Nordstadt-Bar: Polizei fuhr 49 Einsätze und ermahnte Betreiber 37 Mal wegen Ruhestörung

hzNächtliche Ruhestörung

Nachtruhe scheint der Betreiber einer Bar in der Nordstadt wohl nicht zu kennen. Die Stadt reagierte lange nicht. Jetzt gibt es eine klare Ansage.

Nordstadt

, 20.12.2019, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nadine Bartschat reicht es. Jedes Wochenende die gleiche Situation: laute Musik, wummernde Bässe aus der Nachbarschaft, dazu an Silvester Ballerei aus einer Schreckschusspistole. Ruhestörungen. „Diesen Lärm durch die Café Bar Lounge Reina ertragen zu müssen, macht mich langsam krank“, berichtet sie der Redaktion.

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Die Anwohnerin der Haydnstraße arbeitet in der Pflege. Wechselschicht. Dienst an jedem zweiten Wochenende. „Wenn ich dann einmal frei habe und es mir gemütlich mache, habe ich ein Konzert. Ob ich das will oder nicht.“

49 Einsätze in einem Jahr

Seit einem Jahr macht Nadine Bartschat das, was Menschen in der Regel tun, wenn sie unter Ruhestörungen leiden. Sie ruft die Polizei. Nahezu an jedem Wochenende. „Ich komme mir schon wie eine Stalkerin vor“, sagt Bartschat.

Polizei-Pressesprecher Gunnar Wortmann bestätigt die zahlreichen Meldungen zwischen dem 21. Dezember 2018 und 15. Dezember 2019. „Insgesamt sind bei der Polizei in dem Zeitraum 49 Einsätze wegen Ruhestörung bekannt“, antwortet er auf Anfrage. „In 37 Fällen davon ermahnten die Polizeibeamten zur Ruhe. In einem Fall fertigten sie eine Ordungswidrigkeitenanzeige.“

Nachtruhe gilt auch in der Nordstadt

Bei einem Polizeieinsatz versuchte ein Beamter nach Bartschats Angaben, die Dimension der Ruhestörung zu relativieren. „Er hat mir gesagt, ich solle doch woanders hinziehen“, erzählt Bartschat. „Mir war vor Jahren schon bewusst, wo ich hin ziehe. Die müssen die Musik ja nicht komplett ausmachen, aber ein bisschen leiser stellen. In die Nachbarschaft einer Musikhalle wäre ich nicht gezogen.“

Polizeisprecher Gunnar Wortmann erklärt, dass die Polizei keine Möglichkeit habe, „vermeintliche Aussagen der Beamten im Einzelfall“ zu überprüfen, aber: „Diese Aussage entspricht grundsätzlich nicht der Bewertung der Polizei für die Dortmunder Nordstadt.“

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Gunnar Wortmann weist darauf hin, dass die Nachtruhe in Paragraf 9 des Landes-Immissionsschutzgesetztes geregelt sei. „Allgemein hat jeder Bürger ein Anrecht darauf, ohne Lärmbelästigung die Nacht als auch eingeschränkt den Tag zu verbringen‘“, erklärt er. „Dies gilt natürlich für jeden Stadtteil in Dortmund.“ Also ebenfalls in der Nordstadt – so lebhaft sie auch ist.

Anwohnerin schreibt fünf E-Mails an die Stadt

„Grundsätzlich originär zuständig für Lärmbelästigungen ist die Ordnungsbehörde“, schreibt der Polizeisprecher. Darauf weist ein Polizeibeamter Nadine Bartschat bei einem weiteren Einsatz im Frühjahr ebenso hin. Er rät ihr, das Ordnungsamt einzuschalten.

Sie ruft das Nordstadtbüro des Ordnungsamtes an. Das wiederum empfiehlt der Anwohnerin, die wiederkehrende Ruhestörung per E-Mail dem Umweltamt zu melden. Den Link findet sie auf der Internetseite der Stadt.

Nadine Bartschat schreibt insgesamt fünf E-Mails, die unserer Redaktion vorliegen: am 30. März, 6. April, zuletzt am 7., 14. und 15. Dezember. Reaktion: Fehlanzeige. Stadtsprecher Maximilian Löchter konnte bis zum Erscheinen dieses Berichts (20. Dezember, 18 Uhr) den Verbleib der E-Mails nicht abschließend klären.

Ordnungsamt kündigt verstärkte Kontrollen an

Aufgrund der Anfrage unserer Redaktion vom Montag (16. Dezember) sieht die Stadt aber offenbar dringenden Handlungsbedarf. „Es wird mit den Betreibern noch vor den Feiertagen Kontakt aufgenommen, um ihnen die Spielregeln noch einmal zu erklären“, erklärt Maximilian Löchter. Außerdem werde es verstärkte Kontrollen durch das Ordnungsamt und die Polizei geben.

Wohl gerade rechtzeitig zu den Feiertagen. „Jedes Jahr an Weihnachten musste ich die Polizei rufen“, erklärt Nadine Bartschat. Über ihre Anrufliste im Handy kann sie jede Anzeige einer Ruhestörung dokumentieren. 2018 hatte der Friede der Heiligen Nacht um 23.06 Uhr ein Ende. Die Nachbarin der Reina-Bar rief die Polizei.

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