Ein neues Geschäft eröffnet in der Dortmunder Kaiserstraße - doch etwas ist anders als sonst

hzThai-Massage-Salon

Eine Geschäftseröffnung wie jede andere: Ein neuer Laden, Freunde kommen, bringen Essen und Blumen. Im neuen Thai-Massage-Salon in der Kaiserstraße gab es am ersten Tag aber etwas Besonderes.

Kaiserstraßenviertel

, 01.03.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist leicht, im geschäftlichen Trubel daran vorbeizulaufen. So ziemlich genau in der Mitte dieses Abschnitts der Kaiserstraße, der pittoreske Einkaufsmeile in der Innenstadt-Ost ist, schreiten Besucher durch ein Tor in einen Hinterhof. Die Partei Die Linke hat dort ihr Büro. Drei Autos stehen da. Hier soll ein Geschäft eröffnen?

Direkt neben dem Partei-Büro, ganz unscheinbar, der neue Laden. Hier wartet seit Samstag Meo Hawig, die Inhaberin eines neuen Thai-Massage-Salons, auf Kunden. Doch bevor massiert wird, ist Eröffnung – und die ist anders als bei anderen Läden.

Über eine Stunde lang knieten die Eröffnungsgäste, um die Geister milde zu stimmen.

Über eine Stunde lang knieten die Eröffnungsgäste, um die Geister milde zu stimmen. © Dennis Werner

Tür auf, rein in den Salon. Statt grau nun eine andere Welt. Warme, sanfte Farben. Frauen knien dort auf Matten aus Naturfaser, die Häupter gesenkt, die Hände vor dem Körper flach zusammengelegt. Es gibt Blumen, die Luft wiegt schwer von der Wärme und dem vertraut-fremden Geruch der Räucherstäbchen. Sandelholz, vielleicht Jasmin - süßlich jedenfalls.

Zwei Mönche murmeln Gebete

An der Wand eine runde Tafel – nennt man das Mandala? – in deren Zentrum ein eher schlanker Buddha zu sehen ist. Darunter sitzen zwei Männer mit geschorenen Köpfen in orange-erdfarbenen Gewändern. Zwei Mönche. Auch sie haben die Hände vor dem Körper zusammengelegt, sie sind aber über eine Schnur, die sie zwischen den Händen halten, miteinander verbunden. Diese Verbindung halten sie auch in ihren murmelnden Gebetssprüchen, sie sie simultan aufsagen. Nur einmal muss sich der Linke der beiden räuspern. Er hält inne und setzt an der richtigen Stelle wieder ein, was eine Leistung sein muss, weil die Gebete schnell und wie aus einem Guss aufgesagt werden.

„Sie bitten um Glück und Gesundheit, darum, dass alles gut läuft in dem neuen Geschäft“, sagt Meo Hawig (48), die die Gebete kurz unterbricht, um Gäste zu empfangen. Denn die Gebete dauern. Über eine Stunde knien die Frau schon, „aber bald ist es zu Ende“, sagt Meo. Anschließend bespritzen die Mönche die neuen Räume und Einrichtungen mit geweihtem Wasser, und dann, endlich wird gegessen.

Meo Hawig (rechts) ist Inhaberin des neuen Salons.

Meo Hawig (rechts) ist Inhaberin des neuen Salons. © Dennis Werner

Es gibt gefüllte Teigröllchen, Nudeln, alles riecht sehr würzig, und sicher ist es auch scharf. Jede der Frauen, die zu Gast sind, hat etwas mitgebracht. Denn die Mönche segnen auch das Essen, und damit bekommen die gläubigen Buddhistinnen auch etwas von dem Segen des Hauses ab.

Geister wollen besänftigt werden

Überhaupt ist das Essen in einem solchen Thai-Massagesalon sehr wichtig. Die Geister, die in einem Haus lebten, wollten besänftigt werden, erläutert Stefan Hawig, Meos Ehemann. Dass die Geister von der Kaiserstraße 59 den neuen Mitbewohnern gewogen sind, auch darum bitten die Mönche – „und es steht immer etwas zu essen für sie bereit“, sagt Meo und lacht ihr freundliches Masseurinnen-Lächeln.

Sie wird ihren Kunden in ihrem Salon mit dem Namen Chok Dee künftig das komplette Wellnesspaket anbieten. Es gibt diverse Massagen, die helfen sollen gegen Nacken-Verspannung, bei Rückenschmerzen oder gar Migräne. Wer die lange Massage bucht, darf kostenlos die Infrarot-Sauna nutzen – und überhaupt sei alles, die langen Gebete deuten es an, auf Entschleunigung angelegt.

Keine Erotik

„Mit Erotik“, sagt Stefan Hawig wider alle Massagesalon-Klischees, „hat das Ganze aber nichts zu tun. Das haben wir auf dem Flyer und auf der Homepage extra betont, damit keine Missverständnisse aufkommen.“

Schon deshalb sei die Kaiserstraße mit ihrem zu erwartenden Publikum ein guter Ort. Überhaupt achte man hier auf Qualität und kaufe sehr bewusst ein. Jetzt müssen die Kunden nur kommen. Meo und er versprechen sich, dass viele - nicht nur Thais - nicht am Kaiserstraßen-Hinterhof vorbeilaufen.

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Das ist Chok Dee

  • Massagen gibt es bei Chok Dee von 30 über 60, 90 hin zu 120 Minuten.
  • Je nach Länge kosten die Massagen zwischen 26 und 75 Euro pro Person.
  • Es gibt Partnerangebote, eine Infrarotsuana, frisches Obst, Getränke und freies W-Lan.
  • Meo Hawig verfügt über die nötigen Zertifikate, um einen solchen Salon zu betreiben.
  • Geöffnet ist montags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr.
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