Rückblick 2008: Geschichten aus den Gerichten

DORTMUND Kurios, gemein, brutal und manchmal schlicht unglaublich: Das Jahr an den Dortmunder Gerichten steckte wieder einmal voller Geschichten, wie sie nur das pralle Leben schreiben kann. Wir haben hier einen Rückblick zusammengestellt.

von Von Martin von Braunschweig

, 01.01.2009 / Lesedauer: 3 min

Der Pechvogel des Jahres war ein 35-jähriger Drogendealer, der sich im Februar bei einem Fluchtversuch aus dem Landgericht offene Brüche an beiden Beinen zuzog. Der Mann hatte geglaubt, der Sitzungssaal liege im Erdgeschoss. Tatsächlich segelte er jedoch fünf Meter tief auf den harten Bürgersteig der Hamburger Straße.

Den pikantesten Prozess erlebte das Arbeitsgericht. Nachdem aufgeflogen war, dass sie ihre Lustreisen in eine Sado-Maso-Ferienwohnung als Seminarveranstaltungen abgerechnet hatten, verloren zwei hochrangige Betriebsräte der Städtischen Seniorenheime ihren Job. Für die Erlösung des Jahres sorgte im Juni die 44. Strafkammer: Nach über drei Jahren und 216 Verhandlungstagen konnte das Steuerhinterziehungs-Verfahren gegen einen als „Kaiser Franz“ bekannten Dortmunder (68) endlich abgeschlossen werden. Urteil: acht Jahre Haft.

Der dreisteste Trick brachte ein Dortmunder Ehepaar gleich zweimal vor Gericht. Mann und Frau hatten den Reiseveranstalter TUI jahrelang betrogen, indem sie ihre Kinder bei der Buchung jünger gemacht und damit hohe Rabatte kassiert hatten. Eine Zivilkammer verurteilte sie deshalb zur Rückzahlung von fast 17.000 Euro. Eine Strafrichterin verhängte später weitere 9600 Euro als Geldstrafe wegen Betruges.Die rätselhafteste Tat hatte im Mai das Schwurgericht aufzuklären. Am 29. August 2007 hatte ein 24-jähriger Polizisten-Sohn den Betreiber eines Wettbüros in der Nordstadt erstochen. Zum Motiv äußerte sich der Angeklagte während des gesamten Prozesses nicht. Seine Strafe: neun Jahre und acht Monate Haft wegen Totschlags.

Der ekligste Prozess endete mit einem Bußgeld-Bescheid über 100 Euro. Ein Metzger-Betrieb aus dem Norden war bei einer Kontrolle des Gesundheitsamts durchgefallen. Krusten auf dem Fleischwolf, Flecken überall – inzwischen ist der Laden dicht.

Als Kämpfer des Jahres durfte sich ein Physiker feiern lassen, der mit einer hoch komplizierten Berechnung alle Köpfe im Gerichtssaal zum Rauchen brachte. Folge: Sein Bußgeldbescheid wegen Raserei wurde aufgehoben.

Der Drogenfund des Jahres kam einem niederländischen Trio teuer zu stehen. Die drei Angeklagten hatten in einer Lagerhalle im Schmiedinghafen eine gewaltige Cannabis-Plantage angelegt. Das Landgericht verhängte schließlich Haftstrafen von bis zu vier Jahren.

Eine der brutalsten Taten des Jahres ereignete sich im Mai. Eine Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener prügelte völlig grundlos auf einen RN-Zeitungsboten ein und verletzten den Mann schwer im Gesicht. Der erst 14-jährige Haupttäter erhielt drei Jahre Jugendstrafe, ein erwachsener Komplize sogar vier Jahre Haft.

Für das größte Aufsehen des Jahres sorgte der Prozess um die Bargeld-Affäre im OB-Amt. Die Angeklagte Heike P. gab zu, über Jahre hinweg rund 400.000 Euro aus der Stadtkasse entwendet zu haben, um ihre Kokain-Sucht zu finanzieren. Gefängnis oder Bewährung? Eine Entscheidung fällt im Januar.

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