Die Pink-Floyd-Ausstellung im U war teurer als erwartet. Jetzt hat sich Kulturdezernent Jörg Stüdemann dem Kulturausschuss gestellt. Er hat Kritik kassiert – und sein Vorgehen verteidigt.

Dortmund

, 15.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Vorgänge rund um die Ausstellung „The Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains“ haben den städtischen Kulturbetrieben viel Kritik eingebracht. Es geht um einen doppelt so hohen Verlust wie noch kurz zuvor angekündigt, einen Vertrag mit der US-amerikanischen Agentur Concert Productions International (cpi) zum Nachteil der Stadt und daraus resultierendes öffentliches „Lavieren“ zu den tatsächlichen Zahlen der Ausstellung.

Mit einem „Faktencheck“ sowie einer ausführlichen Stellungnahme zu den vorlegten Berichten an Rat, Ausschuss und Presse einem Ausblick tritt Jörg Stüdemann am Dienstag (14. 5.) vor den Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit. Eine Stunde diskutieren die Vertreter der Ratsfraktionen im öffentlichen Teil über die Entwicklung rund um die Ausstellung.

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Eine weitere Debatte im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung schließt sich an. Stüdemann schickt eine Art Warnung voran: „Sollten hieraus Informationen öffentlich werden, würde das einen teuren Marketing- und Imageschaden für die Stadt bedeuten.“

Das sind die Kernaussagen zum den Pink-Floyd-Zahlen

Die Ausstellung erzeugte einen Fehlbetrag von 2.508.084 Euro. Davon, so Stüdemann, müssten die Kosten für die Besetzung von neun Personalstellen (450.000 Euro) abgerechnet werden. Ausschussmitglied Joachim Pohlmann (CDU) hält das für nicht zulässig. „Wenn es 2,5 Millionen mehr gekostet hat, dann muss man das auch so sagen.“

„Wir haben zu keinem Zeitpunkt Informationen vorenthalten“, sagt Jörg Stüdemann. Er belegt das mit Verweisen auf insgesamt vier vorgelegte Aufstellungen über die Kosten in den Jahren 2017 und 2018. Es sei stets von einem „städtischen Eigenanteil“ von 1 Million Euro ausgegangen worden. Zum Jahresende wurde der erwartete Verlust mit 1,7 Millionen Euro angegeben.

Stadt leitet in London rechtliche Schritt gegen US-Agentur ein

Die jetzt angegebene Zahl ist noch nicht offiziell „Dass bis dato kein finanzieller Abschlussbericht zur Ausstellung vorgelegt werden kann, erklärt sich allein aus dem hinhaltenden Verhalten des Vertragspartners cpi“, so Stüdemann. Eine detaillierte Aufstellung der Kosten soll Ausschuss und Rat im Juni/Juli vorgelegt werden.

„Wir haben betriebswirtschaftlich sauber gearbeitet. Hier war keiner fahrlässig, kurzsichtig oder intransparent“, betont Stüdemann.

Die Stadt hat rechtliche Schritte gegen cpi am Gerichtsort London eingelegt. Die Agentur schuldet der Stadt noch 506.000 Euro für den Aufbau. Zudem liegt noch keine Abrechnung für die Einnahmen aus Merchandising und Shop vor.

Mehrere Ausschussmitglieder stellen die Frage, warum ein solcher Vertrag überhaupt abgeschlossen wird. Laut Stüdemann habe sich die Situation im Laufe der Verhandlungen verändert.

Kulturbetriebe standen vor der Frage: Die Ausstellung ganz lassen oder mit dem dem neuen Partner weitermachen?

Weil Martin Roth, Leiter des Royal Albert Museum in London, der mit dem U-Direktor Edwin Jacobs die Ausleihe der Ausstellung ausgehandelt hatte, schwer erkrankte, änderte das Londoner Museum seine Strategie. So wurde aus dem Leihgeschäft zwischen zwei Museen ein Geschäft mit der Agentur cpi. „Wir standen dann vor der Frage: Hört man ganz auf oder versucht man es mit Partnern weiter?“, sagt Jörg Stüdemann.

Politisch einstimmig fiel die Entscheidung, die Ausstellung trotz der Risiken nach Dortmund zu holen. Dass Vertragsdetails der Politik öffentlich vorgestellt werden, ist nicht üblich. Dennoch beklagen Mitglieder des Ausschusses, dass sie von dem Wechsel zu cpi nichts gewusst hätten.

Leitung der Dortmunder U entschied, im Februar keine Details zu Besucherzahlen zu nennen

Stüdemann erläutert die Hintergründe, die dazu geführt hätten, dass bei einer Abschlusskonferenz zur Ausstellung am 14. Februar keine konkreten Aussagen zu Besucherzahlen getroffen werden konnten. Zwei Tage vor dem Termin sei ein Schreiben aus den USA eingegangen, in dem „ultimativ gefordert wurde, dass Auskünfte zum Ausstellungsbesuch nur einvernehmlich mit cpi herausgegeben werden dürften.“

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Die Situation vor der Pressekonferenz im Februar beschreibt Stüdemann so: „Angesichts der nur von cpi abrufbaren Rücklagemittel und in Anbetracht eines möglicherweise anschließenden Prozessrisikos war die Leitung des Dortmunder U dezidiert der Meinung, keine Detailauskünfte am 14.2. geben zu wollen.“

Jörg Stüdemann bedauert die „Missverständnisse“

Das habe zehn Minuten vor Beginn des Pressegesprächs durchaus „Streit“ ausgelöst, ob es unter diesen Bedingungen Sinn ergibt, erklärt Stüdemann. „In dieser Situation sah ich mich dann genötigt, indirekte Hinweise zu geben.“ Diese seien unterschiedlich interpretiert worden. „Ich hoffe, dass mein Verhalten am 14.2. nachvollzogen werden kann, und ich bedauere die dadurch entstandenen Missverständnisse.“

Eine direkte Konsequenz aus den Vorgängen: „Lizenzverträge mit derart drangsalierenden Bedingungen dürfen nicht mehr geschlossen werden.“ Das Dortmunder U plane absehbar keine in finanzieller Hinsicht vergleichbare Ausstellungsaktion für die kommenden Jahre.

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