Runder Tisch setzt auf Kooperation mit „Trinkerszene“

hzSozialstruktur Marten

Wie groß ist das Problem mit der sogenannten Trinkerszene in Marten und was für Lösungen gibt es? Darum drehte sich der Runde Tisch in Marten. Dabei kam es zu überraschenden Erkenntnissen.

von Tobias Weskamp

Marten

, 14.09.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Martener Forum hatte in den Meilenstein in der Straße in der Meile eingeladen. Zentrales Thema des Abends war die so genannte Trinkerszene in Marten. Mehrere Experten diskutierten mit einigen Bürgern das Problem und wie man seiner Herr werden könnte.

Das Aufstellen von Bänken wird immer wieder diskutiert

Geklärt wurde die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, Versammlungen mehrerer trinkender Menschen zu verhindern oder aufzulösen. „Ich bin seit mehreren Jahren in der Bezirksvertretung (BV) und es gab immer wieder Diskussionen, ob und wo Bänke aufgestellt werden sollen“, sagt Erika Wehde, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD in der BV Lütgendortmund.

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Es müsse immer abgewogen werden, wie nötig ein Wunsch etwa für das Entfernen einer Sitzgelegenheit sei. Eine In der Meile stehende Bank habe bildlich gesprochen nicht mehr auf der Erde, sondern auf Kronkorken gestanden, ergänzte Jürgen Schröder, Fraktionsvorsitzender der CDU in der BV Lütgendortmund.

Oft stünden die Trinker auch an Treppen von Firmen. Polizeilich sei die „Trinkerszene“ aber nicht als großes Problem bekannt, obwohl sogar Anwohner schon mit Rufen wie „Ich bring dich um!“ bedroht würden. Es sei aber eher eine Minderheit, die sich belästigt fühle.

Nicht alle Vergehen können geahndet werden

Nicht immer sei es möglich, etwas zu unternehmen. Geahndet werden könnte beispielsweise das Wegwerfen von Abfall und öffentliches Urinieren, erklärte Tobias Marx vom Ordnungsamt und Leiter des Nordstadtbüros. Lärmbelästigung sei dagegen ein weites Feld.

Vanessa Beckmann vom Café Bertha in der Nordstadt kennt die Szene gut, da viele in das Café kommen, um dort ihren Alkohol zu trinken. Sie weiß aus Gesprächen, dass sich die Trinker meist draußen treffen, da es in ihren eigenen Wohnungen oft zu eng sei.

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Bastian Pütter, Vorsitzender des Vereins bodo, der sich um Obdachlose kümmert, findet, dass es hilft, wenn man mit den Menschen spricht. „Es gibt Ecken, an denen es viel schlimmer ist als hier“, sagt er. Beim Café Bertha wurde die Nachbarschaft mit einbezogen. „Es gibt dort praktisch keine Beschwerden mehr.“

Die Anwohner sollten aber auch nicht alles hinnehmen, sondern zum Beispiel mit den Trinkern darüber reden, dass um 22 Uhr Schluss sein solle, weil die Anwohner auch ein Recht auf ihre Ruhe hätten.

Dies könne man am besten informell erreichen, ergänzte Frank Bünte (ehemaliger Chefredakteur der Westfälischen Rundschau), der als Moderator durch den Abend führte. Oft helfe es auch, den öffentlichen Raum zu beleben, ergänzte Monika Rößler vom Martener Forum. Das sei für die „Meile“ im Gespräch, so Erika Wehde.

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