Raus aus dem Rotlichtviertel der Bremsleuchten: Baut ein neues Autobahnkreuz!

hzKlare Kante

10.000 Fahrzeuge zusätzlich am Tag: Rund ums Knepper-Gelände fehlt der große Wurf. Um weitere Verkehrsmengen lenken zu können, braucht es radikale Lösungen, meint unser Autor.

Oestrich, Castrop-Rauxel

, 08.02.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Täglich 10.000 zusätzliche Fahrzeuge auf den Straßen an der Stadtgrenze von Castrop-Rauxel und Dortmund-Oestrich – da stockt manchem Einwohner schlichtweg der Atem. Die Entwicklung des Knepper-Areals nimmt rasant an Fahrt auf.

Natürlich ist dieses „Filetstück im Ruhrgebiet“ in „absoluter Toplage“ (Verkehrsgutachter Lothar Bondzio) für Unternehmen interessant. Das garantieren die drei Autobahnen – und drei Anschlussstellen: Dortmund-Bodelschwingh an der A 42/45, Castrop-Rauxel an der A 42 und Dortmund-Mengede an der A 2.

Deshalb: Wenn jetzt allein die Anschlusstelle Bodelschwingh im Mittelpunkt aller Planungen steht, ist das zu eng gedacht. Zumindest Lkw unter 3,5 Tonnen und Autos werden über die beiden anderen Anschlusstellen rollen.

Fahrer nehmen innerstädtische Abkürzung

Und damit über innerstädtische Straßen, wo die Lärmkataster schon jetzt in dunkelrot bis violett eine hohe Belastung ausweisen: auf der Recklinghauser- und Pallasstraße in Castrop-Rauxel, auf Königshalt, Burgring, Waltroper- und Strünkedestraße in Dortmund-Oestrich und Mengede.

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Es ist blanke Theorie, davon zu reden, dass Lkw- und Autofahrer sich lieber in einen 1,8 Kilometer langen Stau zwischen Castrop-Rauxel-Ost und Dortmund-Nordwest stellen. Die zehn Ampeln auf der innerstädtischen Abkürzung halten sie heute schon nicht davon ab. Und sprechen die Sprache der Realität.

Der international tätige Investor Segro wird auf dem Gelände einen Mix aus Gewerbe, Industrie und vor allem Logistik ansiedeln. Dieser Plan ist Kern der Bauleitplanung. Und darauf basiert die Prognose für das zusätzliche Verkehrsaufkommen.

Straßen.NRW hat eine entscheidende Rolle

Ein Verkehrskonzept ist dabei ein vorgeschriebener Bestandteil der Bauleitplanung. Der Landesbetrieb Straßen.NRW hat bei der Knepper-Verkehrsplanung eine zentrale Rolle: Es geht um Landesstraßen und Autobahnanschlüsse.

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Segro rechnet damit, dass drei bis vier Jahre nach Abschluss des Planverfahrens die Fläche belegt ist. Es darf bezweifelt werden, dass bis dahin die Verkehrs-Infrastruktur geschaffen ist. Wenn Straßen.NRW mitspielt, haben im besten Fall Königshalt, Langenacker sowie die Auf- und Abfahrt in Bodelschwingh zusätzliche Fahrstreifen. Und bieten damit allenfalls mehr Standfläche im Stau, da der Verkehr auf den Autobahnen nicht abfließt. Willkommen im Rotlichtviertel der Bremsleuchten! Wann der im Bundesverkehrswegeplan stehende Ausbau der A45 tatsächlich kommt, steht in den Sternen. Und der Ausbau selbst wird für weitere Behinderungen sorgen.

Der große Wurf bleibt aus

Quasi on top: In den aktuellen Diskussionen bleibt der Weiterbau der A 45 als Bundesstraße 474n nach Datteln außen vor. Ist der Dattelner NewPark als weiteres Industriegebiet erst einmal in Betrieb, kommen von Norden weitere Blechkarawanen hinzu. Hüben wie drüben denken Planer und Flächenentwickler offenbar von innen nach außen. Außen aber können Autobahnen und Anschlusstellen den Verkehr gar nicht aufnehmen.

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Für den Verkehr zum Knepper-Areal kann es darum nur eine große Lösung geben: Der Anschluss Bodelschwingh muss inklusive Kreuz Castrop-Rauxel-Ost komplett neu gebaut werden – mit einer komplett anderen Straßenführung, ausreichend Fahrspuren und fließenden Verkehren.

All diese Überlegungen hätten schon spätestens Anfang 2015 beginnen müssen, als Knepper den Betrieb einstellte. Darum: Zeichenbretter raus, Mittel bereitstellen und schleunigst anfangen – bevor Leben und Gesundheit der Menschen im Dortmunder Nordwesten und Castrop-Rauxeler Osten gänzlich Schaden nehmen.

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