Radweg – ja oder nein? An dieser Stelle ist die Situation besonders unübersichtlich

hzGefährliche Radwege

Wann ist ein Radweg eigentlich ein Radweg – und woran erkennt man das? Vor einem Dortmunder Restaurant ist unklar, ob Radler hier absteigen müssen oder nicht.

Kaiserstraßenviertel

, 06.09.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fußgänger, die auf den Radweg laufen. Radfahrer, die keine Rücksicht auf Fußgänger nehmen. Und Autofahrer, die Radwege zuparken: In der Innenstadt kommen sich Verkehrsteilnehmer oft in die Quere.

So auch im Kaiserviertel. Der gemeinsame Fahrrad- und Fußgängerweg entlang der Kaiserstraße führt immer wieder zu Konflikten zwischen Radlern und Fußgängern.

Müssen Radfahrer nun absteigen oder nicht?

An einer Stelle ist es besonders kniffelig: Vor dem Restaurant „Hexenkessel“ an der Einmündung Lippestraße müssen die Mitarbeiter beim Bedienen regelmäßig Radfahrern ausweichen. Weil allerdings genau vor dem Restaurant die Markierung des Radwegs unterbrochen ist, glaubt Inhaber Thomas Kraus, dass es sich an dieser Stelle logischerweise um eine Unterbrechung des Radweges handeln müsse: „Eigentlich müssten Radfahrer hier absteigen“, sagt er.

Ist das tatsächlich so? Nach unserem Bericht hat sich Anwohner Lorenz Redicker gemeldet. Er sagt: „Nur wenn ein Schild auf das Ende des Radweges hinweist, muss man absteigen.“ Eine unterbrochene Markierung sei nicht relevant - zumal wenige Meter vorher ein Schild auf den gemeinsamen Rad- und Fußgängerweg verweist.

Radweg – ja oder nein? An dieser Stelle ist die Situation besonders unübersichtlich

Dieses Schild weist darauf hin, dass der Weg von beiden Verkehrsteilnehmern gemeinsam zu nutzen ist. Hier gilt es, besondere Rücksicht auf Fußgänger zu nehmen. © Martina Niehaus

Das sieht die Stadt Dortmund anders. „Es handelt es sich hier um eine Mischverkehrsfläche“, teilt Pressesprecher Christian Schön auf Anfrage mit. Dies sei nach Aussage der Straßenverkehrsbehörde im Tiefbauamt „eindeutig zu erkennen für jeden Verkehrsteilnehmer an der baulichen Gestaltung“. Damit meint das Tiefbaumat die Plateau-Aufpflasterung, die es in diesem Bereich gebe.

„Der Radweg ist hier unterbrochen und es gilt Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung (gegenseitige Rücksichtnahme) – hier muss jeder auf jeden achten.“ Diese Flächen dienten dazu „insgesamt den Verkehr zu beruhigen, also langsamer zu machen“. Denn das höhere Pflaster zwinge die Radfahrer zum Abbremsen.

„Nervige und gefährliche Situation“

Doch offensichtlich bremst niemand. Und um genau zu sein: Erhöhtes Pflaster ist nicht zu erkennen. Nur eine Änderung der Markierung, die sich zudem farblich nicht besonders abhebt. „Die gesamte Situation ist relativ unglücklich“, sagt Anwohner Lorenz Redicker. Er selbst fährt im Kaiserviertel sowohl Fahrrad als auch Auto. „Es ist nervig und gefährlich“, bestätigt er. „Und häufig stehen Lieferwagen quer zum Radweg. Dann geht gar nichts mehr.“

Radweg – ja oder nein? An dieser Stelle ist die Situation besonders unübersichtlich

Erst nach dem Überqueren der Lippestraße beginnt die Radweg-Markierung in Richtung Innenstadt wieder. © Martina Niehaus

Was die fehlende Rücksichtnahme betrifft, ist Redicker einer Meinung mit Thomas Kraus: „Dass Radfahrer den Radweg an der Kaiserstraße in falscher Richtung benutzen, ist in der Tat für Fußgänger wie richtig fahrende Radfahrer ein Ärgernis“, sagt er. Dies sei nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, „dass der Straßenraum hier vor vielen Jahren falsch aufgeteilt worden ist, mit viel zu viel Platz für parkende Autos“.

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