Pilotprojekt: Gymnasium bringt Gesundheit und Lernen in Einklang

hzInnovatives Schulkonzept

„School-Life-Balance“ heißt seit zwei Jahren ein Pilotprojekt am Heinrich-Heine-Gymnasium. Es geht um Gesundheitsmanagement. Das bietet in Corona-Zeiten einen besonderen Vorteil.

Nette

, 22.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schulen sind längst nicht mehr allein Orte der Bildung. Sie sind Schmelztiegel gesellschaftlicher Herausforderungen und Spiegelbild ihres Umfeldes. Auch der Ganztagsbetrieb fordert die einstigen „Bildungsanstalten“. Aufgabe der Lehrer ist längst nicht mehr nur die Stoffvermittlung. Und beinahe flächendeckend gehören Sozialarbeiter zum Schulpersonal.

Vielfach übernehmen Schulen heutzutage Aufgaben, die früher eher in den häuslichen, privaten Bereich gefallen sind: Erziehung, Freizeitgestaltung, Verpflegung – und auch Gesundheitsversorgung.

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Silvia Untenberger arbeitet seit zwei Jahren am Heinrich-Heine-Gymnasium (HHG) in Nette: als Schulkrankenschwester. Es ist ein Pilotprojekt, finanziert über das Programm „Innovative Schulkonzepte“. Mit Schuljahresbeginn geht es in sein (vorerst) letztes Jahr. Und es erhält aufgrund der Corona-Krise in diesen Tagen eine neue zusätzliche Aufgabe.

Drei Säulen – ein Programm

„School-Life-Balance“ ist das Gesundheitsmanagement überschrieben. Es stehe auf drei Säulen, erläutert Silvia Untenberger im Gespräch mit dieser Redaktion: Kurative Maßnahmen, Verhaltensprävention und Schul-Verhältnisse.

Die kurativen Maßnahmen reichen von Sport- oder Schulhofverletzungen über akut auftretende Kopf- oder Bauchschmerzen bis zur Begleitung von chronisch erkrankten Kindern. „Für diese Schüler, die etwa Asthma oder Diabetes haben, bin ich eine Insel“, sagt Silvia Untenberger.

Der Erste-Hilfe-Raum ist eines von zwei Zimmern in der kleinen Gesundheitsstation am HHG. Silvia Untenbach, Schulleiterin Susanne Köhnen und Marita Schielke (von links) sehen in dem Pilotprojekt ein Plus an Sicherheit für Schüler, Eltern und Lehrer.

Der Erste-Hilfe-Raum ist eines von zwei Zimmern in der kleinen Gesundheitsstation am HHG. Silvia Untenbach, Schulleiterin Susanne Köhnen und Marita Schielke sehen in dem Pilotprojekt ein Plus an Sicherheit für Schüler, Eltern und Lehrer. © Uwe von Schirp

Sie ist bei akuten Problemen bereits im Bilde. „Häufig können die Kinder nach einer Auszeit wieder zurück in den Unterricht.“ Muss andernfalls ein Schüler abgeholt werden, wissen die Eltern ihr Kind bis zum Eintreffen an der Schule gut betreut. Vor allem für Berufstätige mindere das enorm den Stress.

Ein Abschiedskuss – und dann 500 Meter laufen

Die zweite Säule des Gesundheitsmanagements umfasst die Verhaltensprävention. Im Vordergrund steht die Gesundheitskompetenz der 10- bis 18-Jährigen. Es geht um Fragen von Ernährung, Bewegung, Freizeitverhalten. „Ein großer Faktor ist schon der Schulweg“, sagt Untenberger.

Deswegen tüftele das HHG derzeit an einem Konzept für sogenannte Kiss-and-Go-Parkplätze, erklärt Schulleiterin Susanne Köhnen. Die Schüler sollen mindestens 500 Meter Weg zur Schule zu Fuß zurücklegen. Silvia Untenberger verweist auf Studien: Viele Kinder seien übergewichtig.

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Vor allem gehe es im Bereich der Prävention um den interdisziplinären Austausch, um abgestimmte Konzepte mit den Lehrenden und Schulsozialarbeiterin Marita Schielke. „Wir haben hier Freiheiten und Zeit, diese Dinge zu bearbeiten“, sagt Schielke. Vor allem auch bei psychischen Problemen: „Kinder, die psychische Probleme haben, haben wir verloren“, sagt Susanne Köhnen. „Silvia Untenberger ist daher mehr unsere Gesundheits- und nicht Krankenschwester.“

Neben dem Tafeldienst gibt es den Fensterdienst

Die dritte Säule des Pilotprojekts sind die schulischen Verhältnisse. „Es geht um die Räumlichkeiten, Frischluftzufuhr und Flüssigkeitsaufnahme“, erklärt Untenberger. Neben dem klassichen Tafeldienst gebe es deswegen einen Fensterdienst. Und: „Alle Schüler kommen zu jeder Zeit an gekühltes Wasser“, erklärt Silvia Untenberger.

Silvia Untenbach organisiert in Kooperation mit einer Internistin auch die Corona-Selbsttests für das Schulpersonal.

Silvia Untenbach organisiert in Kooperation mit einer Internistin auch die Corona-Selbsttests für das Schulpersonal. © Uwe von Schirp

Mit der Rückkehr in den Präsenzbetrieb nach dem Corona-bedingten Distanzunterricht bietet das Gesundheitsmanagement weitere Vorteile – nicht nur in Sachen Hygiene. Das HHG ist seit Schuljahresbeginn Corona-„Selbsttestzentrum“.

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In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt kooperiert die Schule mit der Westerfilder Internistin Alla Miroschnik. In der Schule leitet Silvia Untenberger das Schulpersonal an, bei sich selbst und fachgerecht Abstriche zu nehmen. Und sie sorgt für den Transport der Testsets und Abstriche von und zur Arztpraxis. „Es bleiben kurze Wege“, sagt Untenberger, „und eine Entlastung der Arztpraxen“.

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