So soll der Radschnellweg als Fahrradstraße in der Großen-Heim-Straße einmal aussehen, wenn er fertig ist © Stadt Dortmund
Meinung

Radschnellweg Ruhr: Liebe Dortmunder, jetzt haltet mal den Ball flach!

Das erste Teilstück des Radschnellwegs Ruhr (RS1) ist endlich befahrbar. Und sofort gibt es Kritik. Zu unrecht, meint unser Autor. Denn was jetzt als Schwäche gebrandmarkt wird, ist gewollt.

Die ersten Radfahrerinnen und Radfahrer sind da – und die erste Kritik auch. In Sozialen Netzwerken wird gleich gemeckert. „Das soll ein Radschnellweg sein?“ lautet der Tenor. Offensichtlich entsprechen die ersten 220 Meter Radschnellweg Ruhr (RS1) in Dortmund, die jetzt in der Sonnenstraße nutzbar sind, nicht allen hochgesteckten Erwartungen – obwohl noch nicht einmal alle Markierungen aufgebracht und Schilder aufgestellt sind.

Bevor die Erwartungen weiter ins Kraut schießen: Ja. Das ist ein Radschnellweg. Doch er ist natürlich nicht zu vergleichen mit den auf alten Bahntrassen angelegten RS1-Schnellstrecken, wie es sie in Mülheim und Essen gibt.

Auch bei Velocity-Ruhr, einer der engagiertesten Initiativen für den Radverkehr, stellt man richtigerweise fest, dass diese Erwartung „in dicht bebautem Gebiet einfach nicht zu erfüllen ist“. Und man vermisst an der Kritik Vorschläge, „was man denn nun konkret anders hätte machen sollen in einem dicht bebauten Quartier, wo es nun mal keine ungenutzte Bahntrasse gibt“.

In Dortmund führt der Radschnellweg in diesem Bereich ganz bewusst durch ein Innenstadt-Quartier – weil man dort am meisten Menschen erreicht. Das ist gut und richtig, bedeutet aber auch, dass man Kompromisse machen muss. Denn Radfahrer sind hier nicht allein unterwegs.

Als Lösung haben die Verkehrsplaner eine Fahrradstraße durch das Kreuzviertel gewählt, auf der Radfahrerinnen und Radfahrer künftig Vorfahrt haben. Autofahren ist hier weiter erlaubt, aber dem Radverkehr untergeordnet.

Deutliche Fortschritte

Und das bringt deutliche Fortschritte für Radfahrer, die schnell und sicher unterwegs sein wollen: Es gibt kein Rechts-vor-Links mehr an Einmündungen und nur noch eine Ampel (an der Möllerbrücke), die den Verkehrsfluss bremst. Vor allem aber fallen die Störungen durch wild parkende Autos in zweiter Reihe weg, die Rad- wie Autofahrer in der Vergangenheit speziell in der Großen-Heim-Straße gebremst und zu Hindernisfahrten mit gefährlichen Überholmanövern gezwungen haben. Ohne Falschparker kommen Fahrräder wie Autos deutlich besser voran, wenn dieser Abschnitt der Fahrradstraße bis Ende Oktober fertig ist.

Zugleich steht hier die Stadt Dortmund aber auch vor der wichtigsten Aufgabe: Sie muss sicherstellen, dass die neuen Regeln im Sinne der Radfahrer beachtet werden – das heißt, dass Parken in zweiter Reihe konsequent geahndet werden muss. Nur dann hat der Radschnellweg durch das Kreuzviertel seinen Namen wirklich verdient.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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