Corona-Massentests in Dortmund – Ist das eine echte Option?

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Massentests können einen zweiten Lockdown verhindern, heißt es in einer Mitteilung der Linken. Sie sprechen sich für flächendeckende Corona-Tests aus. Die anderen Parteien beziehen Stellung.

Dortmund

, 24.07.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach den Sommerferien könnten Corona-Massentests an Schulen Pflicht werden. Die Fraktion der Linken/Piraten im Dortmunder Stadtrat geht mit einer Forderung darüber hinaus: Sie fordert die Vorbereitung von Massentests für Dortmund. Nur so könne gewährleistet werden, dass das öffentliche Leben in der Stadt nicht erneut zum Erliegen käme.

„Es ist durchaus möglich, dass sich eine zweite Welle der Pandemie bereits ankündigt“, so der Linken-OB-Kandidat für die Kommunalwahl, Utz Kowalewski, in einer Mitteilung der Partei. Da eine Einzelfallverfolgung nicht durchgängig gewährleistet werden könne, seien Massentests unumgänglich, hieß es weiter.

Was sagen die anderen Ratsfraktionen zu diesem Vorschlag? Wir haben nachgefragt.

Die SPD-Fraktion ist skeptisch, was den Vorschlag der Linken angeht. „Wir glauben, dass das nicht leistbar ist“, sagt SPD-Geschäftsführer Andrew Kunter. „Außerdem haben wir im Augenblick so geringe Zahlen, dass ein solches Vorgehen nicht zu rechtfertigen ist. Hätten wir Hotspots, könnte man darüber nachdenken.“

Kunter hegt Zweifel an der Wirksamkeit der Maßnahme

Zudem bestünden Zweifel an der Wirksamkeit der Maßnahme: „Nicht Tests werden einen Lockdown verhindern, sondern eine sensible Bevölkerung“, so Kunter.

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Ähnlich sieht das die CDU: Sie positioniert sich deutlich gegen flächendeckende Corona-Tests. In Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern sei das zwar richtig, wie Justine Grollmann, Sprecherin im Ausschuss für Soziales, Arbeit und Gesundheit für die CDU, sagt, „ansonsten aber nicht sinnvoll“.

Corona-Tests sollten dann durchgeführt werden, wenn Kontakt zu einem Infizierten bestanden habe oder man die typischen Symptome der Krankheit aufweise. „Von Tests, bei denen von Tür zu Tür gegangen wird, halte ich nichts“, sagt Grollmann.

Grollmann appelliert an die Vernunft

Die CDU-Abgeordnete setzt viel mehr auf Eigenverantwortung und appelliert an die Vernunft des Einzelnen: „Wir müssen gegenseitig auf uns acht geben und mehr auf das Miteinander achten. Dann können wir eine zweite Welle vermeiden.“

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Auch bei den Grünen stößt der Vorschlag der Linken aus Ablehnung. „Natürlich dürfen wir das Coronavirus nicht auf die leichte Schulter nehmen“, sagt Daniela Schneckenburger, OB-Kandidatin der Grünen bei der Kommunalwahl. Befürchtungen, es könne einen Massenausbruch geben, gäbe es allerdings nichts.

Vielmehr sei der aktuell eingeschlagene Weg richtig: „Im Augenblick halte ich die Corona-Strategie für richtig. Ohne das zu bagatellisieren: Es gibt Infektionen in Kitas, aber es gibt keinen Massenausbruch. Sollte sich das ändern, müssen wir auch die Strategie ändern. Aber im Augenblick ist das nicht so“, so Schneckenburger.

Schneckenburger setzt eine Spitze gegen die Linke

Und die Spitzenkandidatin der Grünen gibt den Linken noch eine Spitze mit auf den Weg: „Wir sollten uns auch vor populistischen Forderungen hüten, die Scheinsicherheit erzeugen und unsere Handlungsfähigkeit bei tatsächlichen Verdachtsfällen einschränken können.“

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Michael Kauch von der FDP hält gezielte Tests für sinnvoll: „Dort, wo wir besondere Problemlagen wie in Krankenhäusern oder Altenheimen haben, sollten wir die Testintensität erhöhen“, sagt der FDP-Kreisvorsitzende. „Wenn die gesamte Bevölkerung getestet werden soll, halte ich das aber nicht für zielführend.“ Massentests könnten nur eine Scheinsicherheit geben.

An anderer Stelle könnten vermehrte Tests jedoch von Nutzen sein. „Auch wenn es nicht billig ist, freiwillige Tests zum Beispiel am Flughafen halte ich für sinnvoll“, so Kauch.

Die AfD-Fraktion im Rat der Stadt Dortmund lehnte eine Stellungnahme zur Forderung der Linken auf Anfrage unserer Redaktion ab.

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