Rosemarie Plenge hält Betrüger am Telefon stundenlang hin - bis zur Festnahme (mit Video)

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Als sich am Telefon jemand als Polizist meldete, war Rosemarie Plenge früh klar, dass das ein Betrüger sein muss. Also spielte sie mit. Bis ein Mann an ihrer Haustür festgenommen wurde.

Dortmund

, 22.11.2019, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war der frühe Abend des 3. Oktobers, als bei Rosemarie Plenge das Telefon klingelte. Der Anrufer meldete sich als Polizist: In der Nähe sei eine Einbrecherbande festgenommen worden, Plenges Name habe auf einem Zettel gestanden, den die Männer dabei hatten. Für ihre Reaktion darauf ist die 60-Jährige vom Polizeipräsidenten ausgezeichnet worden.

Der Anrufer fragte die Sombornerin, ob sie alleine zu Hause sei und wie viele wertvolle Dinge sie im Haus habe. Früh war sich Plenge sicher, dass es sich am Telefon um einen Betrüger handelte. Gedankenschnell bedeutete sie ihrem Mann Klaus per Zeichensprache, er solle selbst die Polizei rufen.

Jede Menge Schmuck, Bargeld und Goldbarren

Dann folgte eine hochkarätige schauspielerische Leistung: Sie sei ganz alleine, der Mann tagelang auf Motorradtour mit Freunden. Was sie so im Haus habe? „Ich bin 40 Jahre verheiratet. Mein Mann schenkt mir immer Schmuck“, sagte sie entschieden. Außerdem habe sie fast 3000 Euro Bargeld vor Ort - und drei kleine Goldbarren.

„Gucken Sie mal im Safe nach“, habe der Anrufer gefordert. Also ging Rosemarie Plenge an einen Schrank und piepte mit dem Mund so wie sich ein elektronisches Tastenfeld anhört. Irgendwann kamen die echten Polizisten ins Haus, die Ehemann Klaus alarmiert hatte - natürlich ohne auffallend zu klingeln.

Video
Rosemarie Plenge hilft bei Festnahme

Stolze zwei Stunden lang hielt die 60-Jährige den Anrufer hin. Als der Telefonakku leer war, gab sie ihre Handynummer durch. Der Mann am Telefon versprach, ein Polizist komme vorbei und nehme die Wertsachen entgegen, um sie in Sicherheit zu bringen.

Die echten Polizisten schrien: „Auf den Boden!“

Es war draußen schon lange dunkel geworden, da klingelte es tatsächlich an der Haustür. „Da hab ich gedacht, ich bin raus aus der Nummer“, sagt Plenge lachend. Doch der echte Polizist in ihrer Wohnung gab ihr pantomimisch zu verstehen, sie solle selbst die Tür aufmachen.

„Ich wusste ja nicht, wer davor steht, ob das so eine Kante ist“, erzählt die 60-Jährige grinsend. Nur einen Spalt weit habe sie die Tür aufgemacht: „Und da standen schon Beamte mit gezogener Waffe draußen und schrien ‚Auf den Boden, auf den Boden!‘ Da hab ich nur die Tür zugeknallt.“

Die Polizisten nahmen den Mann an der Tür und wenig später die Besatzung eines Autos fest, mit dem der Verdächtige gebracht wurde. Mitte November ist das Ermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen. Ein 46-Jähriger sitzt wegen dem Verdacht des bandenmäßigen Betrugs aktuell noch in Untersuchungshaft. Das Gesetz sieht dafür Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor.

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Polizeipräsident Gregor Lange zeichnet jedes Jahr Dortmunder aus, die mit besonderer Zivilcourage zur Vereitelung von Straftaten oder zur Festnahme von Kriminellen beigetragen haben. Einige ihrer Geschichten erzählen wir in einer vierteiligen Serie.
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