Radfahrer demonstrieren für mehr Platz - Oberbürgermeister verärgert

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Mehr als 300 Radfahrer haben für mehr Platz auf Dortmunds Straßen demonstriert. Die Testfahrt offenbarte großes Potenzial - kam beim Oberbürgermeister aber gar nicht gut an.

von Daniel Reiners, Oliver Volmerich

Dortmund

, 20.05.2020, 12:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das waren mal ungewohnte Freiheiten für Radfahrer: Am Dienstag (19.5.) haben mehr als 300 von ihnen eine entspannte Fahrt auf einer Dortmunder Hauptverkehrsachse unternommen.

„Von 17 Uhr bis 18 Uhr war der Heilige Weg mit dem Fahrrad so entspannt und sicher befahrbar wie noch nie“, sagt Peter Fricke von „Aufbruch Fahrrad Dortmund“ und „Velocity Ruhr“.

In dieser einen Stunde war ein ganzer Fahrstreifen auf dem Heiligen Weg für Autofahrer gesperrt - er stand ausschließlich Radfahrern zur Verfügung. Er war mit Leitkegeln markiert und verschwand nach der einen Stunde wieder, dieses Konzept wird daher auch als Pop-up-Bikelane bezeichnet.

16 Meter für Autos, aber nur 1,20 Meter für Radfahrer

Fricke, Mitorganisator der angemeldeten Fahrrad-Demonstration, erklärte, der Heilige Weg sei ein Beispiel für die ungleiche Flächenverteilung in der Stadt: Es gebe vier Fahrstreifen für den fahrenden Autoverkehr und in den meisten Bereichen zusätzlich zwei weitere Streifen für parkende Autos.

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Insgesamt stünden mehr als 16 Meter Straßenbreite für den Autoverkehr zur Verfügung, während Radfahrende auf nur 1,20 Meter schmalen Schutzstreifen von fahrenden und parkenden Autos in die Zange genommen würden.

Ein Bündnis aus zwölf Fahrrad- und Umweltverbänden hatte deshalb in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Ullrich Sierau vorgeschlagen, für die Dauer der Corona-Krise an einigen mehrspurigen Straßen temporär einen Fahrstreifen für den Radverkehr zu nutzen.

Dazu habe man eine Liste von Vorschlägen vorgelegt, bei denen die Umsetzung „ganz besonders einfach“ sei. Neben dem Heiligen Weg seien das die Hohe Straße, die untere Ruhrallee und der Straßenzug Treibstraße/Grüne Straße/Steinstraße. Zu dem Bündnis gehören auch die örtlichen Gliederungen von ADFC, VCD, BUND und NABU sowie die Parents for Future.

Sierau verärgert: „Wir kümmern uns schon um das Thema“

Der Oberbürgermeister reagierte sichtlich verärgert auf den Vorstoß des Bündnisses. „Wir haben keinen Erweckungsbedarf in dem Sinne, dass wir uns um diese Frage kümmern müssen. Die Stadt kümmert sich um das Thema“, erklärte er auf Nachfrage. Er halte es aber nicht für sinnvoll, „aus der Hüfte zu schießen“. „Wir wollen planvoll vorgehen und ein nachhaltiges Konzept für die Mobilitätswende“, sagte Sierau.

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Die Aktion der Fahrrad-Lobbyisten beschränkte sich aber nicht nur auf Dortmund, sondern war bundesweit angelegt. Planungsdezernent Ludger Wilde verwies deshalb auf eine Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft der fahrrad- und fußgängerfreundlichen Städte in NRW, die sich ebenfalls kritisch mit den Forderungen der Verbände auseinandersetzt.

Auch hier wird auf die Notwendigkeit von „fachlich durchdachten, fundierten und abgestimmten Radverkehrskonzepten“ verwiesen. Daher seien ad hoc-Maßnahmen „nicht zielführend“. Nicht zuletzt dürfe man die demokratische Meinungsbildung und die Entscheidungsgewalt der Politik nicht ausblenden.

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Immerhin wird sich die Dortmunder Politik bald mit den Wünschen der Umweltverbände beschäftigen. Die Grünen im Rat haben angekündigt, die Forderungen zur Umwandlung von Auto- in Fahrradspuren als Antrag zur nächsten Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses einzubringen.

Von Seiten der Fahrrad-Demonstration am Dienstag (19. Mai) hieß es derweil von Werner Blanke (ADFC Dortmund): „Der erste Test ist sehr positiv verlaufen.“ Nun gehe es darum, die Erfahrungen zu nutzen. Für Blanke war klar: „Das war nicht nur eine Demonstration, sondern es geht darum, Dinge auch tatsächlich umzusetzen.“

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