Rolf Klinkau (80) ist noch immer voller Tatendrang für den Närrischen Rat in Dortmund

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Eine Gartenlaube in Bochum-Werne: Sie war jahrzehntelang das Herz des Dortmunder Karnevals. Noch immer residiert hier ein selten hochdekorierter Ur-Karnevalist.

Lütgendortmund

, 13.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die einen nennen es Büro des Närrischen Rates, andere Karnevalsmuseum. Rolf Klinkau nennt es seine Gartenlaube. In dem kleinen Raum sammelt der 80-Jährige Karnevals-Orden und -Anstecknadeln, Pokale und Zeitungsberichte. Und er bewahrt die Erinnerung an wichtige Diskussionen aber auch an Partys, die hier stattgefunden haben.

Rolf Klinkau (80) ist noch immer voller Tatendrang für den Närrischen Rat in Dortmund

In seiner Gartenlaube sammelt Rolf Klinkau seine Auszeichnungen. © Holger Bergmann

Rolf Klinkaus Nachbarn sind Karnevals-Musik gewohnt. Nicht aus Lautsprechern, sondern direkt aus den Kehlen der besten Karnevalisten. Die Besucher des ehemaligen Abteilungsleiters Haustechnik bei Konze haben Gesang im Herzen und die Narretei im Blut. Dieser Garten in Bochum-Werne war viele Jahre lang das Herz des Dortmunder Karnevals.

Das Prinzenpaar im Garten

So richtig stimmungsvoll wurde es zuletzt am 17. Februar 2019, als das Dortmunder Prinzenpaar und viele Freunde zu seinem 80. Geburtstag kamen, und als er zum erst zweiten Ehrensenator des Närrischen Rates Dortmund ernannt wurde. An die Feier in seinem Garten mit Gesang, Anekdoten und leckerer Gulaschsuppe erinnert Klinkau sich gerne.

Das war die letzte der großen Ehrungen, die er noch nicht erhalten hatte, nach all den Orden des Festausschusses Dortmund, des Bundes Ruhr Karneval und des Bundes Deutscher Karneval.

Rolf Klinkau (80) ist noch immer voller Tatendrang für den Närrischen Rat in Dortmund

Der Ehrenorden des Bundes Deutscher Karneval mit Brillianten ist das Glanzstück in Rolf Klinkaus Sammlung. © Foto: Holger Bergmann

Vorsitzender und Präsident der Karnevalsgesellschaft Kiek es drin, Vorsitzender des Männergesangsvereins Concordia, Vorsitzender der Bürgerschützen Lütgendortmund, Gründungsmitglied des Närrischen Rates und jahrzehntelang dessen Organisationsleiter, das ist eine grobe Aufzählung der Ämter, in denen er Spuren hinterließ.

Erfolgreicher Kartenverkäufer

Ein Amt hat er heute nicht mehr, doch stellt sich eine organisatorische Aufgabe, kann sich der Närrische Rat auf ihn verlassen. Zum Beispiel beim Kartenverkauf für die kommende Herrensitzung am 19. Januar (Sonntag) in der Westfalenhalle I, auf die er sich schon freut. Es wird seine 42. sein.

Klinkau ist immer noch so bekannt, dass viele Kartenanfragen zur der Veranstaltung an ihn gerichtet werden: „Von den 1200 Karten gehen 300 über mich raus.“

Auch deshalb ist die Wertschätzung im Vorstand des Närrischen Rates ungebrochen. „Rolf ist ein Eckpfeiler des Närrischen Rates, ist voller Tatendrang und ist ausgestattet mit dem Humor eines Vollblut-Karnevalisten“, lobte der erste Vorsitzende Jeremy Pearce den Bochumer bei einer Ehrung.

Als Tänzer durch ganz Europa

Dabei kam Klinkau erst spät mit dem Karneval in Berührung. Mit 19 Jahren besuchte er eine Karnevals-Sitzung von Kiek es drin im Hotel Specht – und war sofort so begeistert, dass er Mitglied wurde.

Gleich in der ersten Versammlung, die er besuchte, wurde er in den Elferrat gewählt. Erst später entdeckte er, dass sein Tanztalent genau in das Repertoire einer Karnevals-Show passt.

Rolf Klinkau (80) ist noch immer voller Tatendrang für den Närrischen Rat in Dortmund

Der Phoenix-Orden ist die höchste Auszeichnung des Festausschusses Dortmunder Karneval. © Holger Bergmann

Als er 34 Jahre alt war, traten er und seine Partnerin im Paartanz gegen 16- bis 18-jährige Konkurrenten an. Und sie gewannen dreimal in Folge den Pokal des Bundes Ruhr Karnevals. Das hatte Auftritte in ganz Deutschland und im Ausland zur Folge.

Sechs Jahre war Rolf Klinkau Vorsitzender bei Kiek es drin, zuletzt auch als Präsident.

