Rohwedder: Neue Netflix-Serie spielt auch in Dortmund

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Als Chef des Hoesch-Konzerns gehörte Deltev Rohwedder zu den mächtigsten Menschen Deutschlands - bis er eine weltpolitisch bedeutende Aufgabe bekam. Sein Tod ist jetzt Thema einer Netflix-Serie.

Dortmund

, 03.10.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Autobahnen wurden zur Fahndung gesperrt und das ZDF hat seinen Feiertags-Film unterbrochen, als Detlev Karsten Rohwedder im Jahr 1991 ums Leben kam. Zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit thematisiert eine neue Netflix-Dokumentation den Tod des Ex-Hoesch-Chefs.

Am Abend des Ostermontags 1991 hat ein Heckenschütze den Manager durch die Fensterscheibe seines Wohnhauses in Düsseldorf erschossen. Am Tatort wurde ein Bekennerschreiber mit Logo der Rote-Armee-Fraktion (RAF) gefunden - doch ein Täter wurde nie ermittelt.

Detlev Karsten Rohwedder, aufgenommen im Juni 1990 in Dortmund .

Detlev Karsten Rohwedder, aufgenommen im Juni 1990 in Dortmund . © dpa

Rohwedder, der zuvor zehn Jahre lang Vorstandschef der Dortmunder Hoesch AG war, war ein Jahr vor seinem Tod Chef der Treuhandanstalt geworden, die Tausende DDR-Unternehmen abgewickelt hat. Damit war er auch daran beteiligt, dass zahlreiche Menschen ihre Jobs verloren.

Im Bekennerschreiben wurde Rohwedder „Bonner Statthalter in Ost-Berlin“ genannt. „Mit seiner Brutalität und Arroganz“ sei er für die Aufgabe der richtige Mann gewesen: „Einer, für den Menschenleben nichts zählen.“ Der damalige Finanzminister Theo Waigel nennt Rohwedder in der Serie einen „Märtyrer der Deutschen Einheit“.

Große Sanierungserfahrung von Hoesch

„Eine Riesengestalt, groß und barock“, so beschreibt DDR-Wirtschaftsministerin Christa Luft in der Serie den Treuhandchef. Seine Sanierungserfahrung von Hoesch sei unbestritten gewesen. Das traditionsreiche, für Dortmund zentrale Stahl-Unternehmen war in große Schwierigkeiten geraten.

Laut Bekennerschreiben habe er „zwei Drittel aller Arbeiterinnen bei Hoesch rausgeschmissen. Dafür wurde er 1983 zum Manager des Jahres gekürt“. Rohwedder selbst sagte in einem Interview, er sei jemand, der keine Angst habe, vor die Arbeiter zu treten: „Es muss gemacht werden, wenn der Bestand des ganzen Unternehmens auf dem Spiel steht.“

Dieses Foto einer Demonstration der Hoesch-Belegschaft entstand im Dezember 1987.

Dieses Foto einer Demonstration der Hoesch-Belegschaft entstand im Dezember 1987. © Dieter Menne

Der zielstrebige Manager war sich auch sicher, dass er in seiner Hoesch-Belegschaft nicht gemocht war: „Das kann man als Vorstandschef auch nicht erwarten“, sagte er. Vielmehr sei es sogar wichtig, dass die Angestellten auch eine Bezugsperson haben, an der sie ihre Ängste ableiten könnten. In einem anderen Interview ergänzte er den Satz „In der Wirtschaft sind Grausamkeiten...“ mit „Unerlässlich. Aber sie sollten etwas abgepuffert sein, damit es nicht zu weh tut.“

Nach der Wiedervereinigung wuchs der Frust in der ehemaligen DDR, weil viele Menschen arbeitslos wurden. Rohwedder sagte in seiner neuen Rolle, der Sozialismus müsse aus den ostdeutschen Betrieben „ausgeschwitzt“ werden: „Und je schneller man in diese Krise hineingeht, umso schneller kommt man auch wieder raus.“

DDR-Innenminister Peter-Michael Diestel nennt Rohwedder den mächtigsten Wirtschaftsmagnaten in Deutschland zu seiner Zeit. Er sei im Frühjahr 1991 „eigentlich überall“ verhasst gewesen, so sein damaliger Assistent Peter Bachsleitner. Das führte bis zu seiner professionellen Ermordung, deren genaue Hintergründe auch fast 30 Jahre danach ungeklärt sind.

Rohwedder empfing Gorbatschow in Dortmund

In der Doku-Serie werden Szenen gezeigt einer IG-Metall-Demonstration in Dortmund, außerdem vom Besuch Michail Gorbatschows als Ehrengast bei Hoesch. Der Staatschef der Sowjetunion war auf Einladung der Betriebsräte in die Stadt gekommen.

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Neben den Ermittlungsansätzen, der Tod Rohwedders könnte mit der RAF oder der DDR-Staatssicherheit in Verbindung stehen, nennt Bernd Wagner vom damaligen Landeskriminalamt der Neuen Bundesländer eine andere brisante Theorie: „Es könnte eine westliche Inszenierung sein, den Chef der Treuhand zu töten, um dann zu belegen, dass die Treuhand-Politik richtig ist und den Anhängern des Ostens das Wasser abzugraben. Um zu sagen: ‚Seht, euer Gesellschaftsbild führt in den Tod.‘“

Spezial: Streng geheim! DDR-Spione in Dortmund

Die vier Teile der Serie „Rohwedder - Einigkeit und Mord und Freiheit“ sind zusammen rund zweieinhalb Stunden lang und beim Bezahl-Streaming-Dienst Netflix zu sehen.
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