Raubüberfälle: Gibt es „Tätertourismus“ aus dem Norden in den Süden Dortmunds?

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„Abzocken“ nennen die Kids einen Diebstahl von Handys oder teuren Jacken. Wenn so etwas passiert, glühen die öffentlichen Netzwerke – und die Angstraumdiskussion geht wieder los.

Aplerbeck

, 05.11.2019, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war vergangene Woche, als die Mitteilung die Runde machte, dass im Dortmunder Süden ein 15-Jähriger überfallen worden sei. Jacke weg, Tasche weg, Handy weg. Dazu gab es noch ein paar Würgemale und einen heftigen Schock. So erzählte es die Mutter des Opfers.

Geschehen sein soll das Ganze in der Nähe der Emscher in Aplerbeck. Auf dem Weg zwischen der Schweizer Allee und dem Ortszentrum. Gerade bei Dunkelheit ist das nicht gerade die belebteste Gegend. Die beliebteste auch nicht. Zudem führt der Weg an der Mauer am östlichen Ende der Emschergasse vorbei, die als Treffpunkt für Jugendliche gilt.

Raubüberfälle: Gibt es „Tätertourismus“ aus dem Norden in den Süden Dortmunds?

Der Emscherweg zwischen Schweizer Allee und Köln-Berliner-Straße © Jörg Bauerfeld

Immer wieder kommen Bürger in die Einwohnerfragestunde der Bezirksvertretung und beschweren sich über den Schmutz, den Lärm und das „unflätige Verhalten“ einiger junger Leute. Nahe dem Treffpunkt soll es auch den Überfall gegeben haben.

Wildeste Gerüchte im Internet

Im Internet kursierten daraufhin die wildesten Gerüchte. Neuerdings führen Jugendliche aus dem Norden der Stadt mit der U47 bis Aplerbeck und begäben sich dort auf Diebeszug , um dann wieder mit der U-Bahn zu verschwinden.

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Aber ist an solchen Gerüchten etwas dran, gibt es Zahlen, die so etwas belegen? „Nein“, sagt Polizei-Pressesprecher Peter Bandermann auf Nachfrage unserer Redaktion. „Aplerbeck ist kein Ort mit auffällig vielen Straftaten. Es gibt dort kein gravierendes Sicherheitsproblem, auch nicht für Jugendliche.“

Falsches Licht auf den Stadtbezirk

Und was ist mit dem Überfall in der Emschergasse? In Aplerbeck habe es am 24./25. Oktober drei Taten gegeben, sagt Bandermann. „Teilweise war es so, dass sich die jugendlichen Kontrahenten untereinander kannten und z. B. wegen einer Jacke aneinander geraten sind. Die Polizei kann einen ‚Täter-Tourismus‘ nicht erkennen.“ Die Wortwahl stelle Aplerbeck in ein völlig falsches Licht. Wichtig sei aber, dass die Polizei von etwaigen Taten erfahre, nur dann könne sie etwas unternehmen.

Die Bürger sind gefragt

Wo gibt es in Aplerbeck Angsträume?

  • Gibt es im Stadtbezirk Aplerbeck echte Angsträume?
  • Wo wird es Ihnen mulmig bei Dunkelheit oder welche Orte meiden Sie?
  • Schreiben Sie uns: do-sued@lensingmedia.de

Und wie sind die vielen Einträge in den Internet-Foren zu bewerten? Auch da gibt es von der Polizei eine klare Aussage: „Die Diskussion bei Facebook sollte eine Gerüchtelage nicht weiter anfachen.“

Keine Angstraum-Diskussion in Aplerbeck

Aber wie sieht es nun mit den Angsträumen im Stadtbezirk aus?

In den politischen Gremien spielt dieses Problem keine Rolle. Auch bei den Bürgern nicht, zumindest nicht öffentlich. Ein Dorn im Auge ist vielen Aplerbeckern die Endhaltestelle der U47 und der benachbarte Marsbruchplatz. Dort treffen sich, wie an der Emschermauer, immer wieder zahlreiche Jugendliche. Auch der Rodenbergpark ist gerade im Sommer ein Treffpunkt, an dem es nicht immer gesittet zugeht. So flogen im August Polenböller von dort in einen besetzten Biergarten. Die Polizei ermittelt.

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