Im Außenbereich des FZW und im Bistro werden ab dem 1. April Wohnungslose versorgt. Hinter der „Corona-Hilfe“ steht ein Bündnis aus Stadtverwaltung, Gast-Haus und Team Wärmebus. © Bastian Pietsch
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Obdachlosen-Hilfe: So wird das leere FZW für den Sommer umfunktioniert

Rund 65.000 Besuche seit November: So gefragt war die Wohnungslosen-Hilfe in weißen Zelt am Dortmunder U. Für Bauarbeiten muss dieses nun weichen. Die Gelegenheit, das leere FZW zu beleben.

Insbesondere über die kalten Tage war das große weiße Zelt am Dortmunder U ein wichtiger Anlaufpunkt für wohnungslose Menschen in der Stadt. Verschiedene gemeinnützige Träger hatten dort eine Winterhilfe eingerichtet, die laut der Stadtverwaltung von rund 500 Personen täglich genutzt wurde. Bedürftige konntet dort in einem geschützten Raum Mahlzeiten erhalten und zu sich nehmen. Nun zieht dieses Angebot um.

Und zwar ins FZW. Die Konzerthalle bleibt wegen der Coronavirus-Pandemie bis auf Weiteres ungenutzt und wird ab April und vorerst bis Ende September zum Standort einer fortgeführten „Corona-Hilfe“.

Lunchpakete und Suppen werden ausgegeben

Denn die Situation von Obdachlosen in der Krise ist schlecht – oftmals noch schlechter als sonst. Nicht nur, weil weniger Menschen in der City unterwegs sind, die ihnen Geld spenden. Auch viele der üblichen Hilfsangebote können wegen notwendiger Hygienemaßnahmen nur eingeschränkt genutzt werden.

Täglich von 8 bis 11 Uhr und von 16.30 bis 19.30 Uhr werden ehrenamtliche Helferinnen und Helfer im FZW Lunchpakete und Suppen ausgeben. 50 Plätze an Tischen gibt es im Bistro-Bereich des FZW und in einem Zelt im angrenzenden Biergarten. Auch die Toiletten des FZW stehen zur Verfügung.

Temperatur-Sensor am Eingang

Die Räumlichkeiten hat die Dortmunder Stadtverwaltung angemietet, den täglichen Betrieb leisten der Verein Gast-Haus und das Team Wärmebus, die auch schon an der Winterhilfe beteiligt waren.

Heinrich Bettenhaus, Vorsitzender des Vereins Gast-Haus, nannte die Winterhilfe bei einem Pressetermin am Mittwoch (31.3.) ein „humanitäres Erfolgsprojekt“ mit guten Voraussetzungen, „um das im FZW weiterzutragen“. „Die Organisation bleibt in bewährten Händen“, sagte Sozialdezernentin Birgit Zoerner. Beide bedankten sich bei den ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen und auch beim FZW.

Wer zur Wohnungslosen-Hilfe kommt, betritt das FZW-Bistro durch einen außen liegenden Wartebereich. Direkt misst ein Sensor automatisch die Temperatur jeder Person. Bei Verdacht wird händisch nachgeprüft. Alle Wege folgen zudem dem Einbahnstraßen-Prinzip. So soll die Hygiene gewährleistet werden.

Hoffnung auf Konzertbetrieb war „etwas blauäugig“

Warum sich das FZW nicht schon früher als Ort für die Wohnungslosen-Hilfe angeboten habe, erklärte Tim Hoppe. Das habe auch daran gelegen, dass man lange gehofft habe, doch noch unter Auflagen wieder einige Konzerte stattfinden lassen zu können. „Da waren wir etwas blauäugig“, so Hoppe. Mit der „Corona-Hilfe“ habe man nun auch eine alternative Verwendung für die eigenen Räume gefunden.

Vom bisherigen Standort im Großzelt weg muss die Wohnungslosen-Hilfe übrigens wegen anstehender Bauarbeiten.

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Redaktion Dortmund
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