Der Eingang der "Thalia Mayerschen"-Buchhandlung am Westenhellweg am Dienstagmittag. © Thomas Thiel
Neue Corona-Regeln

Öffnungs-Chaos am Westenhellweg: Verwirrung bei „Thalia Mayersche“

Die neue „Thalia Mayersche“-Buchhandlung ist das einzige große Geschäft am Westenhellweg, das Kunden derzeit tatsächlich betreten dürfen. Doch die Regeln dazu ändern sich täglich.

Ein bisschen erinnert die gegenwärtige Situation der neuen „Thalia Mayersche“-Buchhandlung am Westenhellweg an den legendären Beginn der Asterix-Comics: Alle großen Geschäfte des Westenhellwegs sind durch Corona lahmgelegt. Wirklich alle Geschäfte? Nein! Ein Aushängeschild der Einkaufsmeile trotzt den Umständen und ist weiter geöffnet.

Doch wie so häufig sind die Dinge in der echten Welt nicht ganz so einfach. Zwar ist Dortmunds immer noch größte Buchhandlung tatsächlich der einzige der klassischen Frequenzbringer am Westenhellweg, der aktuell Kunden in sein Geschäft lassen darf. Doch momentan ringt sie eher mit den Corona-Regeln als mit dem Virus an sich.

Jeden Tag ein anderes Öffnungssystem bei „Thalia Mayersche“

Erst vor wenigen Wochen wechselte die Buchhandlung die Straßenseite und firmiert nun am neuen, kleineren Standort unter dem Namen „Thalia Mayersche“. An den drei Öffnungstagen seit dem Inkrafttreten des neuen Infektionsschutzgesetzes und der in ihm festgelegten „Bundes-Notbremse“ am Samstag hat der Laden drei unterschiedliche Öffnungsmodelle erlebt:

  • Samstag: Kunden konnten einfach in den Laden, ohne Voranmeldung. In der Buchhandlung galten die gleichen Einkaufsbedingungen wie in einem Supermarkt.
  • Montag: Wer den Laden betreten wollte, musste am Eingang seine Kontaktdaten hinterlassen, zur Kontaktverfolgung, wie es im Sommer in Restaurants gängig war. Danach durfte man sich maximal für 30 Minuten im Laden aufhalten. Um die Verwirrung komplett zu machen, stand auf der Internetseite der Buchhandlung, dass am Westenhellweg derzeit nur „Click & Collect“ möglich sei.
  • Dienstag: Bei unserer Stichprobe am Mittag war wieder alles anders: Einzige Bedingung für den Eintritt war, dass die Kunden sich einen der abgezählten Einkaufskörbe nehmen – so gewährleistete „Thalia Mayersche“, dass nicht zu viele Kunden auf einmal im Geschäft waren.

Regelungen widersprechen sich

Grund für das ganze Wirr-Warr sind zwei sich widersprechende Regelungen: Zwar zählt das seit Samstag gültige Infektionsschutzgesetz des Bundes Buchhandlungen zu den privilegierten „Geschäften des täglichen Bedarfs“, die noch bis 14. Mai gültige NRW-Coronaschutzverordnung jedoch nicht. In Letzterer ist für Buchhandlungen weiterhin ein „Click & Meet“-System mit vorherigem Termin, aber ohne tagesaktuellen Test vorgesehen.

„Die Verwirrung ist groß und die Regelungen kaum mehr nachvollziehbar“, schreibt die Regionalgeschäftsstelle NRW des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in einer Mail an die Buchhändler, die unserer Redaktion vorliegt. Man werde deshalb das Gespräch suchen.

„Thalia Mayersche“ teilte am Dienstagnachmittag auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass man in Dortmund „aktuell mit Click & Meet ohne Termin“ geöffnet habe. „Alle Kunden und Kundinnen können auch spontan vorbeikommen“, so Unternehmenssprecherin Julia Benkel.

Doch allzu viele Kunden folgen diesem Ruf bisher nicht – wahrscheinlich auch, weil kaum jemand weiß, was gerade gilt. Aus Mitarbeiterkreisen der „Thalia Mayerschen“ ist zu hören, dass das Kundenaufkommen so gering sei, dass bereits eine Rückkehr der Belegschaft in die Kurzarbeit geplant werde.

Man äußere sich grundsätzlich nicht detailliert zu Umsatz und Kundenfrequenz, schreibt Unternehmenssprecherin Benkel. Aber durch die Schließung der anderen Geschäfte in der City verliere natürlich auch die Buchhandlung.

„Wir freuen uns über jede Buchhandlung, die auch unter eingeschränkten Bedingungen öffnen kann“, schreibt Benkel weiter. Die sich häufig ändernden Öffnungsbedingungen seien für die Buchhändlerinnen und Buchhändler vor Ort aber „sehr herausfordernd“.

Ob denn nun die aktuelle Regelung dauerhaft gelte, konnte Benkel am Dienstagnachmittag nicht sagen: „Wir wissen nicht, was morgen gilt.“

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Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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