„Nie wieder“: OB Sierau eröffnet Zwangsarbeiter-Mahnmal am Phoenix-See

hzGedenken an die Nazi-Zeit

Das Mahnmal für Zwangsarbeiter im Nazi-Regime ist eröffnet. In der begehbaren Skulptur auf der Kulturinsel erinnern Tafeln an ein beschämendes Kapitel der Stadt- und Stahlgeschichte.

von Nicola Schubert

Hörde

, 10.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Jahre ist es bereits her, dass der erste Antrag von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) gestellt wurde.

Der Antrag auf ein Mahnmal, das an eine unrühmliche Zeit erinnern soll, die wie überall in Deutschland auch in Dortmund gerne verdrängt wurde: Während der Nazizeit gab es - neben vielen schrecklichen Dingen - auch in Dortmund Zwangsarbeiter, etwa aus Polen oder der Sowjetunion. Ihre Arbeitskraft galt als Kriegsbeute.

Ausgebeutet und getötet

Diese Menschen schufteten zum Beispiel für den Dortmund Hörder Hüttenverein, für die Kriegstreiberei, für die Stadt. Ausgebeutet und manchmal zu Tode gekommen. Kurz vor Ende des Krieges wurde eine unbekannte Anzahl von ihnen, die meisten aus der Sowjetunion und als sogenannte Ostarbeiter abschätziger behandelt als Zwangsrekrutierte aus dem Westen, in der Bittermark und im Rombergpark getötet. Man kann nicht oft genug darüber reden, vor allem nicht in Dortmund.

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Das betont auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau bei der Eröffnung am Montag (10.8.). Er spricht von einer Erinnerungskultur, die unbequem und notwendig ist. Notwendig, um an einer bunten, demokratischen Zukunftsvision zu arbeiten.

Viele sind gekommen: Bürgermeister, Bezirksbürgermeister, Ratsmitglieder und einige Mitglieder des Verwaltungsvorstands. Die Symbolkraft der Veranstaltung ist klar: eine Stadt soll gegen Rechts einstehen, man wolle „eine kollektive Haltung demonstrieren“, so der OB.

Lange Diskussion über den Standort

Ganz materiell schlägt sich die Symbolkraft im Mahnmal selbst nieder: eine ganze Menge Cortenstahlbleche in Rostoptik stapeln sich zu einem viereinhalb Meter hohen, begehbaren Turm, der auf einer Fläche von drei mal drei Metern auf der Kulturinsel errichtet worden ist.

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Entworfen hat das Mahnmal Pia Emde. 2014 bekam die damalige Architektur-Studentin an der Fachhochschule den Zuschlag für ihren Entwurf. Umgesetzt hat ihn die Firma SHA Scheffler Helbich Architekten. Die Kosten belaufen sich auf 200.000 Euro. Neben den Kulturbetrieben haben das die Sparkasse Dortmund und DSW21 mit jeweils 20.000 Euro finanziert.

Lange wurde über einen Standort diskutiert. Indirekt geht darauf auch Sierau in seiner Rede ein: „Heute ist hier ein Ort, wo Leute eine gute Zeit haben und sich wohlfühlen wollen. Das ist auch richtig, aber eine Konfrontation mit diesem Teil der Geschichte ist wichtig.“

Konkret hatten sich Anwohner des hochpreisigen Wohngebiets am See beschwert, das Mahnmal sei direkt neben der Wohnbebauung nicht zumutbar.

„Nie wieder Faschismus“

Der finale und prominente Standort auf der Kulturinsel ist der Stadtspitze überdies nicht unrecht. Jede Person, die den See umrunde, bemerke das Mahnmal mit seiner präsenten Lage auf der Insel.

Auch die Nähe zur Polizeiwache findet Sierau gut. Mit einem Seitenhieb zu rechten Szene in der Stadt: „Wir müssen uns alle damit abfinden, dass es in Dortmund keinen Platz für Rassismus, Chauvinismus und Diskriminierung gibt und die rechte Szene bald der Vergangenheit angehört. Nie wieder Faschismus!“

Zwangsarbeit war bekannt

Der OB spart außerdem nicht aus, dass das Wissen um die Zwangsarbeiter in Dortmund verbreitet war: „Es gab ca. 300 Lager in der Stadt (Anmerk. d. Red.: zum Beispiel die Westfalenhalle), mehr als ein Viertel der Belegschaft im Hüttenverein waren Zwangsarbeiter.“ Das Argument, dass niemand etwas wusste, zählt nicht.

Auf dem YouTube-Kanal der Stadt Dortmund ist ein gut 10-minütiger Film über die Zwangsarbeiter in Dortmund zu sehen, den Stadtarchiv und Steinwache erstellt haben. Er wirft ein schonungsloses Licht auf die Vorgänge zwischen Oktober 1939 und März 1945.

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Das Fundament steht bereits seit einigen Wochen, jetzt wurde das Grundgerüst des neuen Mahnmals für ehemalige Zwangsarbeiter auf der Kulturinsel am Phoenix-See aufgestellt. Von Susanne Riese

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