Oldtimer: Bestattungswagen tut auch nach 42 Jahren noch seinen Dienst

hzFriedhofsgärtner

Im Fuhrpark der Friedhofsgärtner Dortmund findet sich ein Fahrzeug, das seit stolzen 42 Jahren seinen Dienst tut. Im früheren Leben war es eine Acht-Zylinder-Luxuslimousine.

Brackel

, 26.01.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 42 Jahre alter Oldtimer, von dem es nach Besitzerangaben nur zwei Stück auf der Welt gibt, steht in Brackel: ein Mercedes 450 SE mit acht Zylindern und 224 PS, der einst zum Bestattungswagen umgerüstet worden ist.

Einst eine anthrazitgraue Limousine

Es war der Chef des Bestattungshauses Weber, der das damals noch anthrazitgrau-metallic-farbene Fahrzeug als Jahreswagen kaufte, um es von der Wülfrather Firma Eugen Rappold zum Bestattungswagen umbauen zu lassen. Der Vorteil: Weil der Wagen für eine normale Stufenheck-Limousine sehr lang ist, musste er nicht verlängert werden. Lediglich der Aufbau im hinteren Bereich und die Umlackierung kamen hinzu.

Oldtimer: Bestattungswagen tut auch nach 42 Jahren noch seinen Dienst

Vor knapp 40 Jahren wurde der Bestattungswagen auf Basis einer normalen Stufenheck-Limousine aufgebaut. © Andreas Schröter

Insgesamt ist die Luxuskarosse erst 135.000 Kilometer gelaufen. Das liegt laut Martin Struck von den Friedhofsgärtnern Dortmund als heutigem Besitzer des Wagens daran, dass er im Jahr nur zwischen 300 und 800 Kilometer fährt. Der Weg, den er bei Bestattungen zurücklegt, ist oft nur ein paar Hundert Meter weit.

Und so versieht der Oldtimer auch heute zwar mit wenig Kilometer-Einsatz, aber dennoch regelmäßig den Dienst, für den er gebaut worden ist. „Man sitzt darin wie in einer Sänfte“, sagt Struck, „und auch die 224 PS machen sich bemerkbar. Der zieht ordentlich an.“

Oldtimer: Bestattungswagen tut auch nach 42 Jahren noch seinen Dienst

Wichtiges Detail für alle Mercedes-Fans ist der Stern. © Andreas Schröter

Heute fährt Lukas Neumann den Wagen. Neumann ist 15 Jahre jünger als das Gefährt. Und er mag „seinen“ Mercedes. Es gebe Kunden, so sagt er, die speziell nach diesem Wagen fragen, wenn sie einen Trauerfall haben. Im Gegensatz zu moderneren Bestattungswagen kann man bei dem alten 450 SE die Gardinen hinten entfernen, sodass der Sarg zu sehen ist. Manche Kunden wünschen das, und es entspreche auch dem, wie in früheren Zeiten solche Fahrten vonstatten gegangen seien, ergänzt Struck: in offenen Kutschen.

Geleitschutz auf Motorrädern

Einmal habe ein Motorradclub eines seiner Mitglieder beerdigt. Die Mitglieder haben dem alten Mercedes mit ihren Zweirädern Geleitschutz gegeben und standen später Spalier. Das sei ein eindrucksvolles Bild gewesen.

Er freue sich, wenn dem Oldtimer auf diese Weise Anerkennung erfahre. Auch bei einer Infoveranstaltung der Gärtnerei Barbara Engel aus Wellinghofen, die Mitglied bei den Friedhofsgärtnern Dortmund ist, kam der alte Mercedes bereits zum Einsatz.

Oldtimer: Bestattungswagen tut auch nach 42 Jahren noch seinen Dienst

Die Gardinen hinten und an den Seitenfenstern können abgenommen werden. © Andreas Schröter

2013 hat der Wagen ist der Wagen generalüberholt worden. Unter anderem hat er neue Kotflügel und eine neue Lackierung erhalten. Ansonsten laufe der Wagen völlig problemlos, sagt Struck. Mit den üblichen Oldtimerkrankheiten, zum Beispiel Schwierigkeiten beim Anspringen, habe er auch im Winter nichts zu tun. Und so soll er auch in Zukunft für die Friedhofsgärtner im Einsatz bleiben.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt