Nett und gefährlich: Liedermacher Voodoo Jürgens kommt ins Konzerthaus Dortmund

hzMusiker im Interview

Ein Wiener kommt ins Konzerthaus Dortmund. Aber mit klassischer Musik hat das, was am Samstagabend passieren wird, nicht viel zu tun. Voodoo Jürgens ist ein Künstler mit vielen Seiten.

Dortmund

, 16.01.2020, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Achtung, Verwechslungsgefahr: Am Samstag (18.1.) spielt im Konzerthaus, Brückstraße 21, Voodoo Jürgens. Nicht Udo Jürgens (natürlich nicht, R.I.P.) und auch nicht der Rapper Jugo Ürdens. „Voodoo“, bürgerlich David Öllerer, ist 36 und lebt in Wien. Ein Typ, der auffällt, mit Vokuhila, Schnauzbart und buntem Hemd unter dem Sakko.

Er macht Musik, die nicht gewöhnlich ist, in schwerem Wiener Straßendialekt. Für Hochdeutsche wie eine Fremdsprache. Voller wunderbarer Wörter wie „Ohrwaschlkräuler“ (Ohrwurm). Mit schwarzem Humor erzählt er Geschichten von Abgehängten und Ängsten.

Voodoo Jürgens hat vor dem Konzert in Dortmund mit Redakteur Felix Guth über musikalische Einflüsse, Dialekt und Konzerte in Klassik-Sälen gesprochen.

Welchen Stellenwert hat das Konzert in Dortmund?

Es ist etwas Spezielles, allein schon, weil es in Deutschland von der Sprache anders ankommt als in Österreich. Aber das macht auch nichts. Wir spielen überall gleich, in Dortmund wie in Wien. Es ist langweilig, es nur an dem Dialekt-Ding aufzuhängen.

Welche Rolle spielt der Dialekt denn in der Musik?

Er ist ein Stilmittel. Es ist schon ein bisschen übertrieben. Ich beziehe mich auf die Gaunersprache aus den 60er- und 70er-Jahren, die schon fast ausgestorben ist. Sie gefällt mir einfach.

Wie kann man dem klassischen Konzerthaus-Gänger, der noch nie von Voodoo Jürgens gehört hat, die Musik beschreiben?

Es ist schwierig, sich das selbst zu überlegen. Es kommt auf jeden Fall vom Geschichtenerzählen, Folk hat einen Einfluss. Die Geschichten widmen sich eher Leuten, die nicht auf der guten Seite des Lebens stehen. Es rumpelt, wir haben fast ausschließlich akustische Instrumente.

Ich war immer schon von allen möglichen Sachen beeinflusst. Folk, Anti-Folk und Jazz sind genauso drin wie Sachen vom Balkan, die man überall hört. Das Einzige, was man machen kann, ist, die vielen Einflüsse immer neu zusammenzusetzen.

Besteht die „Gefahr“, dass die Leute Udo-Jürgens-Lieder auf den Konzerten erwarten?

Es werden keine Udo-Jürgens-Lieder gespielt. Da gibt es überhaupt keine musikalische Verbindung. Der Name ist aus einem Witz entstanden, wir haben früher immer prominenten Namen verdreht. Und irgendeinen Künstlernamen braucht man. Mir gefiel dieser sehr gut: Er hat das Nette aus der Schlagerwelt und was Gefährliches drin.

Als die Band das letzte Mal in Dortmund war, war der Rahmen deutlich kleiner - im FZW waren 2017 knapp 200 Leute beim Way-Back-When-Festival. Funktioniert Voodoo Jürgens auch im großen Haus?

Das ist ja gerade das Schöne, das wir nicht auf einen Ort festgefahren sind. Es hat uns auf unserer Reise schon überall hingeführt. Das passt in die Kaschemmen auch gut, was wir machen. Aber es ist für uns eben auch spannend, in solchen Locations wie dem Konzerthaus zu spielen.

Bilderbuch, Wanda und andere: Mehrere Acts aus Österreich hatten in den vergangenen Jahren in Deutschland Erfolg. Gibt es so etwas wie eine österreichische Szene?

Da zuckt es in mir immer zusammen, wenn es in so etwas Nationales geht. Das ist für mich überhaupt keine Kategorie, in der ich denke. Man rennt sich über den Weg, weil Wien einfach nicht so groß ist.

Es gibt immer so Zeiten, wo Dinge aufblühen können, wenn zwei, drei Sachen Aufmerksamkeit bekommen. Es wird dann ein bisschen genauer hingeschaut. Das gibt anderen Bands die Möglichkeit, weiterzukommen.

Voodoo-Jürgens-Konzerte haben etwas von Theater. Wie kommt das?
Es war schon immer so, dass ich alles interessant fand. Unsere Musikvideos sind ein Teil des Ganzen. Wir haben als Band auch schon Theater gespielt. Das sind alles Möglichkeiten, wie man weitertun kann, neue Ideen holen kann.

Nur herumstehen und nix machen war mir immer a bissel zu fad. Ich bin froh, dass ein Film dazu kommt, mit dem wir im Herbst beginnen.

Das Konzert beginnt um 20 Uhr. Tickets kosten 25 Euro und sind unter www.konzerthaus-dortmund.de oder direkt vor Ort an der Brückstraße 21 verfügbar.
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