Potenzmittel und Diät-Pillen: Dortmunder Verbraucherzentrale warnt vor Zwangs-Abos

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Beschwerden über Online-Shops für Erektionsmedikamente und Diäthilfen sind bei der Verbraucherberatung in Dortmund aktuell der Renner. Es geht um eine fiese Abo-Falle.

Dortmund

, 01.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Pillen, die in den sozialen Medien wie Facebook als Potenz- und Penisverlängerungsmittel beworben werden, kommen in einem „anonymen Subtil-Paket“. 60 Pillen für 150 Euro. Und dann folgen die Zahlungsaufforderungen. Jeden Monat neu. „Horsepower“ nennt sich das Wundermittel für Männer, „Fatkiller“ der angebliche Schlankmacher für Frauen.

Beschwerden über die Online-Shops aus Litauen und Estland wegen der Abzocke mit den sogenannten Nahrungsergänzungsmitteln seien aktuell „der Renner“ bei der Verbraucherberatung in Dortmund, sagt die Leiterin Helene Schulte-Bories. Mit der einmaligen Online-Bestellung der „unbekannten Pülverchen“ hätten Verbraucher einen teuren Abo-Vertrag abgeschlossen – und erhielten nun monatlich ungewollte Lieferungen.

Technischer Trick

Auch andere Verbraucherberatungen in Deutschland und Österreich warnen vor der Falle mit den verfänglichen Produkten. Schon mit der Online-Registrierung für ein Gratis-Testpaket werde unbemerkt ein Abo-Vertrag abgeschlossen. Aber auch bei einem beabsichtigten einmaligen Einkauf ende der Auftrag als wiederkehrende Bestellung. Durch einen technischen Trick sei erst nach dem Bestellvorgang ein Hinweis auf regelmäßige Lieferung zu sehen, warnt das österreichische Testmagazin „Konsument“.

„Wir raten dazu, die Verträge zu widerrufen“, sagt Helene Schulte-Bories. Denn als nächstes kommen Mahnungen. „Die Online-Shops haben auch deutsche Inkasso-Institute eingeschaltet“, berichtet Schulte-Bories.

Piktogramme mit Gitterstäben

Generell seien mit Inkassoforderungen oft horrende, unberechtigte Gebühren verbunden, Drohkulisse inklusive, sagt die Verbraucherschützerin. Von Inkassounternehmen wie Euro-Collect ließen sich vor allem Menschen einschüchtern, die des Deutschen nicht mächtig seien. Piktogramme mit Gitterstäben auf den Formularen machten ihnen Angst. Werde dann unbedacht eine Ratenzahlungsvereinbarung unterschrieben, komme die Kostenspirale erst richtig in Gang. „Dabei dürfen für Ratenzahlungsvereinbarungen keine zusätzlichen Kosten veranschlagt werden“, sagt Schulte-Bories.

Erst in der vergangenen Woche wollte ein Inkasso-Unternehmen eine Rentnerin für ein im Jahr 2012 erfolgreich widerrufenes Gewinnspiel erneut zur Kasse bitten – mit Überweisungsformularen aus Rumänien und Litauen. „Man muss in diesem Fall nicht drauf antworten“, sagt Helene Schulte-Bories, „denn der Anspruch ist nach drei Jahren verjährt.“ Anders sieht es aus, wenn ein gerichtlicher Mahnbescheid im Postkasten liegt; denn die Gerichte prüfen nicht, ob eine Forderung rechtens ist. Zur späteren Beweisführung empfiehlt Schulte-Bories den Postweg: ein Einschreiben mit Rückantwort.

Auch untergeschobene Lieferverträge für Strom und Gas, falsche High-Speed-Werbeversprechen von Telekommunikationsunternehmen und überteuerte Schlüsseldienste gehören zu den Aufgaben der Verbraucherberatung Dortmund, ebenso wie wie Finanz-, Schuldner- und Energieberatung. Die Beratungsanfragen werden immer anspruchsvoller und komplexer, doch sie können häufig unter dem einen Dach der Verbraucherberatung geklärt werden. Im vergangenen Jahr waren es 16.027 Anfragen. In der Hälfte der Fälle ging es um Finanzen. Bei der Rechtsberatung ging es in den 2385 Beratungen am häufigsten um Telefon und Internet (34 Prozent), gefolgt von Allgemeinen Dienstleistungen (22 Prozent) und Finanzen (14 Prozent).
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