Neuer Ärger um Verkauf von kirchlichem Ferienheim auf Juist

hzEvangelische Kirche

Die Entscheidung steht: Die Evangelische Kirche in Dortmund gibt ihr Seeferienheim auf Juist auf. Doch um den Verkauf des Grundstücks auf der Nordsee-Insel gibt es nun Ärger.

Dortmund

, 24.11.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Baulich marode, sanierungsbedürftig, unwirtschaftlich - die Bilanz des Evangelischen Kirchenkreises zum Seeferienheim auf der Nordseeinsel Juist fiel vernichtend aus. Über Jahrzehnte hatte es die Kirche versäumt, in ihr Eigentum zu investieren.

Vor einem Jahr hat die Synode als Beschlussgremium des Kirchenkreises angesichts des großen Sanierungsbedarfs auf Juist deshalb die Reißleine gezogen. Sie beschloss, den Betrieb des Seeferienheims als traditionsreiches Domizil für Gemeinde- und Familienfreizeiten aufzugeben und das Grundstück zu verkaufen. Sehr zum Unmut eines Initiativkreises, der sich für den Erhalt des beliebten Feriendomizils einsetzte.

Eine Hoffnung blieb den Juist-Freunden: Als Reaktion auf die Proteste beschloss die Synode im Herbst 2018, beim Verkauf des Seeferienheims kirchliche Träger „bevorzugt zu berücksichtigen“ - in der Erwartung, dass dann preiswerte Ferienangebote etwa für Jugendliche in einem sanierten Heim erhalten bleiben.

Fünf Kaufangebote

Doch auch dieser Wunsch der Initiative bleibt wohl unerfüllt. Es habe fünf Kaufangebote gegeben, zwei davon von kirchlichen Trägern, teilte die Kirchenleitung nun den Mitgliedern der Kreissynode mit. Einer davon habe aber nur einen Teil des Seeferienheims übernehmen wollen. Das andere Angebot eines kirchlichen Trägers habe weit unter den übrigen privaten Offerten gelegen.

Dass dieses Angebot ausgeschlagen wurde, geht nach der Darstellung der stellvertretenden Superintendentin des Kirchenkreises, Andrea Auras-Reiffen, nicht zuletzt auf einen Wunsch der westfälischen Landeskirche zurück. Den Dortmundern sei aufgetragen worden, „zu prüfen, ob nicht ein höheres Verwertungsergebnis als die bis dato vorliegenden zu erzielen sei“.

Am Ende wurde das Grundstück samt der bestehenden Gebäude des Seeferienheims für 3,2 Millionen Euro an ein Bauunternehmen aus Oldenburg verkauft.

Sehr zum Unmut des Initiativkreises. Sie sehen den Verkauf und auch die Vorgabe der Landeskirche, einen möglichst hohen Preis zu erzielen, im Widerspruch zum Beschluss der Synode, kirchliche Träger zu bevorzugen.

Moniert die Synode den Kaufvertrag?

Die spannende Frage ist, ob die Synode des Kirchenkreises, die an diesem Montag (25.11.) zu ihrer Herbsttagung im Reinoldinum zusammenkommt, das auch so sieht und den schon geschlossenen Kaufvertrag moniert. Offiziell auf der Tagesordnung steht das Seeferienheim nicht.

Einstweilen bietet die Kirchenleitung Trost: Man werde, wie versprochen, den Kaufpreis in Immobilien investieren, „um aus dem Erlös Freizeitmaßnahmen für Kinder, Jugendliche und Familien zu unterstützen“, heißt es im Schreiben an die Mitglieder der Synode. Die „Freizeitmaßnahmen“ finden aber wohl nicht auf Juist statt.

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