Raser lassen Radfahrern nur zwei Optionen: „Graben oder Krankenhaus“

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Welches Tempolimit gilt hier überhaupt? Diese Frage stellen sich Verkehrsteilnehmer an einer der schmalsten Straßen Dortmunds. Für Fahrradfahrer ist das oftmals lebensgefährlich.

Holthausen

, 09.11.2020, 13:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie kann man hier einen Bus fahren lassen?“, fragt Werner Mischke frustriert und zuckt dabei verständnislos mit den Achseln. Er steht vor seinem Haus an der Straße Peddenbrink in Holthausen und zeigt auf die nur vier Meter breite ländliche Straße. Einen Bürgersteig gibt es dort nicht. Ein Pkw hat auf der Straße maximal Platz, darüber hinaus wird es eng. Sehr eng sogar.

Die Straßenbreite lässt keinen Gegenverkehr zu, wenn der Linienbus durch die Peddenrink-Straße braust - selbst für Fahrradfahrer ist der Platz knapp.

Die Straßenbreite lässt keinen Gegenverkehr zu, wenn der Linienbus durch die Peddenrink-Straße braust - selbst für Fahrradfahrer ist der Platz knapp. © Irina Höfken

Tempo 100 auf der vier Meter breiten Straße erlaubt?

Und die Verkehrsschilder, die auf das Tempo 30 hinweisen? Die seien rar gesät. Eines etwa habe wohl ein Bauer umgefahren, sagt der 63-Jährige, dort stehe nur noch der Stumpf. Jetzt folgt auf das Ortsausgangsschild keine Tempo-Begrenzung mehr: „Hier müsste auf dem einen Kilometer bis Brechten Tempo 100 gelten, das kann doch nicht wahr sein“, sagt Mischke. Der Stadt habe er das mitgeteilt, passiert sei seit Anfang des Jahres nichts.

Unsicherheit der Verkehrsteilnehmer: Welches Tempo gilt auf dem Kilometer bis Brechten?

Unsicherheit der Verkehrsteilnehmer: Welches Tempo gilt auf dem Kilometer bis Brechten? © Irina Höfken

„Sehr irreführend“, sagt Fatih Aytekin, Fahrlehrer der Fahrschule Europa, als er sich das Foto vom Peddenbrink ansieht. „Auf den ersten Blick kann die Lage für Autofahrer nicht eindeutig sein.“ Und wer hat Zeit für Rätselraten? Tempo 30 sei durch den Ortsausgang aufgehoben. Jetzt müsse tatsächlich ohne weiteres Schild Tempo 100 gelten. Aber wirklich sicher scheint sich auch der Experte nicht zu sein: „Die Straßenverhältnisse müssen das ja auch zulassen, das scheint mir dort nicht so zu sein.“

Raser lassen nur zwei Alternativen zu: Graben oder Krankenhaus

Dem pflichtet Werner Mischke bei. Die Situation für Fußgänger oder Fahrradfahrer sei oftmals lebensgefährlich, erzählt der 63-Jährige. Selbst mit 30er-Schild halte sich so gut wie niemand an das Tempolimit. Auch einige Busfahrer der Linie 473 nicht, die bis zu zwei Mal pro Stunde über die enge Straße brausen. Es sei sogar schon vorgekommen, dass ein Busfahrer mit aufheulendem Motor hinter ihm her gefahren sei, hupend und schimpfend. Wenn der Linienbus durch den Peddenbrink rase, dann blieben laut Mischke nur zwei Alternativen: Graben oder Krankenhaus.

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Für Bezirksbürgermeister Oliver Stens (SPD) ist die Problematik neu. Er wolle sich jetzt die Lage vor Ort ansehen. Das fehlende 30er-Schild müsse er neu beantragen können, so Stens. Darüber hinaus werde sich dort zeigen müssen, wie mehr Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger gewährleistet werden könne. Die Stadt Dortmund wolle er nach der Ortsbegehung mit ins Boot holen.

Für Werner Mischke, der sich seit Jahresbeginn für mehr Kontrollen und Tempo-30-Schilder einsetzt, ist das ein Schritt in die richtige Richtung.

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