Notfallpass fürs Smartphone gibt Krankendaten für jeden frei - Retter sehen Probleme

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Im Notfall zählt jede Sekunde. Damit Sanitäter über Patienten Auskunft bekommen, gibt es den Notfallpass fürs Smartphone. Dortmunds Retter sehen Schwierigkeiten - ein Datenschützer nicht.

Dortmund

, 25.07.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schnell ein Urlaubsbild schießen und bei Instagram hochladen. Das Essen per App bestellen. Oder halt telefonieren: Das Smartphone ist aus dem Alltag vieler nicht mehr wegzudenken. Doch es kann noch mehr - nämlich Leben retten. Wenn man weiß wie. Doch das Konzept hat seine Tücken.

Bei den Smartphones von Apple, Samsung und Nokia kann man sogenannte „Notfallpässe“ einrichten. Dort werden vom Nutzer beispielsweise Blutgruppe, Vorerkrankungen oder Medikamente hinterlegt. Notfallkontakte kann man auch angeben. Somit sollen Notarzt und Sanitäter schnell alle nötigen Informationen über ihren Patienten bekommen. Der Zugang für die Sanitäter ist kein Problem: Der Notfallpass lässt sich vom Sperrbildschirm aus aufrufen - ohne das Telefon zu entsperren.

Notfallpass muss ersichtlich sein

Während André Lübbecke von der Feuerwehr Dortmund das Konzept eines Notfallpasses prinzipiell gut findet, sieht er auch die Tücken im System. „Wir müssen vorher irgendwie erfahren, dass es bei dem Patienten sowas gibt“, erklärt er. Schließlich hätten die Einsatzkräfte vor Ort nicht die Zeit, die Wohnung nach dem Telefon abzusuchen. Auch war ihm vorher gar nicht bekannt, dass es ein solches Angebot für Smartphones gibt.

Ein positives Beispiel für Infos im Notfall ist für ihn die grüne Notfalldose, die man in Apotheken erhält und in den Kühlschrank stellen kann. Denn dabei sind auch Sticker, die an Haustür und Kühlschrank angebracht werden sollen, damit die Sanitäter schon beim Eintreffen sehen, wo sie alle wichtigen Informationen finden.

Ähnlich sollen Patienten das Thema Informationen für den Notfall auch handhaben, wenn sie keine solche Dose besitzen. „Manche Leute haben zum Beispiel selbst geschriebene Listen am Telefon oder auf dem Wohnzimmertisch liegen“, berichtet Lübbecke.

Notfallpass fürs Smartphone gibt Krankendaten für jeden frei - Retter sehen Probleme

Zum digitalen Notfallpass ist die Notfalldose die Alternative. © Apothekenverband (A)

Der Notfallpass findet sich beim iPhone im Sperrbildschirm unter „Notfall“. Dort ist er einfach so zu öffnen, ohne Entsperrung des Smartphones. Datenschutzrechlich klingt das zumindest fraglich.

Doch Prof. Dr. Thomas Jäschke, Vorsitzender der Datatree AG, wiegelt ab: „Welche Daten der Betroffene im Notfallpass zur Verfügung stellt, liegt in seinem eigenen Ermessen. Wenn er das tut, liegt keine Datenschutzproblematik vor, da die Person von der informationellen Selbstbestimmung Gebrauch macht.“ Datatree ist ein Dortmunder Unternehmen, das sich mit Datenschutz beschäftigt, unter anderem im Gesundheitswesen.

Notfallpass fürs Smartphone gibt Krankendaten für jeden frei - Retter sehen Probleme

Prof. Dr. Thomas Jäschke ist Vorstand der Datatree AG. © Datatree

Jäschke gibt zu Bedenken, dass ein Notfallpass gerade dann die Informationen zur Verfügung stellen soll, wenn die betroffene Person diese selber nicht mehr kommunizieren kann: „Eine technische Absicherung der Daten gegen einen Missbrauch würde dann wieder dazu führen, dass der Zugriff nicht möglich ist – und damit wäre das ganze System ad absurdum geführt.“

Es sei zudem irrelevant, ob die Informationen nun auf einem Smartphone ohne Aufhebung der Sperre zur Verfügung stehen oder auf Papier in einer Dose im Kühlschrank. Zugänglich seien sie so oder so. Besorgten Nutzern des Smartphone-Notfallpasses kann der Datenschützer nur empfehlen, das Gerät nicht unbeaufsichtigt zu lassen.

So kann man den Notfallpass einrichten

Auf dem iPhone findet sich der Pass unter der App „Health“ und dort unter Notfallpass. Auf Geräten von Samsung müssen Nutzer ihre Kontakte öffnen und dort ihr eigenes Profil anwählen. Ganz unten findet sich der Punkt „Notfallinformationen“. Bei Nokia gibt es unter Einstellungen den Punkt System. Im Unterpunkt „Über das Telefon“ gibt es „Notfallinformationen“.
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