Rücktritt vom Pfarramt: Kirchen-Rebell Norbert Wohlgemuth zieht es zurück nach Brechten

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Norbert Wohlgemuth ist bundesweit in aller Munde: Der katholische Pfarrer hat sein Amt nach vergeblichem Kampf für eine offene Kirche niedergelegt. In Brechten dürfte er vielen bekannt sein.

Brechten

, 31.07.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seine erste Messe hielt Norbert Wohlgemuth am 20. Mai 1991 in Eving. Jetzt, fast 30 Jahre später, legt der gebürtige Brechtener sein Amt bei der katholischen Kirche nieder. Am Ende habe er seinen Willen, dem Kirchenvolk ein Seelsorger zu sein und Gott zu dienen, nicht mehr damit vereinen können, dass sich die katholische Kirche immer mehr von der Lebenswirklichkeit der Menschen entferne. Am 29. Juli hat er sich nun vom Priesteramt befreien lassen.

Schon in seinem Studium habe er erste Zweifel an der Haltung der Kirche gehabt, berichtet der Norbert Wohlgemuth. Das habe sich durch seine gesamte Berufslaufbahn gezogen und sei immer stärker geworden. „Die Kirche nimmt die Lebensrealität der Menschen nicht an. Ich verstehe die Ablehnung gegenüber Menschen, die anders glauben, anders lieben oder einfach anders sind überhaupt nicht“, ist seine feste Meinung.

„Pflichtzölibat ist überholt“

Der Kampf gegen die eingefahrenen Strukturen haben den Pfarrer krank gemacht, berichtet er. Er habe keine Kraft mehr, sich gegen die Strukturen zu stellen. Neben körperlichen Beschwerden machte ihm zudem das Alleinsein zu schaffen. Das Pflichtzölibat hält er schon lange für überholt. Deshalb freue er sich nun nach seiner Amtszeit auf ein neues Zuhause in einem Mehrgenerationenhaus einer befreundeten Familie im Sauerland: „Ich freue mich, dort auf der einen Seite mein eigenes Reich zu haben, aber auch immer jemanden, mit dem ich mich unterhalten kann.“

Die Reaktionen, die auf den gebürtigen Brechtener seit seinem Rücktritt eingeprasselt sind, stärken ihn umso mehr in seiner Entscheidung, erzählt er. Besonders an seiner letzten Arbeitsstelle in Fröndenberg, wo er derzeit lebt, kommen viele Menschen auf ihn zu: „Es melden sich so viele Menschen, die mir alle ihre Wertschätzung aussprechen. Das ist wirklich enorm. Die Rückmeldungen sind zu 99,9 Prozent positiv.“

„Brechten ist meine Heimat“

Nach seiner Amtszeit will der ehemalige Pfarrer nun ein Sabbatjahr einlegen und vor allem viele private Termine wahrnehmen. Dabei führt ihn sein Weg dann auch zurück nach Dortmund. In Brechten ist er auch heute noch verwurzelt: „Das ist meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen. Eigentlich hätte ich hier sogar meine erste Messe gehalten, wenn die Antoniuskirche damals nicht renoviert worden wäre.“ In seinem Sabbatjahr will er nun auch hier wieder an alte Kontakte anknüpfen und das eine oder andere Mal die Heimat besuchen.

Nach seinem Sabbatjahr will Norbert Wohlgemuth aber wieder anfangen zu arbeiten. Derzeit strebt er eine Arbeit als freier Redner an. „Die ersten Anfragen habe ich jetzt schon“, verrät der ehemalige katholische Pfarrer. „Dabei will ich doch erstmal noch gar nicht arbeiten.“

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