Nach provokanten Äußerungen von Wizz-Air-Chef: Tadel fiel nur leise aus

hzFlughafen Dortmund

Das Gewerkschafts-Bashing von Wizz-Air-Chef Jozsef Váradi in einem Interview fand jetzt seinen politischen Nachhall – allerdings nicht ganz zur Zufriedenheit der Dortmunder Grünen.

Dortmund

, 20.09.2020, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Finanzausschuss des Dortmunder Rates hat aus Sicht der Grünen zwar die Lippen gespitzt, aber nicht gepfiffen, als es jetzt um die Missbilligung der umstrittenen Äußerungen von Wizz-Air-Chef Jozsef Váradi über Gewerkschaften ging. Seine ungarische Billigflug-Linie hat Ende Juli drei Maschinen in Dortmund stationiert.

„Gewerkschaften zerstören das Geschäft. (...) Wenn die Gewerkschaften versuchen, uns zu erwischen, dann schließen wir einfach die Basis und ziehen weiter“ hatte Váradi in einem Interview mit einem Luftfahrtportal erklärt. Das sei das Schöne an einer Airline, sagte er, „die so flexibel ist wie unsere: Wir können einfach unsere Flugzeuge zu einem anderen Flughafen verlegen“.

Solch eine Einstellung sei mit dem unternehmerischen Selbstverständnis der Stadt und ihrer Konzerntöchter nicht vereinbar, stellten die Grünen fest und warben bei den anderen Fraktionen um Zustimmung für ihren dreiteiligen Antrag.

Standards zur Unternehmensführung

Die Stadt habe nicht nur für sich und alle städtischen Unternehmen Standards zur verantwortungsvollen Unternehmensführung festgelegt, sondern beauftrage gemäß ihrer Vergaberichtlinien nur Unternehmen, die zum Wohlergehen der Gesellschaft und der Umwelt und zur Schaffung von Arbeitsplätzen nach sozialen Standards beitrügen, so die Grünen.

Dass sich der Geschäftsführer von Wizz Air nun explizit gegen Arbeitnehmerbeteiligung für sein Unternehmen ausspreche, „ist vor diesem Hintergrund befremdlich“, sagte Grünen-Fraktionssprecherin Ingrid Reuter.

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SPD und CDU stimmten im Wesentlichen der Grünen-Kritik zu, einschließlich der Bedeutung von Gewerkschaften für die Sicherung notwendiger Sozialstandards, doch einen Punkt wollten sie nicht mittragen: die Aufforderung an die Dortmunder Flughafen-Geschäftsführung, „künftig bei Geschäftsbeziehungen auf die entsprechende unternehmerische Ausrichtung der Geschäftspartner zu achten“.

Firmensitz im anderen Land

Wizz Air habe den Firmensitz in einem anderen Land mit anderen Gesetzen, führte Udo Reppin für die CDU aus. Die SPD enthielt sich bei diesem Punkt. „Wir gehen davon aus, dass entsprechende Regelungen vom Flughafen-Geschäftsführer beachtet werden und der Wizz-Air-Geschäftsführer auf diese Dinge hingewiesen wurde“, stellte Heinz-Dieter Düdder (SPD) fest.

Dass SPD und CDU vor diesem letzten Punkt zurückschreckten und keine Konsequenzen ziehen wollten, bezeichnete Reuter als „sehr schade“. Dazu sagte Heiner Garbe, der für die AfD den Grünen-Antrag grundsätzlich als Eingriff in das operative Geschäft ablehnte: „Wenn man sich mit einer Billigfluggesellschaft einlässt, kommt so was dabei heraus.“

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