Rechte Randgruppe hetzt im Schwerter Wald gegen die Grünen

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In einem Waldstück im Dortmunder Süden wurden Plakate an Bäume gepinnt, auf denen Politiker der Grünen diffamiert werden. Das steckt dahinter.

Berghofer Mark, Schwerte

, 16.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass Menschen Bäume benutzen, um ihre Liebe zu zeigen, ist nichts Neues. Verliebte ritzen schon mal Herzen, Initialen und Jahrestage in Baumrinden. Dass Bäume aber als Plakatierflächen für politische Statements benutzt werden, ist schon ungewöhnlich. Erst recht, wenn ein Verein aus Hamburg darauf auftaucht, der Politiker der Grünen diffamiert.

So geschehen ist es im Schwerter Wald. Ein Spaziergänger hat sich in einer Mail an diese Redaktion gewandt und Fotos der Plakate zugeschickt. „Es handelt sich um Plakate der Größe A4, die in Klarsichthüllen eingepackt waren und mit Reißzwecken fest an den Bäumen angebracht wurden“, schreibt er.

Die „Todsünden der Grünen“ auf einem Plakat

Zwei solcher Plakate habe er abends am 10. August (Samstag) in der Nähe des Maulwurfsweges entdeckt und abgehängt. „Am nächsten Morgen fand sich ein Drittes an einem Waldweg zwischen Maulwurfsweg und Bergstraße.“

Auf den Plakaten zu sehen sind die Köpfe bekannter Grünen-Politiker wie Cem Özdemir, Claudia Roth und Jürgen Trittin, darüber die Überschrift „Von mir aus kann Deutschland verrecken“. Das soll eine Anspielung auf die angeblichen Aussagen verschiedener Politiker sein, die als „Todsünden der Grünen gegen das Deutsche Volk“ zusammengefasst werden.

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Unter anderem stützt sich der Text auf ein Zitat von Renate Künast, das seit Jahren in konservativen und rechten Kreisen benutzt wird. Schon 2015 hat Künast selbst aber klargestellt, dass dieses angebliche Zitat falsch ist. Für den Verein „Die Deutschen Konservativen“ macht das allerdings nichts.

Verein tauchte schon im Verfassungsschutzbericht auf

Er hat zahlreiche weitere Zitate zusammengetragen, die aus der Broschüre „Deutschland verrecke“ eines konservativen Autors stammen, und diese als Plakat im Vorfeld der Europawahl veröffentlicht. Mit wenigen Klicks gelangt man im Internet auf Seiten, die das Plakat zum Download anbieten.

Rechte Randgruppe hetzt im Schwerter Wald gegen die Grünen

Die Plakate hingen unweit des Fernmeldeturmes im Schwerter Wald an der Grenze zwischen der Berghofer Mark und Schwerte. © Jörg Bauerfeld (Archiv)

Die Broschüre selbst könne man direkt bei den „Deutschen Konservativen“ bestellen, steht auf dem Plakat. Der Verein ist im Verfassungsschutzbericht 1995 als rechtsextrem eingestuft worden und wird von Joachim Siegerist, einem laut Spiegel verurteilten Volksverhetzer, angeführt.

Eine Anfrage dieser Redaktion vom 14. August (Mittwoch) zur aktuellen Einschätzung der „Deutschen Konservativen“ hat das Bundesamt für Verfassungsschutz bislang nicht beantwortet.

„Das hat im Wald nichts zu suchen“

Der Spaziergänger, der die Plakate entdeckt hatte, informierte noch am Wochenende die Dortmunder Polizei. „Ich war erschrocken. Man kann von der Partei halten, was man will. Das hat aber im Wald nichts zu suchen“, sagt der Mann im Gespräch mit dieser Redaktion.

Wie Polizeisprecherin Nina Kupferschmidt erklärt, seien die Ermittlungen aufgenommen. „Die Plakate sind an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden, weil geprüft werden muss, ob beispielsweise eine Verleumdung oder ein Verstoß gegen das Pressegesetz vorliegt“, so Kupferschmidt. In Dortmund sei der Verein bislang aber noch nicht aktiv in Erscheinung getreten.

Die Grünen aus dem Ort machen ein Angebot

Auch die Grünen in Aplerbeck hatten bislang nichts mit dem Verein zu tun, wie Walther Heuner, Sprecher des Ortsverbandes, im Gespräch mit dieser Redaktion erklärt. Er ist seit mehr als 30 Jahren auf örtlicher Ebene für die Grünen aktiv und sagt: „Einige der Zitate sind falsch oder aus dem Zusammenhang gerissen. Man wird nicht herausfinden, wer diese Plakate aufgehängt hat. Mit solchen Sachen muss man leben.“

Lob hatte er für den Spaziergänger, der die Plakate abgenommen hat – und ein Angebot für die „Deutschen Konservativen“: „Ich wäre bereit, mit Vertretern des Vereins zu sprechen. Das wäre sicher eine interessante Diskussion.“

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