Nächster Skandal ums U: Hört endlich auf, uns zu belügen!

hzKlare Kante

Die Pink-Floyd-Ausstellung im Dortmunder U war ein derbes Verlustgeschäft. Die Öffentlichkeit erfährt zu spät die richtigen Zahlen. Ist das U wirklich gut für Dortmund?

Dortmund

, 10.05.2019, 17:23 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist nicht zum Aushalten mit diesem U. Alle sind sich einig, dass dieser Kultur-Leuchtturm für Dortmund richtig wertvoll ist und noch wertvoller werden kann. Dabei geht es doch ständig um Personalprobleme und krumme Zahlen.

Die Pink-Floyd-Ausstellung ist das nächste Ärger-Thema. Dass eine Ausstellung nicht so läuft wie erwartet, kann passieren. Das gehört zum Risiko im Kultur-Geschäft. Dass darüber nicht offen gesprochen wird, ist ein Problem. Nach dem Motto: Was gut für das Ansehen der Stadt ist, sollte besser nicht hinterfragt werden. So schafft man allerdings kein Vertrauen zu Leuchtturm-Projekten, sondern bedient nur die tumben Meinungen, die Kultur ohnehin für Geldverschwendung halten.

Das unklare Vertragskonstrukt wirft Fragen auf

Der Grund für die unklaren Zahlen ist laut der Stadt Dortmund ein Vertragskonstrukt mit einer Agentur in den USA. Man habe „lavieren“ müssen, um keine Vertragsstrafe zu riskieren, argumentiert Kulturdezernent Jörg Stüdemann. Der Weg von „lavieren“ zu „lügen“ ist sehr kurz.

Es gibt Hinweise darauf, dass das finanzielle Ausmaß der Pink-Floyd-Ausstellung für die Verantwortlichen schon wesentlich früher ersichtlich war. Es steht die Frage im Raum, ob die Öffentlichkeit bewusst getäuscht worden ist. Wieder einmal, wenn es um das U geht.

Das, was mit Geld aller gemacht wird, muss auch für alle klar ersichtlich sein. Bei den Baukosten, bei den Besucherstatistiken und jetzt bei Pink Floyd war das nicht so.

Die Stadt sagt, sie habe die neuen Zahlen, die durch die Nachfragen Dortmunder Medien öffentlich wurden, ohnehin gerade vorstellen wollen. Auf der Tagesordnung für den nächsten Kulturausschuss am 14. Mai (Dienstag) steht das Thema nicht. Den Ausschussmitgliedern lag bisher kein Hinweis darauf vor, dass das Thema im nicht-öffentlichen Teil geplant sei.

Wer unterschreibt einen Vertrag, dessen Inhalt gegen geltendes Recht verstößt?

Das Vertragskonstrukt mit der Agentur CPI wirft eine Menge Fragen auf.

Warum lässt sich die Verwaltung auf so ein Vertragsverhältnis ein, ohne vorher die genauen Bestimmungen wirklich zu kennen?

Wenn man das schon macht: Warum werden die politischen Gremien und die Öffentlichkeit darüber nicht informiert?

Warum gibt das Rechtsamt einen solchen Vertrag frei, der erkennbar gegen bestehende Rechtsnormen verstößt?

Wenn Probleme schon absehbar sind: Warum geht man nicht offen mit den Risiken um?

Dass man ins Risiko gehen würde, war vorher bekannt. Allein, den Namen Pink Floyd verwenden zu dürfen, hat 2,5 Millionen Euro gekostet. Um das einzuspielen, hätten über 80.000 Besucher kommen müssen. Obwohl Anfang 2018 die Ausstellung bei ihrem Gastspiel in Rom wegen schlechter Besucherzahlen früher beendet wurde, blieben die Planer in Dortmund über-optimistisch. Anfangs war sogar von bis zu 200.000 Besuchern die Rede, später von 150.000, schließlich dann nur noch von 120.000. Es sind am Ende 60.000 geworden.

Wie viel Geld darf es kosten, das Ansehen der Stadt zu steigern?

Der Rat hat sich trotz anfänglicher Skepsis letztlich von der Argumentation überzeugen lassen, dass die Ausstellung weltweit ein Signal setzen kann. Das hat sie: Dortmund war in den Schlagzeilen, „Their Mortal Remains“ war hochwertig und modern.

Ob das zwei Millionen Euro wert war, ist eine andere Frage. Es wird jetzt Aufgabe der Lokalpolitik sein, die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Klar ist: Wenn man sich beim Flughafen über zwei Millionen Euro Verlust beschwert, dann darf man auch bei einem Museum nicht darüber hinwegsehen.

Zumal schon erste Fragen aufkommen, ob es denn bei dieser Höhe des Verlusts bleiben wird. Es gibt Rechnungen, die von einem Fehlbetrag von bis zu vier Millionen Euro ausgehen. Diese Zahl dementiert die Stadt.

Das U ist wichtig für Dortmund - und gerade deshalb ist die Intransparenz so ärgerlich

Eine lebendige Stadt braucht lebendige Kultureinrichtungen. Dass das kein Gewinngeschäft ist, liegt im Wesen von Kultur und ist Konsens. Aber genau deshalb ist die Intransparenz rund um Dortmunds größte Kultureinrichtung so ärgerlich.

Es passt ins Bild, das Edwin Jacobs zwei Monate nach Ende der Ausstellung seinen Abschied aus Dortmund verkündet hat. Pink Floyd war das Projekt, mit dem der Niederländer in Dortmund richtig durchstarten wollte. Nun ist es das Projekt, nach dem er den Abflug gemacht hat.

Kulturdezernent Jörg Stüdemann lässt durchblicken, dass die Bewerbungsphase auf Jacobs neuen Job in Maastricht begonnen haben muss, während Pink Floyd noch lief. Auch das ist eine Form von Intransparenz, die jeden schmerzt, dem das kulturelle Leben in dieser Stadt am Herzen liegt.

Damit muss jetzt Schluss sein. Der offene Umgang mit den Stärken und Schwächen dieses besonderen Ortes sollte ein wichtiges Einstellungskriterium für den neuen Leiter oder die neue Leiterin des Dortmunder U sein.

Lesen Sie jetzt
Halterner Zeitung Feine Sahne Fischfilet

Sänger „Monchi“ im Interview: „Für irgendwelche Nazi-Lappen ist mir meine Zeit zu wichtig“