Der Alte Markt war vor Corona Dortmund größter Biergarten. Selbst wenn Außengastronomie wieder möglich werden sollte, werden hier einige Gastronomen hier nicht öffnen können. © Hans Blossey (Archivbild)
Entwurf zu Corona-Gipfel

Restaurants in Dortmund öffnen? „Lieber noch ein bisschen leiden“

Die Beschluss-Vorlage für den Corona-Gipfel am Mittwoch gibt Restaurants eine vage Hoffnung auf eine Wiedereröffnung. Dortmunds Gastronomen erschreckt das - wegen einer Klausel.

Einen Tag vor dem Bund-Länder-Gipfel zur Corona-Lage am Mittwoch (3.3.) sorgt ein Beschluss-Vorschlag für Schlagzeilen. In ihr wird (mit einigen Wenns und Abers) vielen aktuell zwangsgeschlossenen Branchen eine Wiedereröffnung in Aussicht gestellt – auch der Gastronomie.

Im Entwurf ist unter anderem die Rede davon, dass Restaurants, Kneipen und Cafés ihre Außengastronomien wieder öffnen dürfen, wenn die 7-Tage-Inzidenz 14 Tage nach der Öffnung des Einzelhandels stabil unter 35 bleibt. Dortmunds Inzidenz lag am Dienstag bei 65,4.

Notbremse macht Dortmunds Gastronomen Sorge

So oder so Zukunftsmusik also – und dennoch ist es die erste, wenn auch vage Öffnungsperspektive nach vier Monaten Dauer-Shutdown. Trotzdem reagieren Dortmunder Gastronomen bei einer ersten schnellen Umfrage unserer Redaktion zurückhaltend, wenn nicht gar ablehnend auf den Entwurf.

Das hat mit der sogenannten „Notbremse“ in ihm zu tun: Steigt die Inzidenz „an drei aufeinanderfolgenden Tagen“ über einen im Entwurf noch nicht festgelegten Wert, sollen alle Öffnungen zurückgenommen werden.

„Das wäre eine Katastrophe!“, sagt Hubertus Brand vom Roadstop in Syburg. Seine Restaurant-Gruppe gehörte zu den Mitunterzeichnern eines Brandbriefes, in dem die zeitgleiche Öffnung der Gastronomie mit dem Einzelhandel gefordert wurde.

Doch es gibt für ihn noch etwas Schlechteres als eine zu lange Zwangsschließung: „Das Schlimmste wäre, wenn wir erst wieder öffnen dürfen und dann wieder schließen müssen.“

Dem pflichtet Michael Dyllong bei, Dortmunds aktuell einziger Sternekoch (Palmgarden), der mit seinem Geschäftspartner Ciro Di Luca zwei weitere Restaurants in Kirchhörde hat (das Vida und das Iuma): „Wenn man die Kosten wieder hochfährt, muss das Geschäft auch sicher wieder laufen können“, sagt er.

Ansonsten verderbe die teuer gekaufte Ware, während die aus der Kurzarbeit zurückgeholten Mitarbeiter wieder nichts zu tun hätten und man selbst keinen Umsatz generiere, so Brand und Dyllong.

Doch selbst wenn alles gut geht und die Zahlen verlässlich unten bleiben, hilft das Babette Bohnekamp erst einmal wenig. Die Gastronomin gehört zur Geschäftsleitung des Traditionshauses „Zum Alten Markt“: Ihr angestammter Außenbereich ist derzeit eine einzige Baustelle – DEW21 verlegt Fernwärme-Leitungen in Dortmunds guter Stube, dem Alten Markt.

Theoretisch öffnen zu dürfen, es praktisch aber nicht zu können – „das wäre ganz schrecklich“, sagt Bohnekamp. Trotzdem wünscht sie ihren Kollegen, dass bis Ende März Dortmunds Außen-Gastro wieder anlaufen darf.

Sternekoch Dyllong ist da pessimistischer. Er denkt, dass die ersten Gastro-Lockerungen frühestens nach Ostern Anfang April kommen. Seine Devise: „Lieber noch ein bisschen leiden und dann sicher öffnen.“

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Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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