Schaukeln, Klettern, Toben – und endlich Freunde wiedersehen

hzSpielplätze wieder offen

Das warme Frühsommerwetter lieferte den passenden Rahmen: Die Spielplätze sind wieder offen. Die Dortmunder sind kaum zu bremsen und genießen gleich das volle Programm. Mütter bleiben skeptisch.

Nette

, 08.05.2020, 05:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der ausgelassene Lärm ist von schon von Weitem zu hören. Hinter das Netter Hallenbad ist das pralle Leben zurückgekehrt. Es ist Donnerstagnachmittag (7. Mai). Seit dem Morgen sind die Sperren auf den Kinderspielplätzen aufgehoben: eine von einer ganzen Reihe an Lockerungen des Corona-Lockdowns.

Es ist warm. Die Sonne strahlt von einem tiefblauen Himmel. Das weitläufige Areal zwischen Dach- und Neumarkstraße bietet Sonne und Schatten. Vor allem hat es aber die Sehnsuchtsobjekte, die lange sieben Wochen hinter rot-weißem Flatterband lagen: Rutsche, Kletternetz, Schaukel, Wippe und Sand. Jede Menge Sand.

Abstand ist nicht möglich

Das gut drei Meter hohe Kletternetz ist besonders begehrt. Kraftvoll ziehen, schwingen und drücken sich die Jungen und Mädchen über die Seile nach oben – aufgestaute Energie aus 50 Tagen, so scheint es. Abstand halten ist hier nicht möglich.

Spielplatz und Grünanlage hinter dem Netter Hallenbad sind weitläufig. Im Sandkasten und auf den Wiesen ist das Abstandhalten möglich - beim Toben auf dem Klettergerüst eher nicht.

Spielplatz und Grünanlage hinter dem Netter Hallenbad sind weitläufig. Im Sandkasten und auf den Wiesen ist das Abstandhalten möglich - beim Toben auf dem Klettergerüst eher nicht. © Uwe von Schirp

„Wie soll das auch gehen?“, sagt Jessica Johannesbauer. Die Mutter und ihre beiden Freundinnen lassen es geschehen. Und das soll beileibe keine Gleichgültigkeit gegenüber dem Infektionsrisiko sein. „Hygiene ist wichtig“, sagt Johannesbauer. Karolina Gorke und Kristin Wolff sitzen auf einer Bank – mit Abstand.

Die vergangenen Wochen waren anstrengend. „Das Aufeinanderhocken war schlimm“, erzählt Gorke, „das ständige Anspringen und auf der Nase herum tanzen“. Es fehlte der Ausgleich zu den Aufgaben, die die Grundschule für das Home-Schooling erteilte.

Erklärungsnot im Hansemannpark

„Die Kinder waren nicht ausgelastet“, sagt Wolff. Wasserballon-Schlachten auf dem Hof, Malen, Basteln – kein Ersatz für den Spielplatz. Spaziergänge mit Roller und Rad in den Hansemannpark brachten höchstens noch Erklärungsnot. „Warum durften da Jugendliche mit einem Kasten Bier sitzen und keiner kontrolliert das?“, fragt Kristin Wolff.

Jetzt lesen

Vorbei. Sie ist schon früh am Morgen mit den Kindern raus an die frische Luft. Da sei der kleine Spielplatz in der Butzstraße noch leer gewesen. Nachmittags also nun hierher zum Hallenbad – wie vor dem Corona-Lockdown an jedem Nachmittag.

Die Schaukeln sind besonders angesagt

Ein paar Meter weiter sitzt Diana Lohrmann auf einer Picknickdecke. Im Stoffbeutel ist der Proviant. „Die Decke habe ich dabei, wenn die Kinder etwas essen wollen“, sagt sie. Das scheint aber gerade offenbar zweitrangig. Auch die Förmchen liegen unbeachtet im Sand. „Endlich können sich die Kinder wieder austoben“, sagt die 39-Jährige erleichtert. „Wir wohnen unter dem Dach. So langsam staut sich da die Hitze. Jetzt haben wir wieder mehr Möglichkeiten.“

Diana Lohrmann hat gleich ein ganzes Bündel gepackt. Zum Spielplatz-Besuch gehören für sie Picknickdecke, Verpflegung und Sandspielzeug.

Diana Lohrmann hat gleich ein ganzes Bündel gepackt. Zum Spielplatz-Besuch gehören für sie Picknickdecke, Verpflegung und Sandspielzeug. © Uwe von Schirp

Die beiden Schaukeln sind derweil besonders angesagt. Mütter und Großmütter geben den Kindern richtig Schwung. Die Stimmung ist ausgelassen. „Wir hatten für zuhause schon eine Schaukel und Rutsche gekauft“, erzählt Bayan Diere. Ein kleiner Trost für ihre drei Kinder – aber kein Ersatz für den Kontakt zu den Schulfreunden. „Zwischendurch haben die Kinder Videotelefonie gemacht“, berichtet Anna Wiebe.

Jetzt lesen

Sie gehen zusammen in die Regenbogenschule. „Anfangs haben die Kinder nicht verstanden, warum man nicht raus darf“, erzählt Wiebe. Es blieben der kleine Garten zuhause und Radfahren mit der Familie. „Nach einer Woche war das aber langweilig“, sagt die 36-Jährige.

Die Sorge bleibt

An diesem Donnerstag also nun die wieder gewonnene Freiheit. „Einerseits dachte ich, das ist ja schön“, wird Anna Wiebe nachdenklich. „Andererseits habe ich Angst vor der Infektionsgefahr, wenn die Leute aufeinandertreffen.“

Denn eines wird in der ausgelassenen Stimmung unter der Frühlingssonne an diesem Nachmittag auch deutlich. Es geht nicht nur um Abstand, der ohnehin kaum einzuhalten ist. „Die Kinder fassen die Geräte ja auch an“, sagt Wiebe. „Und Händewaschen können sie erst zuhause. Wie schnell stecken sie die Hände aber auch mal in den Mund.“

Lesen Sie jetzt