Jetzt durften auch die Frauen mitmachen

In seiner Amtszeit änderte sich bei Kiek es drin viel. „Damals war Karneval bei Kiek es drin reine Männersache, das habe ich geändert“, sagt Rolf Klinkau. „Und das Programm der Sitzungen lief so ab: Büttenredner, Schlagersänger, Büttenredner, Schlagersänger, usw.“ Unter Rolf Klinkau kam auch Tanz dazu und schließlich sogar eine Jugendgruppe.

Rolf Klinkau (80) ist noch immer voller Tatendrang für den Närrischen Rat in Dortmund

Der jüngste Orden von Rolf Klinkau ist die Plakette als Ehrensenator des Närrischen Rates. © Holger Bergmann

So machte er sich einen Namen als Organisationstalent. Und als 1978 in Dortmund die Idee eines neuen Vereins für ehemalige Prinzen und Freunde aufkam, wurde Rolf Klinkau zum Gründungsmitglied des Närrischen Rates und zum wichtigsten Organisator.

Sein Talent, Neues zum Laufen zu bringen, führt Rolf Klinkau auf eine Fähigkeit zurück: „Wenn eine Idee umgesetzt oder eine Veranstaltung aufgebaut werden soll, dann weiß ich immer ziemlich schnell, welche Probleme das mit sich bringt.“ Künstler verpflichten und bezahlen, Säle anmieten, Karten verkaufen, Mitarbeiter koordinieren – es gibt immer viel zu tun.

Zur Selbstständigkeit gezwungen

Diese Fähigkeit hat ihm das Leben auf die harte Art beigebracht. Rolf Klinkau erlebte den Zweiten Weltkrieg als Kind in Wuppertal. Er erkrankte an Masern und musste ins Krankenhaus. In dieser Nacht wurde Wuppertal bombardiert. Er überlebte, seine Eltern und seine vier Geschwister, die zuhause waren, nicht.

Rolf Klinkau (80) ist noch immer voller Tatendrang für den Närrischen Rat in Dortmund

Der Orden „Schwarzer Diamant“ ist die höchste Auszeichnung des Bundes Ruhr Karneval. © Holger Bergmann

Er wuchs danach in einfachen Verhältnissen bei seiner Großmutter auf: „Ich habe nie gehungert, aber ich wusste lange nicht, was Speck ist.“ Diese Zeit hat Klinkau nicht als traumatische Erfahrung in Erinnerung, sondern als Schule fürs Leben.

Karneval im Westen

Rote Funken bereiten Jubiläum vor

Im Dortmunder Westen gibt es eine große Karnevals-Tradition. Eine Auswahl der wichtigsten Veranstaltungen:
  • 26. Januar (Sonntag) ab 11.11 Uhr in der Aula des Bert-Brecht-Gymnasiums, Sumbecks Holz 5: Der traditionelle Frühschoppen der Karnevalsgesellschaft Die Roten Funken ist deren einzige Veranstaltung in dieser Session, denn der Verein bereitet sich auf sein Jubiläum (88 Jahre) in der nächsten Session vor.
  • 2. Februar (Sonntag) ab 14 Uhr (mit Kaffeetrinken) im Evangelischen Jugendheim der Christusgemeinde, Westricher Str. 15: Seniorenkarneval der Karnevalsgesellschaft Kiek es drin und „Aktiv im Ort“. Kartenvorverkauf in der Drogerie Zimmermann, Limbecker Straße.
  • 8. Februar (Samstag) um 20.11 Uhr und 9. Februar (Sonntag) 14.11 Uhr im Kulturzentrum Alte Schmiede: Närrische Schmiede der Karnevalsgesellschaft So fast as Düörp‘m. Karten gibt es online.
  • 8. Februar (Samstag) ab 19 Uhr im Gemeindehaus St. Barbara, Teutoburger Straße: Karnevalsabend des Vereins für Volksbühnenspiele (VfV) Fidelitas mit einem Programm, das die Mitglieder selbst vorbereitet haben.
  • 9. Februar (Sonntag) ab 15.11 Uhr in der Aula der Heinrich-Böll-Gesamtschule, Volksgartenstr. 19: Kinderkarneval der Karnevalsgesellschaft Kiek es drin. Kartenvorverkauf in der Drogerie Zimmermann.
  • 22. Februar (Samstag) ab 20 Uhr in der Aula der Heinrich-Böll-Gesamschule: Gala-Sitzung der Karnevalsgesellschaft Kiek es drin. Kartenvorverkauf in der Drogerie Zimmermann sowie an der Abendkasse.

Derart zur Selbstständigkeit gezwungen, erlernte er Fähigkeiten, die in Vereinen gefragt sind. „Ich war in einem Verein kaum mehr als zwei Jahre, da wurde ich zum Vorsitzenden gewählt“, berichtet Rolf Klinkau, der Anfang der Achtzigerjahre auch mal vier Jahre lang Kneipenbesitzer an der Werner Straße war.

Und so kommt jemand wie Rolf Klinkau dann zu einer Gartenlaube, die heute vielleicht nicht mehr Zeuge wichtiger Absprachen ist, aber voller Erinnerungen und Ehrungen ist – während er selbst noch immer voller Energie für frische Taten ist.

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