Mit Schildern versammelten sich die Protestler am Freitag (18.6.) vor den Belvona-Häusern in der Kleiststraße in Dortmund. Sie wehren sich gegen zu hohe Mieten. © Gregor Beushausen
Dortmunder Wohnungsmarkt

Neue Luxus-Apartments in der Nordstadt: Jetzt regt sich Widerstand

In der Nordstadt werden Wohnungen modernisiert und mit satten Aufschlägen neu vermietet. Kritiker machten mit einer Protestaktion an der Kleiststraße mobil - und forderten Gegenmaßnahmen.

„Lust auf Luxus?!“. So wirbt der Düsseldorfer Vermieter Belvona in Exposes für seine Wohnungen im „Fredenbaum-Karree“. 144 Wohnungen hat Belvona im April 2020 im Bereich Münster-, Uhland- und Kleiststraße gekauft. Das Unternehmen ist nun dazu übergegangen, leer werdende Mietwohnungen zu modernisieren und sie anschließend weiterzuvermieten. Dafür bietet Belvona in der Kleiststraße 3 „Musterwohnungen“ zur Besichtigung an.

Am Freitag (18.6.) erhielten die Mitarbeiter dort Besuch: Unterstützt vom Mieterverein und vom DGB, hatten sich rund 20 Aktivisten aus dem Bündnis „arm in Arm“ mit Plakaten und Transparenten vor dem Haus versammelt. Ihre Protestaktion gilt Vermietern wie Belvona, die ihrer Meinung nach für kräftige und überzogene Mietsprünge sorgen.

„Wohnungen, die modernisiert wurden, sollen bis zehn Euro Kaltmiete pro Quadratmeter kosten“, sagt Markus Roeser vom Mieterverein. „Das ist unverschämt hoch.“

Sechs Jahre lang Mietenstopp

Um solchen „Luxussanierungen“ den Riegel vorzuschieben, machen sich die Akteure mit Protestaktionen in Dortmund und weiteren Städten erneut für einen sechs Jahre langen Mietenstopp stark. Wobei Roeser zwei Ausnahmen macht: für Neubauten und für solche Wohnungen, die bereits jetzt ein niedriges Mietniveau haben.

Der springende Punkt: Der Dortmunder Mietspiegel bietet Mietern nur bedingten Schutz. Etwa dann, wenn die Miete während eines laufenden Mietvertrages über Gebühr angehoben werden soll. Kommt es aber nach Auszug zur Neuvermietung der Wohnung, greift der Mietspiegel nicht. „Der Mieter darf dann fordern, was sich am Markt durchsetzen lässt“, sagt Roeser.

Das sei neben dem Wohnungsmangel gerade in Dortmund ein Riesenproblem, so der Mieterschützer. Weil immer mehr Wohnungsanbieter auf ein höheres Preissegment setzten. Folge: Die Mieten steigen, bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper. Im Falle der Belvona-Wohnungen in der Nordstadt müsse bei „ungefähr sieben Euro pro Quadratmeter eigentlich Schluss sein“, sagt Roeser.

Jeder dritte Euro für die Miete

Auch Dortmunds DGB-Chefin Jutta Reiter war bei der Protestaktion anwesend. Sie kennt die Zahlen aus der aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung zum Wohnungsmangel in deutschen Großstädten nur zu gut: Demnach müssen fast die Hälfte aller Dortmunder Haushalte mehr als ein Drittel ihres Einkommens für die Miete hinlegen – rund 13 Prozent sogar mehr als die Hälfte.

Die Angebotsmieten in Dortmund seien innerhalb von fünf Jahren um 25 Prozent gestiegen, stellt das Forschungsinstitut empirica fest. 2016 seien im Schnitt 6,30 Euro pro qm Wohnraum zu zahlen gewesen.

2021 seien es bereits 7,89 Euro. Deshalb sei es wichtig, die Preisspirale sechs Jahre zum Stillstand zu bringen und die Zeit für öffentlich geförderten Wohnungbau zu nutzen. „Die Mieter brauchen eine Atempause“, sagt Reiter.

Obendrein würde ein sechsjähriger Mietenstopp die Gelegenheit schaffen, den Wohnungsmarkt neu zu ordnen, pflichtet Mieterschützer Roeser bei. Bund, Länder und Kommunen müssten sich wieder ihrer Verantwortung als Anbieter günstiger, öffentlich geförderter Wohnungen bewusst werden.

“Der Markt gibt das her”

Für Belvona-Geschäftsführer Frank Krienen kam die Aktion in der Kleisstraße „überraschend“, wie er auf Anfrage sagte. Belvona habe bereits „viel in die Wohnungen im Fredenbaum-Karree investiert“, so Krienen. Es würden immer nur leer gezogene Wohnungen modernisiert. Dabei handele es sich aktuell „um 35 bis 40 von insgesamt 144 Wohnungen.“

Es werde kein Mieter hinaus saniert, betonte Krienen. Die Mieten für die nicht-modernisierten Wohnungen lägen aktuell bei „fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter.“ Nach Modernisierung und Neuvermietung seien es 8 bis zehn Euro, abhängig von der Wohnungsgröße.

„Der Markt gibt das her“, sagt Krienen. Bis „auf einen ganz kleinen Teil“ seien die bislang modernisierten Wohnungen alle wieder vermietet.

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Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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