Polizei Dortmund ermittelt gegen 120 mutmaßliche Kokain-Händler

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Seit einem Jahr arbeiten Polizei und Staatsanwaltschaft an einem riesigen Verfahren gegen Drogendealer. Ein Dortmunder Versandhändler soll zur Aufklärung von 3200 Verstößen geführt haben.

Dortmund

, 26.04.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dortmund gilt als Deutschlands Kokain-Hauptstadt. Diesen zweifelhaften Titel hat sich die Stadt verdient, weil bei Abwasseruntersuchungen regelmäßig jede Menge Rückstände der Droge nachgewiesen werden. Ein schweizerisches Institut geht nach Hochrechnungen davon aus, dass in Dortmund pro Tag rund 1,1 Kilogramm Kokain konsumiert werden.

Seit einem Jahr führen die Staatsanwaltschaft und die Polizei in Dortmund ein umfangreiches Ermittlungsverfahren wegen bandenmäßigen Kokain-Handels. Bislang richtet es sich gegen 120 ermittelte Tatverdächtige, wie die Behörden jetzt mitteilen.

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Bei groß angelegten Durchsuchungsaktionen wurden insgesamt etwa drei Kilo Kokain und ein Kilo Marihuana gefunden. Waffen, Handys, gefälschte Reisepässe, hochwertige Fahrzeuge und Luxusuhren sowie etwa 600.000 Euro wurden dabei beschlagnahmt.

„Ferner wurden Haftbefehle gegen mehrere Beschuldigte vollstreckt“, teilen die Behörden mit. Neun Personen müssen Freiheitsstrafen zwischen zwei Jahren und achteinhalb Jahren antreten.

Handel im Kilogrammbereich

Zwei Personen (41 und 23 Jahre), die regelmäßig Kokain im Kilogrammbereich beschafft und im Dortmunder Stadtgebiet verkauft haben, sind etwa im April zu Freiheitsstrafen von sechs Jahren und zwei Monaten beziehungsweise drei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Sieben Fälle wurden ihnen nachgewiesen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In Untersuchungshaft befindet sich außerdem ein 35-Jähriger, der Drogen von seiner Dortmunder Wohnung aus per Post bundesweit an seine Auftraggeber verschickt haben soll. Von Mai 2019 bis Januar 2020 habe die zuständige Ermittlungskommission in diesem Zusammenhang stolze 3200 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz aufgedeckt, so die Polizei.

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Im Jahr 2019 hat die Polizei 4109 Rauschgiftdelikte in Dortmund bearbeitet - und damit 6,4 Prozent weniger als im Vorjahr, allerdings noch deutlich mehr als in den Jahren davor.

In diesem Wert sind zum Beispiel auch Raubüberfälle oder Diebstähle enthalten, bei denen Drogen erbeutet wurden. Unter „allgemeinen Verstößen“ stehen 3115 Delikte etwa zu Besitz, Anbau oder Verkauf. Bei mehr als zwei Dritteln davon ging es um Cannabis (2226) - doch auch die härteren Drogen fallen regelmäßig in Dortmund auf.

Im Schnitt fallen der Polizei täglich Kokain, Crack oder Heroin auf

136 Heroin-Fälle und 250 Straftaten mit Kokain oder Crack zeigen, dass die Polizei im Schnitt an jedem Tag im Jahr mehr als einmal mit einer dieser Drogen zu tun hat. Hinzu kommen 152 Verstöße mit „sonstigen Betäubungsmitteln“. Sprecher Peter Bandermann betont übrigens: „Die Drogenkriminalität ist nicht allein ein Thema der Nordstadt.“

Er sagt zur Statistik: „Die Zahl der Rauschgiftdelikte befindet sich nach Einschätzung unserer Direktion Kriminalität auf einem hohen Niveau, denn hoher Kontrolldruck führt zu hohen Zahlen.“ Einen sehr großen Teil der Straftaten decke die Polizei durch eigene Ermittlungen auf.

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Den Rückgang der Fallzahlen nennt die Polizei „eher gering“. Den Ermittlern sei kein konkreter Grund dafür bekannt. Unter anderem könnten Ermittlungserfolge oder auch ein besonders regnerischer Herbst für weniger „Betrieb“ auf den Straßen sorgen. Zur Frage, wie die Ermittler den Kriminellen auf die Spur kommen, gibt die Polizei aus taktischen Gründen keine Auskunft.

„Sicherstellungen und Haftstrafen in dieser Größenordnung treffen die Mitglieder solcher organisierten Banden empfindlich“, sagt Polizeipräsident Gregor Lange: „Drogenhändler erzielen mit der Suchtkrankheit ihrer Abnehmer hohe Einnahmen. Sie nutzen Leid und Elend dieser Menschen rücksichtslos aus.“

Kommentar

Es ist extrem alarmierend, wie verbreitet Kokain in der Bevölkerung ist. Bei manchen Privatpartys wird offen auf dem Wohnzimmertisch konsumiert, um die Nacht durchzufeiern. Und das machen nicht nur kaputte Junkies, sondern auch Akademiker, die am Montag wieder kerzengerade im Büro sitzen. Marihuana ist bei Konzerten oder in Fußballstadien komplett normal - und Kokain ist auf dem Weg in diese Richtung. Dabei ist das gesundheitliche Risiko ungleich höher. Die Ermittlungserfolge der Polizei zeigen, wie groß das Problem mit dem weißen Pulver ist. Und sie üben wertvollen Druck auf diejenigen aus, die mit der Gesundheit anderer Menschen Geld verdienen wollen.
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