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Schulschließungen

„Schäme mich als Lehrerin fremd“: Reaktionen auf Körperverletzungs-Anzeige

Eine Lehrerin hatte im Zuge der Schulöffnungen die Landesregierung angezeigt - wegen Körperverletzung durch Unterlassen. Dortmunder reagieren online auf die Aktion mit großem Unverständnis.

Eine Dortmunder Lehrerin hat gemeinsam mit ihrem Ehemann Anzeige gegen die Landesregierung von NRW gestellt. Der Grund: Körperverletzung durch Unterlassen.

Nachdem sich die Landesregierung gegenüber der Stadt durchgesetzt hat und die Schulen nicht geschlossen werden mussten, klagt das Ehepaar nun. Denn kurz vor den Osterferien hatte es mehrere Corona-Fälle an der Schule der Dortmunder Lehrerin Heike Abel-Rochan gegeben und sie musste in Quarantäne.

„Dreist“, „unglaublich“, „ich fasse es nicht“

Ihr Ehemann Thomas Rochan sagt zwar, dass er kein Jurist sei, sich aber intensiv in das Thema eingelesen habe und „relativ streitlustig geworden“ sei. Ein möglicher Ort für Streitigkeiten wären bei diesem Thema auch die Kommentar-Bereiche von Facebook, Twitter und RN.de zu unserer Berichterstattung.

Denn dort wird großes Unverständnis für die Klage geäußert: „Dreist“, „unglaublich“, „ich fasse es nicht“ oder „Egoisten“ sind da noch die harmloseren Beiträge. Eine Berufskollegin schreibt sogar: „Leider schäme ich mich an dieser Stelle als Lehrerin fremd.“

Im Kommentarbereich von RN.de hat ein Leser die Vermutung, dass der Bericht ein paar Tage zu früh veröffentlicht wurde, denn er fragt: „Ist das ein genial verfrühter Aprilscherz des Autors?“

Finanzielle Interessen in der Kritik

Aber nicht nur die Anzeige wegen Körperverletzung gegen die Landesregierung sorgt für Empörung: Das Ehepaar wollte über die Osterferien nach Schweden reisen, um Immobilien zu besichtigen, die sie als Altersvorsorge gerne kaufen würden.

Da aufgrund der Quarantäne eine Reise über die Osterferien nicht mehr möglich ist, fürchtet Thomas Rochan nun auch einen monetären Verlust. Denn die Häuser seien schon in drei Wochen „für den Preis nicht mehr zu haben“.

Für eine Facebook-Userin ist somit die Argumentation des Ehepaares nicht mehr nachzuvollziehen. Ironisch schreibt sie: „Gut, dass Schweden Hochinzidenzgebiet ist. Erst mal toll, dass sie trotzdem gefahren wären – und Quarantäne hätten sie bei Rückreise auch gehabt.“

An gleicher Stelle verweist eine Nutzerin darauf, dass durch die Quarantäne nach dem Schweden-Urlaub vermutlich Unterrichtsstunden ausgefallen wäre. Deswegen wünscht sich die Userin, „dass sie dafür keine Lohnfortzahlung erhalten“ (hätten).

„Bärendienst für die Berufsgruppe“

Auf Twitter heißt es: „Und Lehrer wundern sich, warum sie belächelt werden.“ Von einem „Bärendienst für die Berufsgruppe“ ist hier die Rede. „Die genießen bei vollen Bezügen ihre monatelange zusätzliche Freizeit und führen sich so auf, während andere Menschen ihren Job oder sogar die Existenz verlieren“, empört sich ein Nutzer.

Auch auf RN.de wird der geplante Schweden-Urlaub heftig kritisiert: „Lächerlich! Nach Schweden fahren wollen, aber das Land NRW verklagen!“ Dort diskutieren Leser darüber, dass andere Branchen in der derzeitigen Situation zu kämpfen haben. Es wird auf Kassierer verwiesen oder auf Gastronomen, die momentan weniger „privilegiert“ seien.

„Endlich bitte mehr davon“

Gerade auch wegen des finanziellen Aspekts der Klage vermutet ein Nutzer, dass es dem Paar gar nicht um „das große Ganze gehe“, vielmehr stünden die „eigenen Belange“ im Vordergrund.

Allerdings gibt es auch Stimmen von Menschen, die mit dem Vorhaben des Ehepaares sympathisieren. Bei RN.de schreibt ein User: „Endlich bitte mehr davon” und an gleicher Stelle wird auch daran erinnert, dass durch die Entscheidung der Landesregierung tatsächlich jemand hätte erkranken können.

Deswegen schreibt der Nutzer, dass vonseiten der Landesregierung „eklatante Fehlentscheidungen vorliegen“ – und bläst damit in das gleiche Horn wie die Dortmunder Lehrerin.

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