Neue Buslinie 476: Schlechter Anschluss für Pendler in Richtung Westen

hzBus und Bahn

Seit Mittwoch verbindet die neue Buslinie 476 Groppenbruch mit dem Bahnhof Mengede – für Pendler in Richtung Innenstadt ein Plus. Bei Fahrten in die Nachbarstädte besteht Optimierungsbedarf.

Mengede, Groppenbruch

, 14.08.2020, 19:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christiane Brüggemann wohnt in der Nähe des Bezirksfriedhofs in der Mengeder Heide. Morgens fährt sie mit der Bahn zur Arbeit nach Essen. Für den Weg zum Mengeder Bahnhof nimmt sie in der Regel das Fahrrad. Ausnahme: an Regen- und nasskalten Wintertagen. Daher kommt ihr die neue Buslinie 476 im Prinzip gerade recht.

Seit Mittwoch (12.8.) verbindet die Linie 476 Groppenbruch und die Mengeder Heide mit dem Mengeder Bahnhof – im verlässlichen 30-Minuten-Takt. Bislang fuhr die Linie 474 im Abstand von 20 oder 40 Minuten die neun Haltestellen in den beiden Ortsteilen an.

Einmal in der Stunde fuhr der Bus weiter nach Brambauer. Der Lüner Stadtteil und der Mengeder Bahnhof sind weiter durch die Linie 474 verbunden. Allerdings fährt der Bus nun stündlich von der Haltestelle Im Siesack über die Königsheide und Waltroper Straße direkt nach Mengede.

Anbindung ist nur in die Innenstadt gut

Beide Linien „werden die Mengeder Heide damit besser an die Dortmunder Innenstadt sowie die westlichen Nachbarstädte anbinden“, schreibt DSW21 in einer Pressemitteilung. „Das bedeutet ein Plus an Fahrtmöglichkeiten und verbesserte Umstiege zum Regionalverkehr und zur Stadtbahn.“

Jetzt lesen

Christiane Brüggemann relativiert das: „Für alle Leute, die nach Dortmund wollen, ist das eine Verbesserung“, sagt sie. „Für die Leute, die in die andere Richtung wollen, ist es eine Verschlechterung.“ Sie bezieht sich dabei auf die Ankunftszeiten der 476er-Busse am Mengeder Bahnhof um .11 und .41 Uhr.

Pendler Richtung Dortmund haben eine Umsteigezeit von acht Minuten in den Regionalexpress 3 und die Regionalbahn 42. In Richtung Düsseldorf oder Duisburg heißt es jedoch 29 Minuten zu warten. Der RE3 fährt um .10 Uhr, die RB42 Uhr um .40 Uhr am Mengeder Bahnhof ab.

Pendler-Parkplätze sind schon frühmorgens belegt

Berufstätige wie Christiane Brüggemann, die mit der S2 nach Essen fahren, müssen 22 Minuten auf den Anschluss warten. „22 Minuten sind an einem Haltepunkt wie Mengede gefühlt wie eine Stunde“, sagt Brüggemann. „Ich finde es extrem enttäuschend.“

Im 30-Minuten Takt bringen die Busse der Linie 476 Bürger aus der Mengeder Heide und aus Groppenbruch ins Mengeder Geschäftszentrum.

Im 30-Minuten Takt bringen die Busse der Linie 476 Bürger aus der Mengeder Heide und aus Groppenbruch ins Mengeder Geschäftszentrum. © Uwe von Schirp

Vor dem Hintergrund der Verkehrswende ergebe eine attraktive Anbindung des Mengeder Bahnhofs an den Busverkehr Sinn. „Wir haben in Mengede ein Parkplatz-Problem“, sagt die Pendlerin. Schon morgens um 7 Uhr seien die Park-and-Ride-Plätze belegt.

Der Bahnsteig sei mit Fahrgästen in Richtung Duisburg und Düsseldorf morgens rappelvoll. „Es gibt viele Leute, die richtig weit pendeln müssen.“ Christiane Brüggemann hat recherchiert. 38,5 Prozent der Beschäftigten, die in Dortmund wohnen, fahren zur Arbeit in eine andere Stadt. Für die Mengederin ist das im Fahrplan der neuen Buslinie zu wenig berücksichtigt.

Neue Linie ist wenig attraktiv für junge Leute

Einen direkten Anschluss mit weniger Wartezeit an die Züge ins Rheinland hat die etablierte Buslinie 474 von Brambauer aus. „Wenn ich aber erst zur Haltestelle „Am Schlagbaum“ laufen muss, kann ich auch direkt zum Bahnhof gehen“, sagt Christiane Brüggemann.

Brüggemanns Sohn Sven hat gerade mit dem Abitur die Schule beendet. „Ich sehe nicht den Bedarf, dass der Bus den Schlagbaum anfährt“, sagt er. Für junge Leute in der Mengeder Heide und in Groppenbruch sei auch die neue Linie 476 wenig attraktiv. Samstags verkehrt sie nur bis 16.30 Uhr im Halb-Stunden-Takt, danach im Stundentakt.

Jetzt lesen

Abends fährt der letzte Bus um 20.15 Uhr vom Bahnhof nach Groppenbruch – unter der Woche um 20.45 Uhr. „Der Rewe hat länger offen als die Busse fahren“, sagt Sven. „Was ist mit den älteren Leuten, die am Abend noch einkaufen gehen wollen?“

Für Christiane Brüggemann besteht Nachbesserungsbedarf. „Das Angebot der Bahn ist mittlerweile hier super.“ Ohne einen vertretbaren Anschluss mit dem 476er-Bus fährt sie weiter mit dem Fahrrad zum Bahnhof.

Die Redaktion hat DSW21 mit der Kritik konfrontiert. Die Pressestelle hat eine Stellungnahme angekündigt.

Lesen Sie jetzt