Partei-Zoff: Junge Union zeigt Führungsspitzen der CDU Dortmund an

hzSchwere Vorwürfe

Erneuter Streit in Dortmunds CDU: Die Junge Union hat Strafanzeige gegen zwei prominente Mitglieder der Parteiführung der Dortmunder Christdemokraten gestellt. Es geht um schwere Vorwürfe.

Dortmund

, 01.10.2020, 17:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was ist in Dortmunds CDU los? Nach dem Hickhack um eine erneute Kandidatur von Manfred Sauer für den Bürgermeisterposten bricht nun an anderer Stelle eine Front auf.

Die beiden Partei-Vizes Claudia Middendorf und Thorsten Hoffmann sowie zwei weitere CDU-Parteimitglieder sehen sich schweren Vorwürfen ausgesetzt: Sie sollen unerlaubt auf Listen mit Kontaktdaten der Nachwuchsorganisation Junge Union (JU) zugegriffen haben, um die jüngsten Vorstandswahlen der JU in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Die beiden Vize-Vorsitzenden der CDU Dortmund, Thorsten Hoffmann und Claudia Middendorf, bei einer Veranstaltung 2017

Die beiden Vize-Vorsitzenden der CDU Dortmund, Thorsten Hoffmann und Claudia Middendorf, bei einer Veranstaltung 2017 © Stephan Schütze

Die JU will sich das nicht gefallen lassen: Sie hat bei der Dortmunder Staatsanwaltschaft Anzeige gegen ihre Parteispitzen erstattet und den Landes-Datenschutzbeauftragten NRW eingeschaltet. „Wir haben unser Vorgehen im JU-Vorstand abgestimmt“, erklärt die Dortmunder JU-Vorsitzende Sarah Beckhoff (26) auf Anfrage.

Querelen um JU-Vorstandswahlen

Staatsanwältin Sonja Frodermann bestätigte den Eingang der Strafanzeige. „Der Vorgang wird jetzt geprüft“, so Frodermann. Der Landesdatenschutzbeauftragte ist ebenfalls im Bilde und bestätigt den Eingang der Beschwerde. Inhaltlich könne man dazu noch keine Aussage machen, heißt es.

Was die Angelegenheit so pikant macht: Mit ihren Anzeigen bei den Behörden zielt die JU auf besonders prominente Parteimitglieder. Middendorf ist Patientenbeauftragte der NRW-Landesregierung, Hoffmann der Polizeibeauftragte.

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Sie sollen versucht haben, die Vorstandswahlen der JU am Mittwoch (16.9.) zu torpedieren und in Matthias Denzel kurzfristig einen Gegenkandidaten für die JU-Vorsitzende Sarah Beckhoff aufs Tapet zu heben.

Tatsächlich soll Denzel, bis dato Schriftführer der JU, einen Tag vor der Wahl seine Kandidatur erklärt und sie wenige Stunden vor der Versammlung wieder zurückgezogen haben. Nach Darstellung der JU soll es zuvor diverse Anrufe bei JU-Mitgliedern gegeben haben, um Stimmung für Beckhoffs Gegenkandidaten zu machen.

JU-Vorsitzende Sarah Beckhoff (26)

JU-Vorsitzende Sarah Beckhoff (26) © RN

Dabei seien nach Darstellung der JU auch Mitglieder angerufen worden, die gar nicht mehr aktiv seien. Offenbar ist es auf diesem Wege zu einer Rückkopplung in die CDU-Nachwuchsorganisation gekommen.

Kontaktdaten aus Mitgliederlisten

Die JU will bei ihren Recherchen herausgefunden haben, dass es am frühen Abend des Kommunalwahl-Sonntags (13.9.) zu einem Treffen in den Geschäftsräumen der Kreisgeschäftsstelle am Südwall gekommen sei. Dort hätten sich Middendorf, Hoffmann sowie zwei weitere Parteimitglieder in Abwesenheit des Geschäftsführers der Mitgliederlisten der JU bemächtigt und Kontaktdaten (etwa Telefonnummern) notiert.

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JU-Vorsitzende Beckhoff wollte sich dazu auf Anfrage nicht weiter äußern. Sie betonte, die JU sei eine eigenständige Organisation und wolle sich „nicht nach Gutsherrenart hineinreden lassen“. Die Indizien, dass sich die Vorgänge so abgespielt hätten, seien erdrückend, sagt Beckhoff.

Middendorf sieht "Partei beschädigt"

Middendorf und Hoffmann sind über die Strafanzeige informiert. „Wir haben uns verständigt, zu dem Vorgang öffentlich nicht Stellung zu nehmen“, sagt Middendorf. Nur so viel: Die Vorwürfe seien falsch.

„Ich habe keinen Gegenkandidaten bei der JU-Wahl aufgestellt“, so Middendorf. Sie sei „schlicht fassungslos, wie miteinander umgegangen wird“, sagte die CDU-Vize. Das Verhalten der JU sei „parteischädigend“, der Vorgang intern aufzuarbeiten.

Junge Union: „Wenn Parteischädigung, dann durch Hoffmann und Middendorf“

Der CDU-Nachwuchs sieht den Gesprächen gelassen entgegen. "Wenn hier eine Parteischädigung festgestellt wird, dann durch das Verhalten von Hoffmann und Middendorf, nicht aber durch die Junge Union", legt JU-Vorsitzende Beckhoff nach.

Es sei ihre "rechtliche Verpflichtung" gegenüber den Mitgliedern, für Klarheit zu sorgen, wenn die JU solch schwerwiegende Hinweise bekomme. Bei der Vorstandswahl am 16.9. ist Beckhoff übrigens mit 97 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt worden.

Transparenzhinweis: Nach rechtlicher Prüfung wurde eine Passage dieses Textes am 2.10. um 15.30 Uhr teils anonymisiert.

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