Nach Schicksalsschlägen im Iran wird in Dortmund ein Traum wahr

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Shirin A. flüchtete aus dem Iran, weil sie ihren Sohn auf keinen Fall abgeben wollte. In Dortmund fand sie eine Ausbildungsstelle – und im August erfüllt sich ein weiterer Wunsch.

Aplerbeck

, 24.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Shirin bedeute übersetzt „die Süße“, erklärt Shirin A., und dieser schöne Vorname reiche doch für einen Zeitungsartikel. Außerdem möchte sie nicht, dass ihr Nachname von Menschen gelesen wird, die ihr eventuell nicht wohlgesonnen sein könnten. Der Wunsch sei ihr gewährt, schließlich hat die 40-Jährige in den vergangenen Jahren Beachtliches geleistet.

Scheinbar düstere Zukunft

Es ist noch gar nicht lange her, da blickte die aus Teheran stammende Iranerin in eine scheinbar düstere Zukunft. Ihr Mann war tödlich verunglückt, zudem machte sich die Mutter große Sorgen um ihren Sohn.

Denn den hätte sie in ihrem Heimatland als Witwe nicht allein großziehen können, sondern ihn an den Großvater, Onkel oder Bruder abgeben müssen. Und das wollte Shirin A. auf keinen Fall.

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Also entschloss sie sich im Jahr 2014, den Iran gemeinsam mit ihrem damals zwölfjährigen Kind zu verlassen: Sie beantragte ein Visum, verkaufte all ihre Wertgegenstände und erwarb zwei Flugtickets in Richtung neues Leben. In Deutschland.

Nach Zwischenstationen in Italien, Bielefeld und Schöppingen kamen Mutter und Sohn schließlich in Hamm an, wo sie in einem Asylbewerberheim untergebracht wurden. Inzwischen wohnt das Duo aber in einer eigenen kleinen Mietwohnung, denn Shirin A. hat einen Ausbildungsplatz gefunden und ihr inzwischen 18-jähriger Sohn schickt sich an, sein Abitur zu machen.

„Eine kluge, zielstrebige Frau“

Der Ausbildungsplatz zur pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten in der Zentral-Apotheke der Aplerbecker LWL-Klinik wurde eigens für die 40-Jährige geschaffen.

Aus gutem Grund, erläutert Apotheken-Leiterin Dr. Carola Dehmel: „Shirin hatte bei uns ein Praktikum gemacht und wir wollten sie unbedingt halten, denn sie arbeitet ausgesprochen engagiert und ist vom ganzen Team akzeptiert. Eine kluge, zielstrebige Frau, die ich sofort an Aufgaben setzen konnte. Sie hat mich beeindruckt.“

Shirin A. mit Apotheken-Leiterin Dr. Carola Dehmel, die über ihre Auszubildende sagt: „Shirin arbeitet ausgesprochen engagiert und ist vom ganzen Team akzeptiert. Eine kluge, zielstrebige Frau, die ich sofort an Aufgaben setzen konnte. Sie hat mich beeindruckt."

Shirin A. mit Apotheken-Leiterin Dr. Carola Dehmel, die über ihre Auszubildende sagt: „Shirin arbeitet ausgesprochen engagiert und ist vom ganzen Team akzeptiert. Eine kluge, zielstrebige Frau, die ich sofort an Aufgaben setzen konnte. Sie hat mich beeindruckt."

Den Kontakt zu der Dortmunder Apotheke hatte das Jobcenter Hamm geknüpft, weil Shirin A. bereits im Iran in einer Apotheke gearbeitet hatte und nach ihrem Studium der Kinderpsychologie in einer Teheraner Klinik tätig war. Bei der Frage, ob ihr die Arbeit in Dortmund denn Freude bereite, muss die 40-Jährige nicht lange überlegen. Sie lacht und sagt: „Es ist super.“

Shirin A. verpackt Arzneimittel für ausgehende Lieferungen und die Stationen, kontrolliert deren Verfallsdaten, begleitet Stationsbegehungen und saugt alles, was sie nur lernen kann, regelrecht auf.

Fachlich, inhaltlich und sprachlich. Und so ist es kein Wunder, dass sie mittlerweile gut Deutsch spricht, obwohl sie dies sogleich relativiert: „Mein Sohn beherrscht die Sprache viel besser.“

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Anfangs habe sie Angst davor gehabt, dass die Menschen in Deutschland sie ablehnen könnten und unfreundlich seien. „Doch es ist umgekehrt“, schildert Shirin A. ihre bisherigen Erfahrungen: „Die Leute sind sehr höflich und die Kollegen unheimlich nett.“ Und da die 40-Jährige etwas schüchtern ist, unterstützt das Apotheken-Team sie bei der Arbeit und hilft ihr, Kontakt zu fremden Menschen aufzunehmen. „Hier habe ich meinen Platz gefunden“, sagt Shirin A. glücklich.

Ein Traum wird wahr

Und die Erfolgsgeschichte ist noch nicht zu Ende. Bei der Wohnungssuche ist Shirin A. unlängst fündig geworden und zieht am 1. August mit ihrem Sohn nach Hörde. „Ein Traum“, sagt sie strahlend. Bislang kenne sie außer der Berufsschule und der Arbeitsstätte nur wenig in Dortmund - aber das werde sich ändern: „Ich lerne die Stadt kennen, da bin ich mir sicher.“

Noch zwei Jahre läuft ihre Ausbildung, genauso lange wie die Aufenthaltsgenehmigung. Shirin A. hofft inständig, dass diese verlängert wird und sie in Dortmund bleiben kann. Hand aufs Herz: Wer möchte das einer so fleißigen und intelligenten Frau verwehren?

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