Rolle rückwärts: Neues Grünflächenamt soll das Dortmunder Stadtbild verbessern

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Raus aus den Kartoffeln, rein in die Kartoffeln: 2001 aufgelöst, soll von der Stadt wieder ein eigenständiges Grünflächenamt an den Start gebracht werden. Die Veränderung soll deutlich merkbar sein.

Dortmund

, 04.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Beschwerden der Bürger über wucherndes Unkraut und mangelnde Pflege von Wegen und Grünanlagen sind in der Stadtverwaltung angekommen.

Die erste Konsequenz gab es am April 2018: Nach jahrelangem Druck aus der Politik wurden anstelle des Tiefbauamtes die Reinigungskräfte der Entsorgung Dortmund (EDG) in den Kampf gegen Wildkräuter an Bordsteinen, Ampelmasten und Aufpflasterungen geschickt.

In einem zweiten Schritt beauftragte die Stadt die EDG Anfang 2019, obendrein in die Pflege von mehr als vier Millionen Quadratmeter (430 Hektar) Straßenbegleitgrün einzusteigen. Eine weitere Entlastung für das Tiefbauamt.

Verwaltung kehrt zu altem Modell zurück

In wenigen Monaten wird das Amt die gesamte Grünpflege los sein. Auf Wunsch des Rates kehrt die Stadtverwaltung zu einem Modell zurück, das über Jahrzehnte Bestand hatte, 2001 aber abgeschafft wurde: Sie will wieder ein eigenständiges Grünflächenamt mit allem Drum und Dran installieren.

Die Hoffnung auf Kostenersparnis hatte die Verwaltungsspitzen damals veranlasst, das Grünflächenamt auf einen „Regiebetrieb Stadtgrün“ zurückzustutzen und ins Tiefbauamt einzugliedern. Keine gute Idee, sagen Politiker im Rückblick. Das Stadtbild habe darunter gelitten.

Grünfläche mit einer Größe von 1120 Fußballfeldern

Anfang 2020 soll es nun soweit sein. Die Arbeitsteilung sieht dann so aus: Die EDG widmet sich dem Unkraut auf Gehwegen und an Straßenrändern. Das Grünflächenamt übernimmt alles weitere: von den öffentlichen Grün-, Sport- und Freizeitanlagen bis zur Pflege der rund 150.000 Bäume.

Alles in allem eine Fläche von rund 800 Hektar – was umgerechnet 1120 Fußballfeldern entspricht. Neben Reinigung und Pflege soll das Amt auch für die Planung und Entwicklung neuer Grünbereiche zuständig sein – und, so ist es zumindest angedacht, ab 2020 dann auch Leitplanken für einen „Masterplan Grün“ entwerfen.

Die größeren und stadtweit bedeutenden Anlagen wie Westfalenpark, Rombergpark und Hoeschpark sollen in der Hoheit der Sport- und Freizeitbetriebe bleiben.

„Die Bürger werden die Veränderung merken.“

Beim Personalrat der Stadtverwaltung laufen die Verwaltungsspitzen offene Türen ein. „Wir begrüßen das sehr“, sagt Personalrats-Vize Jörg Markau. „Die Bürger werden die Veränderung merken."

Davon geht wohl auch Baudezernent Arnulf Rybicki aus. „Wir wollen der Bedeutung des Grüns mehr Gewicht verleihen“, sagt Rybicki, der aktuell damit befasst ist, die notwendigen Fundamente für das neue Amt zu legen. Die Vorbereitungen laufen, so Rybicki. Da sie aber noch nicht abgeschlossen seien, gebe es zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben, die „spruchreif“ seien.

Rolle rückwärts: Neues Grünflächenamt soll das Dortmunder Stadtbild verbessern

Auch der Blücherpark in der nördlichen Innenstadt wird künftig nicht mehr vom Tiefbauamt, sondern wieder von einem Grünflächenamt in Schuss gehalten. © Gregor Beushausen

Die Grundzüge allerdings sind erkennbar. Voraussichtlich im September sollen die Ratsgremien ins Bild gesetzt werden. Zuvor allerdings muss Kämmerer und Finanzhüter Jörg Stüdemann dafür sorgen, dass der geplante Doppelhaushalt für die Jahre 2020/2021 die notwendigen finanziellen Spielräume bietet.

Die Neuorganisation der Grünpflege und -planung wird mit zusätzlichen Personalkosten von rund 300.000 Euro pro Jahr zu Buche schlagen: Weil das Grünflächenamt mit eigenen „zentralen Diensten“ inklusive Controlling und Rechnungs- und Finanzwesen ausgestattet werden soll, müssen vermutlich acht Stellen her. Drei werden aus dem Tiefbauamt verlagert, fünf komplett neu eingerichtet.

Unter dem Strich soll das Amt rund 200 Beschäftigte haben – zumeist Mitarbeiter aus dem gewerblichen Bereich, die allesamt vom Tiefbauamt rüberkommen. Wer dabei in der ersten Reihe stehen wird, ist noch offen. Wie zu erfahren war, soll Ullrich Finger, Abteilungsleiter „Technische Dienste Grün und Straße“ im Tiefbauamt, gute Karten für den Posten des Amtsleiters haben.

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