Psychiatrie-Patienten als Imker: Die Arbeit der Bienen-AG wurde nach zwei Jahren belohnt

LWL-Klinik Aplerbeck

Vier Patienten der Forensik in Aplerbeck haben gemeinsam mit dem Erzieher Frank Rennecke und dem Krankenpfleger Klaus Raschke zum ersten Mal etwas ernten können – und zwar nicht nur Honig.

Aplerbeck

30.07.2019 / Lesedauer: 3 min
Psychiatrie-Patienten als Imker: Die Arbeit der Bienen-AG wurde nach zwei Jahren belohnt

Erzieher Frank Rennecke (l.) holt gemeinsam mit dem Patienten Michael die Honigrahmen aus den Bienenstöcken vor der Klinik. © LWL

„Unsere erste eigenständige Honigernte, das ist schon aufregend“, sagt Frank Rennecke, Erzieher in der Wilfried-Rasch-Klinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). In der forensischen Psychatrie in Aplerbeck sind psychisch kranke Straftäter untergebracht, die dort begutachtet und behandelt werden.

Vor knapp zwei Jahren hat er gemeinsam mit seinem Kollegen Klaus Raschke die Bienen-AG gegründet. Gemeinsam mit bis zu vier Patienten sind die beiden Erzieher ein Jahr lang beim Aplerbecker Imkerverein in die Lehre gegangen. „Am Anfang hatten wir null Ahnung und jetzt haben wir 40 Kilo Honig von unseren eigenen Bienenvölkern geerntet“, sagt Rennecke stolz.

Ein Vortrag auf einer Tagung lieferte die Idee

Die Idee, mit den Patienten zu imkern, entstand bei einer Tagung. Dort hatte Rennecke einen Vortrag zu tiergestützter Therapie mit Bienen gehört. „Erst mal fand ich das Thema irgendwie schräg und anschließend war ich total beeindruckt davon“, erzählt er.

Die Patienten erleben in der Arbeit mit den Bienen, was es bedeutet, Verantwor­tung zu übernehmen und sich langfristig zu verpflichten, erklärt er die Ziele des Projektes. Auch die Erfahrung, neue Fertigkeiten zu erlernen und mit dem neuen Können in gemeinsamer Arbeit ein eigenes Produkt zu erzeugen, sei ein wichtiges Lernerlebnis für die Patienten.

Psychiatrie-Patienten als Imker: Die Arbeit der Bienen-AG wurde nach zwei Jahren belohnt

Der AG-Teilnehmer und Patient Arne kratzt den Bienenwachs von den Honigwaben. © LWL

Aber klar war auch: Nur Bücherwissen reicht nicht aus, um Bienenvölker zu halten. „Deshalb sind wir dem Aplerbecker Imkerverein sehr dankbar, dass er uns unter seine Fittiche genommen hat“, sagt Rennecke. „Im ersten Jahr standen unsere Bienen auf dem Vereinsgelände und wir haben dort einmal die Woche gearbeitet und gelernt, was man beim Imkern beachten muss“.

Und noch mehr: „Die Vereinsmitglieder haben uns wie ganz normale Leute behandelt“, erzählt Arne, einer der Patienten. „Wenn wir nicht gut gearbeitet haben, dann kam auch mal ein Spruch“, sagt er mit einem Lachen, „aber dann muss man halt lernen, damit umzugehen.“ Auch ein wichtiges Lernerlebnis für die AG-Teilnehmer, so Rennecke.

Nicht jeder Patient kann an der AG teilnehmen

Um an der Imkerei teilnehmen zu können, muss ein Patient schon große therapeutische Fortschritte gemacht haben: „Mindestens Gruppenausgang muss jeder Patient haben, damit wir die Klinik mit einer Vierer-Patientengruppe verlassen können“, erklärt Krankenpfleger Raschke.

Auch um nur an den eigenen Bienenstöcken arbeiten zu können. Die stehen inzwischen in einem selbstgeschreinerten überdachten Holzgestell auf dem Grünstreifen außerhalb der Klinikmauer im Sichtbereich der Pforte. „Unsere Bienen stehen rund um die Uhr unter Beobachtung, genau wie wir!“, scherzt Patient Michael.

Geerntet wird in der Cafeteria

Für die Honigernte hat die Gruppe die Cafeteria der Klinik in Beschlag genommen. Während Rennecke und Patient Michael draußen in weißer Schutzkleidung die Honigwaben aus den Bienenkisten ziehen, bereitet Raschke drinnen mit zwei Patienten die Honigschleuder vor. Ein bisschen nervös sei er schon, gibt Manfred, der dritte AG-Teilnehmer, zu. „Ob wir das alleine richtig hinkriegen?“

Psychiatrie-Patienten als Imker: Die Arbeit der Bienen-AG wurde nach zwei Jahren belohnt

V. l.: Der Krankenpfleger Klaus Raschke freut sich gemeinsam mit seinem Patienten Manfred und seinem Kollegen Frank Rennecke über den ersten selbst geschleuderten Honig. © LWL

Als dann die Rahmen mit den Honigwaben hineingebracht werden, gehen alle routiniert zu Werke: Arne kratzt den Wachsdeckel von den Waben, Rennecke befüllt die Honigschleuder und dreht die Handkurbel, und alle gemeinsam freuen sich, als der erste eigene Imkerhonig in der Wilfried-Rasch-Klinik unten aus der Schleuder fließt.

In den nächsten Tagen wird der Honig aus Eigenproduktion in Gläser abgefüllt. Was noch nicht für Mitarbeiter und Angehörige reserviert ist, soll auf dem Aplerbecker Apfelmarkt am Stand der Forensik angeboten werden.

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