur der Brandmelder an zu piepsen“, erzählt er. „Da wäre es schon zu spät gewesen.“

Die Feuerwehr rettet an diesem Abend noch 16 weitere Bewohner aus dem Mehrfamilienhaus; neben Flohr hatten es nur zwei Mieter eigenständig nach draußen geschafft. Auch zwei Kinder müssen gerettet werden, neun Menschen kommen ins Krankenhaus.

Jetzt, rund zwei Wochen nach dem Brand, ärgern sich einige der Mieter über die Hausverwaltung. Das Haus, sagen auch die Flohrs, sei so eigentlich nicht bewohnbar. Unmittelbar nach dem Brand hätten Feuerwehr und Polizei es versiegelt. Wenige Tage später sei es dann wieder für bewohnbar erklärt worden.

Nach einem Brand in Dortmund wohnen Mieter weiter in verrußtem Haus

Zurzeit wird in dem Haus an der Schützenstraße der Keller entrümpelt. © Martina Niehaus

Was man bei einem Gang durch den Flur erkennt, sind Mitarbeiter der Hausverwaltung in Schutzanzügen und mit Putzeimern, die den Keller entrümpeln und den Flur putzen. „Die Handwerker geben sich unheimlich Mühe, das muss ich sagen“, räumt Diana Flohr ein.

Dabei sind die Wände nach wie vor verrußt und verraucht; der gesamte Hausflur riecht nach Rauch. Einige Mieter befürchten, jetzt von dem Rauch und Ruß krank zu werden.

Feuerwehr: „Gesundheitlich ist das sicher nicht gut“

André Lüddecke, der Pressesprecher der Dortmunder Feuerwehr, sagt dazu: „Man kann dem Hauseigentümer von Seiten der Feuerwehr nach einem Brand immer nur eine Empfehlung aussprechen, aber nichts anordnen. Die meisten Eigentümer halten sich an unsere Empfehlungen.“

Normalerweise, so Lüddecke, müsse sich ein Eigentümer nach einem größeren Brandschaden mit seiner Versicherung in Verbindung setzen, die dann einen Sachverständigen schickt. Lüddecke weiß, dass bei dem Kellerbrand in der Schützenstraße auch Farben und Lacke verbrannt seien. „Gesundheitlich ist das sicher nicht gut.“

Nach einem Brand in Dortmund wohnen Mieter weiter in verrußtem Haus

Im Keller des Mehrfamilienhauses war ein Feuer ausgebrochen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Die Mieter sagen: Bereits vor dem Brand gab es Mängel. © Mieternetzwerk

Laut Paragraph 3 der Bauordnung habe ein Vermieter oder Hausverwalter überdies eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mietern. „Ich sehe hier eindeutige Verstöße gegen die Bauordnung“, sagt der Feuerwehr-Pressesprecher.

Auszug aus Paragraph 3 der Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen mit Stand vom 9.11.2019: „Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht gefährdet werden [...]. Anlagen müssen bei ordnungsgemäßer Instandhaltung die allgemeinen Anforderungen des Satzes 1 ihrem Zweck entsprechend dauerhaft erfüllen und ohne Missstände benutzbar sein.“

Das sieht der Hauseigentümer, der seinen Namen nicht nennen möchte, ganz anders. Zunächst will er sich gar nicht äußern, weil es sich wegen der noch laufenden Brandermittlungen um ein schwebendes Verfahren handele. Dann überlegt er es sich anders: In einem persönlichen Gespräch schildert er seine Sicht der Dinge.

„Die Kripo hat das Haus am Donnerstag wieder freigegeben und gesagt, es bestünde keine Gefahr mehr. Unsere Mitarbeiter haben sich dann beeilt, die Mieter schnell wieder mit Strom, Wasser und Gas zu versorgen“, sagt er. Viele hätten sonst nicht gewusst, wo sie übernachten sollten.

Was die Fürsorgepflicht gegenüber den Mietern betrifft, hat der Hausverwalter auch eine eigene Meinung: „Meine Mitarbeiter kümmern sich ständig, auch wenn die Mieter mal andere Probleme haben.“ Erst kürzlich habe man einer Mieterin geholfen, der das Portemonnaie mit der kompletten Monatsmiete gestohlen worden sei. Das bestätigen auch zwei seiner Mitarbeiter.

Kaputte Wohnungstüren - wer ist Schuld daran?

Marco Krieg ist Vorsitzender des Mieternetzwerkes Dortmund e.V. „Schon vor dem Brand war dieses Haus eigentlich unbewohnbar“, sagt er. „Aber die Mieter trauen sich nicht, etwas zu sagen. Sie haben Angst, dass sie dann an die Luft gesetzt werden. Die sind fix und fertig.“

Fotos, die das Mieternetzwerk zur Verfügung gestellt hat, zeigen offenliegende Kabel, Schimmel- und Wasserflecken an den Wänden und kaputte Wohnungstüren. So sei eines der Fenster der Flohrs nach ihren Angaben im Mai 2018 aus dem Rahmen gebrochen und nach innen gefallen - genau auf das Bett ihres Sohnes.

„Viele dieser Dinge sind inzwischen repariert, andere Dinge wie Wohnungstüren oder Briefkästen reparieren wir ständig. Aber genauso schnell werden sie wieder kaputt gemacht“, entgegnet der Hauseigentümer. Zu dem Fenster sagt er: „Das ist eben ein altes Haus aus den 50er-Jahren, vielleicht hat jemand zu fest daran gezogen.“ Das Fenster sei ebenfalls umgehend repariert worden.

Nach einem Brand in Dortmund wohnen Mieter weiter in verrußtem Haus

In einer Wohnung im vierten Stock ist im Mai 2018 nach Aussagen der Mieter dieses Fenster auf das Kinderbett gefallen. © Mieternetzwerk

Die Bewohner vermuten, dass der Kellerbrand in einem vernünftig sanierten Haus mit funktionierenden Brandschutztüren schneller hätte eingedämmt werden können - oder gar nicht erst ausgebrochen wäre. Mehrere von ihnen wollen jetzt gegen ihren Hauseigentümer klagen. Der sagt: „Wir kümmern uns hier jeden Tag aufs Neue gut um unsere Mieter.“

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