Schalla-Urteil im Dezember? Mögliche neue Spur zum Angeklagten Ralf H.

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Bei nachträglichen Haar-Untersuchungen im Mordfall Schalla ist möglicherweise eine neue Spur des Angeklagten Ralf H. aufgetaucht. Ein Ende des Mammut-Prozesses steht in Aussicht.

Dortmund

, 04.11.2020, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der 16-jährigen Schülerin Nicole-Denise Schalla könnte noch in diesem Jahr zu Ende gehen. Das erklärte der Vorsitzende Richter Thomas Kelm am Mittwoch.

Der Angeklagte Ralf H. aus Castrop-Rauxel bestreitet seit seiner Festnahme, etwas mit dem Gewaltverbrechen aus Oktober 1993 zu tun zu haben. Möglicherweise ist jetzt aber eine zweite DNA-Spur entdeckt worden.

Analyse in Münster

Kurz bevor der erste Prozessanlauf wegen der Erkrankung einer Richterin gestoppt werden musste, hatte das Schwurgericht im Dezember 2019 die nachträgliche Untersuchung von 18 Haaren in Auftrag gegeben. Diese Spuren waren bisher offenbar noch gar nicht analysiert worden.

Am Mittwoch stellte der Molekulargenetiker Carsten Hohoff aus Münster dem Gericht seine Untersuchungsergebnisse vor. Demnach wiesen zahlreiche Haare DNA-Merkmale auf, wie sie die getötete Schülerin hatte. Das Haar mit der Spuren-Kennnummer 1.14 H1 war jedoch etwas ganz Besonderes.

Ein Haar mit Doppelspur

Auf diesem Haar fand sich bei der Analyse eine Anhaftung von weiterem Zellmaterial. Diese Anhaftung - davon gehen die Chemiker aus - stammte ebenfalls von Nicole-Denise Schalla. Das Haar selbst aber ist definitiv einer anderen Person ausgefallen. Möglicherweise sogar dem Angeklagten.

Klar ist: Bei diesen nachträglichen Untersuchungen konnten die Experten lediglich bestimmte DNA-Merkmale unter die Lupe nehmen. Das hat zur Folge, dass die Ergebnisse statistisch anders bewertet werden müssen. Das Haar mit der Nummer 1.14 H1 weist DNA-Merkmale auf, wie sie Ralf H. hat. Von etwa 10.000 Westeuropäern gibt es jedoch statistisch gesehen noch 14 weitere Treffer-Kandidaten.

Verteidiger wiegelt ab

Verteidiger Udo Vetter wollte das Untersuchungsergebnis deshalb gar nicht so hochhängen. „Allein in Dortmund fänden sich also 900 Personen mit demselben Muster“, rechnete er vor. „Und in Nordrhein-Westfalen wären es schon 27.000 Personen.“ Ausgeschlossen ist Ralf H. als Spurenträger aber definitiv auch nicht.

Gutachter Hohoff war nach derzeitigem Stand der Dinge der letzte Sachverständige, der in diesem Prozess vernommen wird. „Wir haben keine weiteren Beweisanträge vorbereitet“, sagte Verteidiger Vetter am Mittwoch.

Urteil im Dezember?

Die Richter wollen nun noch zahlreiche Dokumente verlesen und auch den langjährigen Ermittlungsführer der Polizei als Zeugen vernehmen. Er war es, der Ralf H. im Sommer 2018 festnahm. Dann ist die Kammer eigentlich mit ihrem Beweisprogramm durch.

Bisher sind noch drei weitere Verhandlungstage terminiert. Möglicherweise kann Mitte Dezember das Urteil gesprochen werden.

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