Schafe grasen in Mengede und schützen die Artenvielfalt

hzIm Siesack

Im Naturschutzgebiet „Im Siesack“ in Mengede wird nur einmal im Jahr das Gras gemäht. Momentan ist es wieder soweit. Die Arbeit erledigen rund 200 immer hungrige Vierbeiner.

Mengede

, 23.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tiere liegen im Schatten unter den Bäumen auf der Wiese an der Altmengeder-Straße. Nur drei von ihnen spitzen die Ohren, als Christof Mays Geländewagen um die Ecke biegt.

Diese drei sind die Herdenschutzhunde, die die Nacht mit der Herde verbracht haben. Für sie ist das Kommen von Wanderschäfer Christof May aus Wickede an der Ruhr das Signal zu Pause. Kaum hat May sie gefüttert, legen sie sich schlafen. Richtig schlafen.

„In der Nacht haben die Hunde immer ein waches Ohr“, schildert May den Job der Schutzhunde, den diese zuverlässig und energisch erfüllen. „Da sollte niemand über den Zaun klettern“, sagt May.

Hütehund Jerry holt sich regelmäßig Streicheleinheiten als Belohnung für seine Arbeit ab.

Hütehund Jerry holt sich regelmäßig Streicheleinheiten als Belohnung für seine Arbeit ab. © Holger Bergmann

Nun beginnt der Dienst von Jerry. Er ist kein Schutzhund, sondern ein Hütehund. Er hält die Herde zusammen, reagiert auf die kleinsten Zeichen und Rufe des Schäfers.

Vorfreude auf frisches Gras

Wenn die Schafe Jerry entdecken, werden auch sie munter. Der Hund ist das Zeichen dafür, dass sie gleich auf einen neuen Abschnitt der Wiese im Naturschutzgebiet im Siesack geführt werden – mit frischem Gras.

Seit zehn Jahren kommt May mit seinen Tieren nach Mengede und pflegt damit das Naturschutzgebiet. Momentan leisten die Schafe die sogenannte Frühjahrsmahd. Das ist notwendig, denn eine Wiese, die nicht gemäht wird, verliert ihre Artenvielfalt, „nur ein paar invasive Arten würden sich durchsetzen“, berichtet Ute Schulze Kersting vom Umweltamt.

Außerdem würde eine Maschine beim Mähen die gesamte Fläche gleich kürzen. Schafe übersehen auch mal einzelne Abschnitte der Wiese, so entstehen Zonen mit unterschiedlichem Bewuchs.

Gemäht und ungemäht. Deutlich kann man sehen, wo die Schafe schon „gearbeitet“ haben und wo sie noch mähen müssen.

Gemäht und ungemäht. Deutlich kann man sehen, wo die Schafe schon „gearbeitet“ haben und wo sie noch mähen müssen. © Holger Bergmann

Die Schafe in Mengede wurden vor einer Woche geschoren. Man kann noch überall Flocken von Schafsfell sehen. Unter anderem in den Schnäbeln von Vögeln, die bedienen sich ausgiebig an der Wolle, sie bessern ihre Nester damit aus.

Preis für Schafswolle ist im Keller

Damit bekommen diese Woll-Flusen eine sinnvollere Verwendung als der Großteil der regulär geschorenen Wolle. Der landet nämlich erstmal in einer Scheune. „Schafswolle ist momentan unverkäuflich“, berichtet May. Es gibt keine Nachfrage und daher ist der Preis komplett am Boden. Vielleicht nächstes Jahr wieder.

Wenn nicht, verkauft May die Wolle an einen Hersteller von Schafswollpellets. Dieser Langzeitdünger mit Wasserspeicher-Eigenschaft wird immer beliebter, kann einen Schäfer aber nicht ernähren. Nein, Geld verdient May nur mit dem Fleisch seiner Schafe. Drei Herden hat er momentan.

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Nur etwa zwei Wochen bleiben die Schafe im Naturschutzgebiet Im Siesack, dann geht es weiter, auf eine andere Weide in Dortmund. Zu Fuß. In der Regel zieht May mit seinen Tieren sonntags weiter, wenn der Verkehr geringer ist.

Erst im nächsten Jahr wird May mit seinen Tieren zurückkehren nach Mengede.

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