„Perfektes Stück für Corona“: So funktioniert Theaterspielen heute

hzTheater unter Corona-Bedingungen

Hohensyburgs Schauspieler haben nicht nur den Auftritt auf der großen Bühne vermisst, sondern auch ganz besondere Momente. Als nichts Besonderes empfinden die Besucher die Corona-Auflagen.

Syburg

, 17.08.2020, 11:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Samstagmorgen (15. 8.) war es endlich so weit: Die Naturbühne Hohensyburg startete in die Saison 2020. Kinder, Eltern und Großeltern kamen bei „Käpten Knitterbart“ auf ihre Kosten.

Eigentlich war der Theaterstart für März vorgesehen. Doch den machte die Corona-Pandemie zunichte. Wie alle Produktionen.

So gibt es nächsten Samstag und Sonntag (22./23.8., jeweils 15 Uhr) zwei weitere Aufführungen dieses eigentlich nicht vorgesehenen Kinderstücks und im September (11., 12. und 18.9., jeweils 20 Uhr) ein Musical-Potpourri.

„Wenn das Wetter mitspielt, können es mehr Aufführungen werden“, hofft Regisseurin Kirstin Cramer. „Ein Blick auf unsere Homepage und bei Facebook lohnt sich.“

Corona-Konzept bewährt sich

Das umfangreiche Corona-Konzept mit ausschließlicher Buchung im Internet bewährt sich. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Cramer.

14 Vereinsmitglieder regelten das Geschehen vom Parkplatz bis zu den mit roten Sitzkissen reservierten Plätzen. Sie sorgten so für ein entspanntes Kommen, Verweilen und Gehen.

Die für ein Kinder-Theaterstück ungewohnt geringe Zuschauerzahl von nur 97 Gästen war den Corona-Bedingungen geschuldet. So hatten auf der 750 Besucher fassenden Tribüne alle Familien viel Platz.

Die für ein Kinder-Theaterstück ungewohnt geringe Zuschauerzahl von nur 97 Gästen war den Corona-Bedingungen geschuldet. So hatten auf der 750 Besucher fassenden Tribüne alle Familien viel Platz. © Dietmar Bock

Der gebührende Abstand zum Nachbarn wurde auf den Bänken berücksichtigt, sodass die Masken dort abgesetzt, mitgebrachte Speisen und Getränke beim Picknick im Freien verzehrt werden konnten. Das sonst obligatorische Catering des Vereins entfiel indes aufgrund der restriktiven Hygiene-Bestimmungen.

Doppelter Mal-Einsatz

Das Wetter spielte zwar Samstagmorgen mit, jedoch hatten Gewitter und Starkregen abends zuvor ihre Spuren hinterlassen. „Heute morgen mussten wir noch mal alles säubern und die Striche auf den Wegen neu aufmalen“, berichtet Melina Hylla. Mit besagten bunten Strichen wurde beim Betreten und Verlassen der Anlage der Abstand gewahrt.

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Den Zuschauern machte all das nichts aus. „Wir mussten nicht lange warten, konnten nach Abgabe der Kontaktdaten durchgehen und wurden zu unseren Sitzen begleitet“, beschreibt ein Vater das Prozedere. „Das Warten hat mich nicht gestört“, meint sein Sohn Henry.

„Mehr in die Breite spielen“

Abstand halten galt es auch auf der Bühne. Und das bei einem Stück, „bei dem es sonst viel körperliches Anfassen gibt“, wie Sabine Klingspor alias Käpten Knitterbart betont.

„Wir mussten es auf der Bühne mehr in die Breite spielen“, erläutert Nadine Jording, die sich in ihren vielen Rollen, unter anderem als Mädchen Molly, verausgabte.

Ansonsten seien ihr, wie auch Sabine Klingspor und dem anderen Duo Christoph Wittenborn (Käpten) / Melina Hylla (Molly), die Umstellung vom normalen Wirken auf der Bühne und jenem zu Corona-Zeiten leicht gefallen. „Bei Kinderstücken hat man viele Freiräume“, weiß Melina Hylla. „Da kann man sich total freispielen.“

100 statt 750 mögliche Sitzplätze

Und die nur 97 anwesenden Zuschauer – 100 waren auf der 750 Personen fassenden Tribüne zugelassen – hätten nicht gestört. „Das war so, als wäre es hier voll gewesen“, berichten die Schauspielerinnen, die „Knitterbart“ schon vor sechs Jahren aufgeführt hatten.

Sabine Klingspor (l.) hatte als Käpten Knitterbart nicht immer etwas zu lachen. Nadine Jording setzte ihr als Mädchen Molly und hier als Koch „Sebel-Tom“ arg zu. Die Spielfreude der beiden Akteurinnen übertrug sich indes aufs Publikum.

Sabine Klingspor (l.) hatte als Käpten Knitterbart nicht immer etwas zu lachen. Nadine Jording setzte ihr als Mädchen Molly und hier als Koch „Sebel-Tom“ arg zu. Die Spielfreude der beiden Akteurinnen übertrug sich indes aufs Publikum. © Dietmar Bock

„Je Zweier-Besetzung gab es nur zwei Proben“, unterstreicht Melina Hylla, wie leicht es allen Akteuren gefallen war, wieder in ihre Rolle zu schlüpfen und trotz Corona eine schöne, kindgerechte Vorstellung zu bieten.

„Wir waren gleich wieder drin“, unterstreicht Christoph Wittenborn. „Es ist halt ein perfektes Stück für zwei Personen und Corona.“

Besondere Fanpost

Lang anhaltender Applaus und Jubel belegen, dass es den jungen Theaterfreunden gefallen hat. „Die Piraten waren gut“, urteilt Henry (5), während Joline (6) und ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder Liam vor allem der Schluss-Song gefiel: „Das Lied war toll.“

Neben Klatschen und Lob gab es zudem bunte Fanpost in Form von selbst gemalten Bildern der Kinder. „Das habe ich so sehr vermisst“, setzt nicht nur Sabine Klingspor nach der langen Zwangspause auf weitere solcher besonderer Momente.

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