50 Jahre Reitverein Kirchlinde: Die ersten Pferde des Vereins mischte Ziegenbock Billy auf

Reitverein Kirchlinde

Das muss gefeiert werden: Den Reiterverein Kirchlinde gibt es seit 50 Jahren. Das Jubiläumsturnier findet vom 12. bis zum 14. Juli statt. Begonnen hat alles mit Ponys - und einem Ziegenbock.

von Tobias Weskamp

Kirchlinde

, 10.07.2019 / Lesedauer: 3 min
50 Jahre Reitverein Kirchlinde: Die ersten Pferde des Vereins mischte Ziegenbock Billy auf

Der Reiterverein Kirchlinde freut sich auf das Jubiläumsturnier auf dem Platz an der Mosselde 105a. © Tobias Weskamp

Der Reiterverein Kirchlinde wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Gefeiert wird das mit einem großen Jubiläumsturnier am Wochenende. Der Eröffnungstag (12.6.) steht ganz im Zeichen der hohen Dressur. Der Reiterverein begrüßt Reiter der Dressurklassen S* bis S** (schwer) zu den Prüfungen. Bis zum 14. Juli (Sonntag) gibt es auch Sprungprüfungen bis Klasse M* (mittelschwer).

Insgesamt sind auf der Anlage an der Westerwikstraße/Mosselde 150a 20 Prüfungen an den drei Tagen geplant. „Wir gehen von etwa 600 Starts aus“, sagt Frank Reinermann vom Reiterverein.

Der Reiterverein rechnet mit „überschaubarem Stress“

Die 20 Prüfungen kann der Verein locker stemmen. „Das ist für uns überschaubarer Stress“, sagt Reinermann und lacht. Am Samstag und Sonntag geht es ab 10 Uhr los. Das Ende ist an allen drei Tagen für etwa 20 Uhr vorgesehen.

50 Jahre Reitverein Kirchlinde: Die ersten Pferde des Vereins mischte Ziegenbock Billy auf

Die Originalmitgliedsausweise von Herbert Weidner und seiner Frau Johanna. © Tobias Weskamp

Die großen Pläne für das Jubiläumswochenende lassen es kaum vermuten, aber der Reitverein Kirchlinde hat einmal ganz klein angefangen. Begonnen hat alles 1969, als eine Handvoll älterer Kirchlinder um Emil Krüger einige Ponys kaufte. „Es gab einen Sandplatz, der mit alten Telegrafenmasten umzäunt war“, erzählt Ralf Poszywala vom Verein. „Ich war bereits mit vier Jahren hier.“ „Ich sehe dich noch auf der Anbindestange turnen“, erinnert sich Herbert Weidner, der mit 82 Jahren das letzte Gründungsmitglied im Verein ist.

Die ersten Pferde kamen auf den Hof

Zu den ersten Pferden gehörten der Schecke Fritz, der Braune Pascha und der Apfelschimmel Strolch. „Auf Strolch habe ich reiten gelernt“, erzählt Poszywala. Als Reithalle wurde zunächst ein Teil einer Scheune genutzt. Mehr als fünf oder sechs Pferde passten nicht hinein.

Bei kalten Temperaturen im Winter wurde das dann auch schnell unpraktisch. Dauerhaft draußen reiten war keine Option. Eine richtige Reithalle musste her. Allerdings fehlte es an Geld, und für Zuschüsse wurde Eigenkapital verlangt. „Da hatte ich eine Idee: Wir haben Bausteine kreiert, die jeweils 400 Mark kosteten, und die die Mitglieder erwerben konnten. So bekamen wir 10.000 Mark zusammen“, erinnert sich Herbert Weidner.

Ein Ziegenbock beherrschte alle

In der Gründungsphase hatte der Verein einen Rittmeister als Reitlehrer. „Der ließ nichts durchgehen“, sagt Weidner. Einmal kam er, als Grog getrunken wurde. „Er erwischte aber versehentlich 80-prozentigen Strohrum und war schnell betrunken. Ich fuhr ihn dann in seinem Wagen nach Hause und meine Frau kam in unserem Auto hinterher. Sein Adjudant auf dem Rücksitz, der auch nicht mehr nüchtern war, meinte dann immer: Wir werden verfolgt“, erzählt Weidner und lacht.

Das ist der Reitverein Kirchlinde

Im Verein sind 160 Reiter unterschiedlichen Alters. In der Reitschule werden werden je nach Leistungsstand Longenstunden, Anfängerreitstunden und Gruppenunterricht angeboten. Auch Reittherapie gibt es beim Reiterverein mit Dipl.-Rehabilitationspädagogin Inke Grauenhorst. Dafür werden die Schulpferde des Vereins genutzt. 2015 hat der Verein syrische Flüchtlinge unterstützt. Auch „Bauer sucht Frau international“ hat schon beim Reiterverein gedreht. Weitere Infos zum Verein gibt es auch im Internet.

Und nicht nur der Rittmeister hatte alle im Griff: Es gab da auch noch einen Ziegenbock namens Billy. „Billy war der Chef hier, er war frech zu allen“, sagt Weidner. Später wurde er dann verkauft.

50 Jahre Reitverein Kirchlinde: Die ersten Pferde des Vereins mischte Ziegenbock Billy auf

Ralf Poszywala, Herbert Weidner und Frank Reinermann vom Reiterverein Kirchlinde. © Tobias Weskamp

Beim größten Turnier waren über 1000 Pferde

Bekannt war der Verein auch eher für seine Pferde und Geländeritte als für den Ziegenbock. Bei den Vielseitigkeitsprüfungen (früher Military) gab es Dressur, Springen und Geländeritte. „Die hatten es hier in sich“, so Weidner. 1980 hatte der Verein sein größtes Turnier mit über 1000 Pferden. Jedes Pferde hatte zwei bis drei Starts. „Sportlich gesehen war das unsere erfolgreichste Zeit“, sagt Frank Reinermann.

50 Jahre Reitverein Kirchlinde: Die ersten Pferde des Vereins mischte Ziegenbock Billy auf

Herbert Weidner von Reiterverein Kirchlinde zeigt den Wassereinsprung beim Geländeritt (circa 1980). © Herbert Weidner

„Dass der Verein da ist, wo er heute steht, ist der Verdienst eines Kreises Gleichgesinnter, die auch alle angepackt haben“, erklärt Weidner. Überhaupt haben die Mitglieder oft geholfen. „Der Schreiner brachte Holtz mit, andere packten beim Bau mit an. Meine Frau etwa stand oft an der Voltigiermaschine.“ Andere brachten ihre Bagger aus dem Betrieb mit. „Die Leute haben sich früher mehr eingebracht in den Verein“, stimmt Reinermann zu.

Stolz ist Weidner trotzdem auch heute: „Wenn ich hier hinkomme und sehe, was aus dem Verein geworden ist, geht mir das Herz auf.“

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