Rechtsmediziner: Nicole-Denise Schalla wurde mit großer Gewalt erwürgt

hzSchalla-Prozess fortgesetzt

Im Prozess um den Mord an der Schülerin Nicole-Denise Schalla hat Rechtsmediziner Ralph Zweihoff ausgesagt. Die Details aus dem Obduktionsbericht waren für Joachim Schalla schwer zu ertragen.

Dortmund

, 26.08.2020, 17:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rechtsmediziner Ralph Zweihoff wechselte 1994 aus Göttingen nach Dortmund. Inzwischen leitet er das Institut seit vielen Jahren, das Ruhrgebiet ist seine berufliche Heimat geworden.

Als am 15. Oktober 1993 die Leiche der Schülerin Nicole-Denise Schalla aus dem Jungferntal obduziert wurde, war Zweihoff noch Assistenzarzt an einer anderen Klinik. Dennoch wurde er am Mittwoch im Schwurgericht als Sachverständiger befragt. Denn die Obduktionsergebnisse können nur anhand der Unterlagen von früher zum Prozessgegenstand gemacht werden. Die beiden Ärztinnen, die die Untersuchung leiteten, sind inzwischen verstorben.

Zungenbein war gebrochen

Zweihoff hat die Protokolle aus 1993 intensiv studiert. Als Todesursache hielten seine Vorgängerinnen massive Gewalteinwirkung gegen den Hals fest. „Das Mädchen ist erwürgt worden“, sagte Zweihoff. Dabei brach das Zungenbein der 16-Jährigen.

Fünf bis acht Minuten dauert es, ehe der Tod durch Erwürgen eintritt, sagte der Rechtsmediziner weiter. So lange muss der Täter also erbarmungslos zugedrückt haben. Ob der Mann dabei hinter Nicole-Denise Schalla stand, sie also völlig überraschte, oder ob sie ihrem Mörder in die Augen blickte, kann Ralph Zweihoff nicht sagen. Beides sei möglich.

„Vorgang sehr spurenarm“

Für den Rechtsmediziner ist auffällig, dass der Würgevorgang „sehr spurenarm“ vonstatten ging. Abwehrverletzungen fanden sich an den Händen oder Armen der Toten nicht. Wobei Zweihoff einräumen muss, dass nach heutigem Standard noch intensiver obduziert worden wäre, um derartige Spuren vielleicht doch noch zu ermitteln. Im Herbst 1993 sei der Standard aber noch ein ganz anderer gewesen.

Vater Joachim Schalla konnte die Details irgendwann nicht mehr ertragen. Wollte nicht hören, dass der Täter seiner Tochter die Hose und den Slip bis zu den Knien runterzog, nachdem er sie getötet hatte. Und wollte schon gar nicht hören, woran Zweihoff die zeitliche Abfolge so sicher festmachen konnte. Also lief er aus dem Saal.

Keine Regung beim Angeklagten

Ralf H., der Angeklagte, blickte derweil nur stur geradeaus. Ab und zu redete er mit seinen Verteidigern Udo Vetter und André Bohn, die immer wieder versuchten, Details zum eigentlichen Tathergang zu ermitteln.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem Mord unter anderem aus Heimtücke aus. Doch auch der Vorsitzende Richter Thomas Kelm sagt, dass die Schilderung der Tat in der Anklageschrift dazu nicht passt. „Das Problem ist, dass wir alle nicht wissen, was damals genau passiert ist“, sagte Kelm. Ralf H. zeigte auch bei diesem Satz keinerlei äußere Regung.

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