Nach Legionellen-Fund: Patienten erheben Vorwürfe gegen Behörden

hzSchwere Lungenerkrankung

Im Januar waren in einem Betrieb in Aplerbeck Legionellen nachgewiesen worden. Für die Behörden schien das Thema bereits abgeschlossen. Doch jetzt erheben zwei Patienten mehrere Vorwürfe.

Dortmund, Aplerbeck

, 19.05.2020, 14:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es sind mikroskopisch kleine Teilchen, die schwere gesundheitliche Schäden anrichten können. Nachdem im Januar in einem Aplerbecker Betrieb Legionellen gefunden wurden, erkrankten mehrere Menschen an einer sogenannten Legionellose, einer schweren Lungenentzündung.

Aus dem Dortmunder Gesundheitsamt hieß es, alle Patienten seien mittlerweile wieder gesund. Aber stimmt das auch? Zwei Patienten behaupten das Gegenteil und erheben weitere Vorwürfe.

Björn Haedecke arbeitet in der LWL-Klinik in der Marsbruchstraße. Als er Mitte Februar hohes Fieber bekommt, geht er zum Arzt und wird krankgeschrieben. Doch die Beschwerden werden nicht weniger. Schließlich wird er in ein Krankenhaus eingewiesen. Als er in der Zeitung von dem Legionellen-Fund in Aplerbeck liest, informiert er seinen behandelnden Arzt.

Legionellose ist eine meldepflichtige Krankheit

„Daraufhin hat mich der Doktor dann getestet und bei mir eine Legionellose festgestellt. Zwischenzeitlich musste ich dann sogar mehrfach stationär behandelt werden. Der Arzt meinte, ich hätte auch sterben können“, erklärt Haedecke.

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Da es sich bei einer Legionellose um eine meldepflichtige Krankheit handelt, wurde umgehend das Dortmunder Gesundheitsamt informiert. Hier beginnen laut Haedecke die Ungereimtheiten.

Meldung bleibt unbeantwortet

„Normalerweise muss sich das Gesundheitsamt dann sofort mit einem in Verbindung setzen. Das passierte jedoch erst Anfang Mai“, so der Dortmunder.

Obwohl die Meldebescheinigung nachweislich an das Gesundheitsamt übermittelt wurde, war sie laut Haedecke dort nicht auffindbar. Für ihn ein unverständlicher Vorgang: „Wie kann es sein, dass solche Unterlagen einfach verschwinden?“

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Der Grund für die verspätete Kontaktaufnahme sei der Zeitpunkt der ersten Meldung gewesen, erklärt Stadtsprecherin Katrin Pinetzki. „Die Meldung erfolgte in der ersten Hochphase der Corona-Pandemie. Weil zudem mehrere Mitarbeiter des Gesundheitsamtes erkrankt waren, waren die personellen Kapazitäten reduziert.“

Da eine Legionellose nicht von Mensch zu Mensch übertragbar sei und die betroffene Anlage bereits abgeschaltet worden war, habe zu diesem Zeitpunkt keine andauernde Gefahr für die Bevölkerung bestanden.

Betrieb geht nach Legionellen-Fund zunächst weiter

Allerdings komme ihm noch ein Umstand komisch vor, betont Haedecke: „Warum lässt man zwischen der ersten und der zweiten Probe vier Wochen verstreichen, in denen der Betrieb normal weiterläuft? In dieser Zeit können sich noch viel mehr Menschen mit den Keimen infiziert haben.“

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Der Zeitraum von vier Wochen zwischen den beiden Proben sei allerdings von den Behörden genau so vorgesehen, erklärte Heinz-Jörg Gimpel von der zuständigen Unteren Immissionsschutzbehörde Hagen auf einer Pressekonferenz im März. Und ergänzte: „Im Anschluss ist der Betrieb umgehend stillgelegt worden.“

Patient muss in künstliches Koma versetzt werden

Unterdessen ist Björn Haedecke nicht der Einzige, der nach wie vor mit gesundheitlichen Problemen kämpft. Auch Klaus Schwering leidet an den Folgen einer Legionelleninfektion, wie dessen Frau Stefanie erzählt: „Mein Mann ist am 17. Februar mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus gekommen und es wurde bei ihm sofort eine Legionellose festgestellt.“

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Der Fall sei daraufhin ebenfalls dem Gesundheitsamt gemeldet worden, doch auch hier ein vergleichbares Bild: Erst Anfang Mai habe man eine Rückmeldung erhalten und laut Schwering auch nur, „weil ich selber hinterher telefoniert habe.“ Nachdem ihr Mann zwischenzeitlich sogar im künstlichen Koma gelegen habe, befinde er sich nun in einer Paderborner Reha-Klinik.

Anzeichen auf Verursacher verdichten sich

Und auch im Fall von Klaus Schwering gibt es einen Zusammenhang zur Marsbruchstraße, denn: „Mein Mann und ich sind dort regelmäßig spazieren gegangen. Das kann doch kein Zufall sein. Aber niemand will uns sagen, von welchem Betrieb diese Legionellen kommen.“

Derweil erhärten sich die Anzeichen, dass es sich bei dem verantwortlichen Betrieb um die Außenstelle des Materialprüfungsamtes Nordrhein-Westfalen (MPA NRW) in der Marsbruchstraße handelt. Darauf deutet ein Schreiben hin, dass das MPA NRW am 16. März auf seiner Internetseite veröffentlichte.

Darin heißt es: „Im Februar wurde an einer Anlage des MPA NRW eine erhöhte Legionellenkonzentration festgestellt. Fast gleichzeitig sind Fälle von Legionellose aufgetreten. Es ist noch nicht mit hinreichender Sicherheit geklärt, ob die Anlage im MPA NRW dafür ursächlich ist.“

Nachverfolgung nicht mehr möglich

Beim Gesundheitsamt Dortmund verweist Sprecherin Anke Widow auf Anfrage auf die Untere Immissionsschutzbehörde in Hagen und fügt an: „Die Laborergebnisse zeigen bei mehreren Patienten unterschiedliche Legionellen-Stämme und deshalb ist eine Differenzierung gar nicht mehr möglich. Es kann also auch nicht nachgewiesen werden, ob die kontaminierte Anlage die Ursache für die Erkrankungen war.“

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Doch auch bei der Unteren Immissionsschutzbehörde gibt man sich bedeckt. Der betroffene Betrieb habe nach der ersten auffälligen Probe umgehend reagiert und die Anlage heruntergefahren. „Mittlerweile hat sich der Betrieb eigenständig dazu entschlossen, die alte Anlage vollständig abzubauen und eine neue Kühlanlage zu installieren“, erklärt Heinz-Jörg Gimpel.

Haedecke hat derweil bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt eingereicht. „Man hätte viel schneller reagieren müssen und wer weiß, wie viele Menschen noch an dieser Krankheit leiden und gar nicht wissen, dass es sich um eine Legionellose handelt.“

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