Regenrückhaltebecken: Stadt bestreitet Bau-Fehler – um ihn dann „heimlich“ zu korrigieren

hzHochwasser in Dortmund

„Alle Arbeiten wurden sachgerecht ausgeführt“: So reagierte die Stadt Anfang Februar auf Anwohner-Bedenken zum Bau des Regenrückhaltebeckens. Drei Wochen später wundert man sich.

Oespel

, 10.03.2020, 16:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von Anfang an haben einige Anwohner und insbesondere Hochwasser-Opfer den Bau des neuen Regenrückhaltebeckens am Oespeler Dorneywald mit ungebrochener Skepsis beobachtet. Ihre größte Angst: Bei Starkregen fließen die Wassermassen nicht in die neu ausgebaggerte Fläche, sondern in die Hedwigstraße und im schlechtesten Fall wieder in die Häuser der Anlieger.

Mehrfach haben die Oespeler ihre Bedenken dieser Redaktion mitgeteilt, die wiederum die Stadt damit konfrontiert hat – zuletzt Anfang Februar 2020, als der Bau des Rückenrückhaltebeckens abgeschlossen schien und bereits ein Zaun installiert wurde.

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Damals befürchtete eine Anwohnerin, dass beim Bau des Regenrückhaltebeckens in Dortmund-Oespel ein wichtiges Detail vergessen worden war, nämlich eine zweite gepflasterte Rinne mit direktem Zulauf ins Becken am Hauptweg, also auf der Waldseite.

So war die Situation noch am 29. Februar - das Wasser fließt am Regenrückhaltebecken vorbei. Mittlerweile soll das eine neue Querrinne mit Zulauf ins Becken verhindern. Auf das fehlenden Element hatten Anwohner hingewiesen.

So war die Situation noch am 29. Februar 2020 – das Wasser fließt am Regenrückhaltebecken vorbei. Mittlerweile soll genau das eine neue Querrinne mit Zulauf ins Becken verhindern. Auf das fehlende Element hatte eine Anwohnerin hingewiesen. © privat

Eine solche Rinne gab es Anfang Februar nur auf der gegenüberliegenden Seite, Ecke Ackerweg/Hedwigstraße. Kurz darauf berichtete Stadtsprecherin Katrin Pinetzki, dass Fachleute aufgrund der Anwohner-Bedenken noch einmal vor Ort gewesen seien und Entwarnung gegeben hätten.

Stadt zum Regenrückhaltebecken: „Alle Arbeiten wurden sachgerecht ausgeführt“

„Alle Arbeiten wurden sachgerecht ausgeführt. Die Anwohnerinnen und Anwohner können sicher sein, dass die Stadtentwässerung das Areal im Auge behält, die Situation nach einiger Zeit erneut prüft und, wenn tatsächlich nötig, noch einmal nachbessert“, schrieb die Stadtsprecherin am 10. Februar 2020 an die Redaktion.

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Drei Wochen später gibt es am Oespeler Regenrückhaltebecken nun doch die von der Anwohnerin vermisste zweite Rinne, über die das Niederschlagswasser direkt in das Staubecken fließen kann. Sie wurde offenbar in der ersten März-Woche installiert, denn ein Foto ohne Rinne vom 29. Februar 2020 liegt der Redaktion vor. Darauf ist deutlich zu erkennen, wie Regenwasser am Becken vorbeifließt.

Die Hochwasser-Opfer sind die eigentlichen Experten

In den Jahren 2008 und 2014 hatten die Anlieger schmerzlich erfahren müssen, was Starkregen anrichten kann. Keller standen unter Wasser, der Schaden war immens. Die Hochwasser-Opfer sind in diesem Fall die Experten, sie wissen, welche Richtung das aus dem Wald fließende Wasser nimmt.

Anwohnerin kritisiert: „Wasser kann nicht bergauf fließen“

Die Anwohnerin hätte es noch besser gefunden, wenn das Staubecken direkt mit dem parallel zum Hauptweg verlaufenden Graben verbunden worden wäre. „Aber einen Teil des Wassers wird die Rinne wohl ins Becken bringen“, sagt sie.

Anwohner kritisieren, dass die Mulde nicht bis zum Bolzplatz führt und das Gefälle fehlt.

Anwohner kritisieren, dass die Bodensenke nicht bis zum Bolzplatz führt und das nötige Gefälle fehlt. © privat

Sie äußert auch noch diese Kritik: „Die vor dem Spielplatz um die Kurve angelegte Bodensenke hört plötzlich auf und führt nicht bis zum Bolzplatz, wo das Niederschlagswasser versickern soll. Außerdem fehlt das Gefälle. Wasser kann nicht bergauf fließen. Wo wird es also hinfließen? Auf den Spielplatz und die Hedwigstraße.“

Kommentar

Handeln und Kommunikation der Stadt verwundern

Es verwundert schon, dass Experten der Stadt Dortmund Bürger-Bedenken erst als unbegründet abtun und drei Wochen später doch im Sinne der Anlieger nachbessern. Hoffen wir, dass ein städtischer Mitarbeiter inzwischen vor Ort war und erkannt hat, was schon Anfang Februar klar war. Doch selbst wenn es so gewesen ist, das Handeln der Stadt nervt: Statt einen Fehler einzuräumen, hat sie nun das fehlende und wichtige Element kurze Zeit später quasi still und heimlich installiert – ohne jegliche Kommunikation in den Medien, vor allem aber, ohne der hilfreichen Anwohnerin zu danken.
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